Georg Kreisler im Interview Kunst als Kritik der Gesellschaft

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Man spürt bei Ihnen großen Zorn, Sie können ihn in Kunst packen oder auf der Bühne ventilieren. Sind Sie danach ein glücklicher Mensch oder rumort das weiter?

Ich bin kein unglücklicher Mensch. Aber Kunst war immer dagegen, immer Kritik der Gesellschaft. Schauen Sie Mozart an, der "Figaro" war eine Oper gegen den Adel. Mozart verurteilt den Grafen, der auf das Recht der ersten Nacht besteht.

Ihre Liedern haben oft gassenhauerhafte Refrains. Ist das heimtückische Verkleidung für bösen Inhalt?

Ja, genau. Das schon erwähnte "Taubenvergiften" etwa wird als Wienerlied getarnt, mit einer schönen Walzermelodie, aber es geht auf etwas ganz anderes hinaus.

"Lieder gegen fast alles", heißt eine ihrer LPs. Haben Sie auch ein Lied für etwas?

Hm, da muss ich nachdenken. (zögert) Wie gesagt, Kunst ist von Natur aus kritisch. Da fällt mir momentan nichts ein.

Sie haben so viel gesehen und erlebt, sind Sie trotzdem noch überrascht von der Welt?

Immer wieder. Zum Beispiel jetzt, wie mit Atomkraftwerken umgegangen wird, wie manche immer noch zögern, abzuschalten. Die würden erst umdenken, wenn der Gau in Europa eintritt und viele Gegenden schon unbewohnbar sind.

In Stuttgart macht seit einiger Zeit eine große Bürgerbewegung gegen S 21 mobil...

...ich find's wunderbar, ich bin ganz auf der Seite der Demonstranten! Es wird so oft unnötig Geld rausgeschmissen, und das bei so viel Armut auf der Welt. Stuttgart hat im Allgemeinen ein ruhiges und zufriedenes Bürgertum, es ist gut, dass sich gerade dort die Leute empören.




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