Geothermiebohrungen im Kreis Böblingen Erdwärme gibt es nicht mehr überall

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Im Kreis Böblingen ist es bei Geothermiebohrungen zu Erdbewegungen gekommen. Viele Häuser wurden dadurch beschädigt. Das Landratsamt bewertet das Gebiet in puncto Geothermie deshalb neu und verzeichnet dies in einer Karte.

Die Risse in diesem Böblinger Haus sind vermutlich durch Geothermiebohrungen verursacht worden. Foto: dpa
Die Risse in diesem Böblinger Haus sind vermutlich durch Geothermiebohrungen verursacht worden. Foto: dpa

Böblingen - Leonberg, Böblingen, Renningen – allein im Kreis Böblingen ist es in drei Kommunen im Umfeld von Geothermiebohrungen zu Erdbewegungen gekommen. Viele Häuser wurden dadurch beschädigt, teilweise sind deren Bewohner aus Angst ausgezogen. Das Landratsamt hat nun darauf reagiert und auf der Grundlage von Untersuchungen einiger Bohrlöcher das Kreisgebiet neu bewertet. Das Ergebnis ist eine Karte, auf der farblich sichtbar gemacht ist, wo Erdwärmesonden genehmigt werden und wo nicht.

Unproblematisch sind Bohrungen nur in den blau gekennzeichneten Landstrichen. Dazu zählen grob die Kommunen Altdorf, Holzgerlingen, Schönaich, Steinenbronn, Waldenbuch und Weil im Schönbuch, Weil der Stadt mit Ausnahmen und Grafenau mit Einschränkungen. In Böblingen und Sindelfingen hingegen dürfen Geothermiebohrungen hingegen nur noch gegen strenge Auflagen erfolgen. Dazu gehört, dass zuvor eine Erkundungsbohrung vorgenommen wird. In den Gebieten in Böblingen, in denen sich die Erde hebt, ist noch nicht einmal das erlaubt.

Die Bohrtiefe wird begrenzt

„Aufgrund der Geologie besteht bei Bohrungen in den gelben Gebieten ein höheres Risikopotenzial, das im Einzelfall bewertet werden muss“, sagt Jochen Weinbrecht, der Amtsleiter für den Bereich der Wasserwirtschaft im Landratsamt. In einem Sindelfinger Fall etwa dürfe nicht wie geplant 76, sondern nur maximal 38 Meter tief gebohrt werden. Die Gefahr, dass man dabei auf Anhydrit stoße, sei allerdings gering. Das hätten Arbeiten in der unmittelbaren Nachbarschaft ergeben.

Der Anhydrit ist bekanntermaßen ein Problem: Kommt er mit Wasser in Kontakt, beginnt er zu quellen. Dies könnte ein Grund dafür sein, weshalb sich im Böblinger Stadtgebiet an bestimmten Stellen die Erde hebt. Die Folge davon sind Risse in den Häusern. Die Ursache dafür könnten nicht einwandfrei durchgeführte Erdwärmebohrungen sein. Zwei hat der Kreis bereits von Experten untersuchen lassen, acht weitere sollen folgen. Inzwischen haben 150 Hausbesitzer Schäden gemeldet. Bekannt geworden waren die Schwierigkeiten im vergangenen Jahr.

Karte zeigt, wo Erdwärmesonden zugelassen sind

Bereits im Jahr 2011 waren nach Geothermiebohrungen in Renningen und Leonberg Probleme aufgetreten. Dort setzten sich Häuser. In dem Leonberger Ortsteil Eltingen waren bei den Arbeiten zwei Grundwasserschichten verbunden worden. Das Wasser floss ab, es entstanden Hohlräume. Von den Setzungen waren in Eltingen fast 30 Gebäude betroffen. Im gesamten Landkreis gibt es aktuell rund 640 Standorte mit Erwärmebohrungen.

Behörde empfiehlt Alternative

Um ein Einfamilienhaus mit Erdwärme zu heizen, sind nach Angaben des Landkreises meistens zwei Bohrungen in rund 80 bis 100 Meter Tiefe erforderlich. Ob sich diese alternative Wärmequelle in den Gebieten rechnet, in denen der Kreis auf Erkundungsbohrungen besteht, müssen umweltbewusste Bauherren selbst entscheiden. Das Wasserwirtschaftsamt empfiehlt ihnen als billigere Alternative Erdwärmekörbe oder Erdwärmekollektoren, die beispielsweise in wenigen Zentimetern Tiefe wie das Leitungssystem für eine Fußbodenheizung verlegt werden. „Mit der neuen Karte für den Landkreis Böblingen wollen wir wieder Vertrauen in die Geothermie schaffen“, sagt der Landrat Roland Bernhard, denn die Erdwärme sei ein wichtiger Bestandteil der Energiewende.

Der Kreis Böblingen ist nicht der erste, der eine Karte herausgegeben hat. Auch der Nachbarkreis Tübingen habe eine solche, sagt Sarah Brilhaus, die Sprecherin des Landratsamts. Ob auch andere Kreise solch einen Überblick geben, kann sie nicht sagen. Mehrere Wochen lang haben jedenfalls die Fachleute im Böblinger Landratsamt an der Karte gearbeitet. Die Basisdaten dafür lagen ihnen längst vor: die Geologie, die Lage der Wasserschutzgebiete und des Schutzgebietes für die Heilquellen Stuttgart-Bad Cannstatt.




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