Georg Kreisler im Interview Ein ruheloser Fortgeher

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Sie haben viele Berühmtheiten getroffen und unter anderem mit Charlie Chaplin zusammengearbeitet.

Ja, das war für "Monsieur Verdoux" (1947), er hat mir die Filmmusik vorgepfiffen, ich habe sie in Noten aufgezeichnet und zu Hanns Eisler gebracht, der hat dann alles instrumentiert. In den Szenen, in denen Chaplin Klavier gespielt hat, habe in Wirklichkeit ich gespielt. Übrigens hatte der Film wenig Erfolg, Verdoux bringt ja seine Frau um und weigert sich in der Todeszelle, mit einem Priester zu sprechen. Deshalb wurde der Film in den USA zensiert.

Ist die antiklerikale Haltung auch Ihre?

Ich bin ein sehr gottesgläubiger Mensch, aber ich halte nichts von Religion. Religion ist von Menschen erfunden, und Gott ist etwas, was wir nicht durchschauen können, was über unserem Horizont liegt.

Wenn Sie geografisch nirgends wirklich zu Hause sind, sind Sie dann in einer Kultur zu Hause?

Das ist mit Sicherheit die deutsche Sprache. Ich habe mit dem Englischen nicht Schritt gehalten, ich lebe sehr in der deutschen Sprache.

Sie sind jetzt auf Abschiedstournee. Blicken sie mehr zurück oder mehr voraus?

Voraus! Zurückblicken? Wenig.

Sie ziehen also noch keine Bilanz?

Nein, eine Bilanz sollen andere ziehen, wenn ich nicht mehr da bin.




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