Geplante Gesetzesänderung Wie der neue Personalausweis Fotografen das Geschäft vermiest

Künftig soll es in jedem Bürgerbüro möglich sein, Passbilder an Fotoautomaten vor Ort zu machen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ab dem 1. Januar sollen Änderungen beim deutschen Personalausweis in Kraft treten. Die erhöhten Gebühren sind dabei nicht das einzige Ärgernis – für manche Stuttgarter Fotografen könnte das Gesetz sogar existenzbedrohend sein.

Stuttgart - Eigentlich hat Lydia Krüger tagsüber kaum Zeit für lange Gespräche. Nur wenige Straßen trennen ihr Fotostudio in der Cannstatter Altstadt vom Bürgerbüro des Stadtbezirks und den Räumen des kroatischen Konsulats. Normalerweise knipst sie deshalb Passbild um Passbild, zu besonders überlaufenen Zeiten blitzt ihre Kamera fast minütlich auf.

 

„Mit den Einnahmen aus dem Passbildgeschäft zahle ich meine Miete“, sagt sie. Doch ausgerechnet diese sprudelnde Geldquelle droht nun zu versiegen: Zum Jahreswechsel steht eine große Reform bei den Personalausweisen an, bei der sich neben einer kräftigen Gebührenerhöhung von ehemals 28,80 Euro auf bald 37 Euro auch für die Fotografenzunft so manches ändern dürfte.

Der Vorwurf der Betrugshilfe sei unverschämt

Laut dem Bundesinnenministerium soll es künftig in jedem Bürgerbüro möglich sein, Passbilder an Fotoautomaten vor Ort zu machen. Entscheiden sich Antragssteller dennoch für den Weg zum Fotografen, muss dieser das Passbild digital an die Behörden übermitteln, anstatt es dem Kunden in die Hand zu drücken. Ursprünglich war sogar geplant, der Branche das Passbildgeschäft gänzlich zu nehmen. Lydia Krüger bringt das noch immer in Rage: „Wäre das so durchgegangen, säße ich heute nicht mehr hier.“ Als unverschämt habe sie den Vorwurf des Innenministers empfunden, Fotografen wie sie könnten zwielichtigen Kunden bei der Passbildfälschung helfen. Das Ministerium begründet die verschärften Regeln mit Verweis auf diese Betrugsmasche.

Der nun vorgelegte Kompromissvorschlag überzeugt Krüger ebenfalls nicht. „Wenn ein Kunde bei mir am Montag ein Passbild macht und erst am Freitag zum Amt geht, dann müssen die Mitarbeiter sich dort durch eine gewaltige Anzahl an Bilddaten klicken“, vermutet sie. Die Unzufriedenheit der Bürger, fürchtet Krüger, könne dann auch auf ihr Geschäft zurückfallen.

Der Prototyp des Selbstbedienungsterminals werde gut angenommen

Wie genau die neuen Regelungen ihren Alltag beeinflussen werden, weiß sie allerdings noch nicht. Aus Sicht der Stadt gibt es vorerst keinen Anlass, die Fotografen über das weitere Prozedere aufzuklären: Das Gesetz sei auf Bundesebene noch nicht beschlossen, teilt ein Rathaussprecher auf Nachfrage mit. Erst nach dieser Entscheidung wolle man in die „Abstimmung mit dem Fachverfahrenshersteller zur Implementierung einer Schnittstelle mit den Fotografen“ gehen.

Nur Gutes kann die Verwaltung indes von einem Prototyp der Selbstbedienungsterminals berichten, der seit Kurzem die Bediensteten des Bürgerbüros Ost entlastet: „Es wird vom Kunden gerne angenommen, vor allem falls das mitgebrachte Lichtbild nicht biometrisch oder veraltet ist, und auch weil sich der Kunde den Weg zum Fotografen spart.“

Andere Kunden hingegen beschweren sich

Lydia Krüger mag das nicht so recht glauben. „Ich habe viele Kunden, die sich über genau diese Automaten beschweren“, sagt sie. Für die Fotografin keine Überraschung: „Die Kamera muss auf jedes Bild exakt eingestellt werden. Mit nur einer Blende und einem weißen Hintergrund, wie es in den Bürgerbüros passiert, lässt sich das nicht machen.“ Für sie scheint das Ärgernis mit den Bildautomaten deshalb der letzte Rettungsring zu sein: Nur wenn nicht allzu viele Kunden in die Fotokammern der Behörden abwandern, könne sie weiterhin ihre Miete zahlen.

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