Wenn man die neu in der Diskussion befindlichen Stromautobahnen als Freileitung plane und nicht als Erdkabel verlege, könnten bis zu 20 Milliarden Euro eingespart werden. Das entspreche einer Halbierung der Kosten. „Dieses Geld haben wir als Gesellschaft, als Stromverbraucher nicht übrig“, sagte der 54-jährige Manager.
Stromautobahnen sind das Rückgrat der Energiewende
Die neuen Mega-Stromtrassen sollen das Rückgrat der Energiewende werden. Sie sollen den im windreichen Norden Deutschlands produzierten grünen Strom in den Süden transportieren. Fast 3500 Kilometer neue Stromautobahnen sollen allein 2024 und 2025 genehmigt werden. Gesetzlich ist bislang geregelt, dass sie auf Basis von Erdverkabelung entstehen.
Mancherorts gibt es in Deutschland Kritik und Bedenken von Bürgerinitiativen, die Klagen gegen Trassen angedroht haben. Dies ist ein Grund, dass der von Bundespolitik und Wirtschaft schon seit langem geforderte Ausbau von Hochspannungsleitungen in Deutschland eher schleppend vorankommt.
EnBW-Chef stellt Forderungen an Bundesregierung
Die Ampelkoalition hat in der Frage noch keine einheitliche Position entwickelt. Auch innerhalb der Fraktionen gehen die Bewertungen auseinander. Die einen pochen darauf, dass die neuen Gleichstromleitungen als Erdkabel auf mehr Akzeptanz in der Bevölkerung stoßen und auch Fragen von Beständigkeit gegenüber Extremwettern sowie Schutz vor möglichen Sabotagen einzubeziehen seien.
Die anderen betonen, durch den Verzicht auf eine Erdverkabelung lasse sich der Ausbau der Leitungen beschleunigen, zugleich würden die Kosten deutlich sinken. EnBW-Chef Stamatelopoulos fordert die Bundesregierung zum Umsteuern auf: „Wir wissen, dass es schwierig ist, die Politik zu überzeugen“, sagte der Manager. Er werde sich dennoch weiter für Freileitungen stark machen: „Wir geben die Hoffnung nicht auf.“
Rückenwind von Kretschmann
Rückenwind bekommt Stamatelopoulos von jüngsten Aussagen des baden-württembergischen Regierungschefs Winfried Kretschmann (Grüne). „Um Geld zu sparen beim Bau künftiger Hochspannungstrassen, sollten wir nicht unterirdisch, sondern überirdisch bauen“, sagte der Politiker. „Für die Erdverkabelung geht ein 40 Meter breiter Arbeitsgraben durch die ganze Republik“, fügte Kretschmann hinzu. „Masten aufzustellen, wäre ein viel geringerer Eingriff.“ Bundesenergieminister Robert Habeck (Grüne) sei offen dafür, wenn alle Bundesländer sich einig seien.
Die deutschen Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Tennet und Transnet BW fordern schon länger, dass Freileitungen bei den drei neuen Gleichstrom-Übertragungsleitungen „OstWestLink“, „NordWestLink“ und „SuedWestLink“ Priorität haben. „Die Akzeptanz der Energiewende kann dauerhaft Schaden nehmen, wenn die Kosten für den Netzausbau über das unbedingt erforderliche Maß hinaus steigen“, warnt Transnet-BW-Chef Werner Götz. „Die Politik sollte daher ein Interesse daran haben, die Kosten so gering wie möglich zu halten.“
Transnet-BW-Chef: Erdkabel machen den Strom teurer
Da Transnet BW noch keine Pläne zur Genehmigung eingereicht habe, sei es noch nicht zu spät bei den drei Projekten von Erdverkabelung auf Freileitung umzuschwenken. Der Bau von Hochspannungsmasten und deren Verkabelung sei im Vergleich zur Verlegung der Erdkabel „wesentlich einfacher und schneller zu realisieren“. Durch die zügigere Verfügbarkeit der neuen Leitungen würden darüber hinaus die Netzentgelte perspektivisch sinken oder zumindest weniger steigen. Diese Gebühren werden üblicherweise auf die Strompreise umgelegt.
Transnet BW baut gerade SuedLink. Dort müssen zahlreiche Flüsse und Infrastrukturen wie zum Beispiel Bahnleitungen mithilfe von Bohrungen unterquert werden, um das Erdkabel zu verlegen. Das ist sehr aufwendig. Die insgesamt rund 700 Kilometer lange Trasse, die von Brunsbüttel in Schleswig-Holstein nach Leingarten-Großgartach bei Heilbronn führt, sollte eigentlich schon im 2022 Jahr fertiggestellt sein. Zunächst verzögerte es sich auf 2026, nun ist 2028 im Gespräch.