Geplante Unterkunft bei Ludwigsburg Flüchtlinge: OB spricht von Kriegserklärung

Auf dieser Wiese in Pattonville, links neben dem Supermarkt, soll das Haus für die Flüchtlinge entstehen. Foto:  
Auf dieser Wiese in Pattonville, links neben dem Supermarkt, soll das Haus für die Flüchtlinge entstehen. Foto:  

Kornwestheim und Remseck planen den Bau einer neuen Unterkunft für 200 anerkannte Flüchtlinge – weit weg von beiden Städten, aber nah an Ludwigsburg. Das dortige Rathaus reagiert empört und fürchtet, dass die eigenen Anstrengungen zur Integration konterkariert werden.

Lokales: Tim Höhn (tim)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Ludwigsburg - Ein Gebäude mit vier Etagen für 200 Flüchtlinge, vielleicht sogar mehr – die Stadt Ludwigsburg reagiert mit massiver Empörung auf die Pläne der Nachbarkommunen Kornwestheim und Remseck, in unmittelbarer Nähe zum Stadtteil Grünbühl ein Haus für die Anschlussunterbringung von Asylbewerbern zu bauen. Die Kornwestheimer Oberbürgermeisterin Ursula Keck hatte das Konzept unlängst in ihrem Gemeinderat vorgestellt, ohne die Ludwigsburger Verwaltung vorab informiert zu haben. Jetzt droht ein Zerwürfnis. „Ludwigsburg lehnt das Vorhaben entschieden ab“, heißt es in einer Stellungnahme des Rathauses. Wesentlich deutlicher wird der Oberbürgermeister Werner Spec: „Das ist ein Affront. Wenn das so realisiert wird, käme es einer Kriegserklärung gleich.“

Errichtet werden soll das Haus am Rand des zwischen Remseck und Kornwestheim aufgeteilten Stadtteils Pattonville, hinter einem Einkaufsmarkt am Frauenried – und diese Straße gehört bereits zu Ludwigsburg-Grünbühl. Keck sprach in der Sitzung von bis zu 200 Plätzen, aber in einem internen Papier, das den Stadträten vorliegt, ist gar von 275 Plätzen die Rede. Kornwestheim und Remseck planen das Projekt gemeinsam, um ihre Verpflichtungen bei der Anschlussunterbringung zu erfüllen.

Ludwigsburg verteilt Flüchtlinge dezentral, Kornwestheim rückt davon ab

Hintergrund: Anfangs werden Asylbewerber in aller Regel in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, für die der Landkreis zuständig ist. Sobald über den Asylantrag entschieden wurde und ein Flüchtling dauerhaft in Deutschland bleiben darf, wechselt die Zuständigkeit: Für die Anschlussunterbringung müssen die Kommunen sorgen, und diese setzen dabei auf teils völlig unterschiedliche Konzepte.

Ludwigsburg versucht, anerkannte Flüchtlinge dezentral im Stadtgebiet zu verteilen, in kleinen Einheiten, um die Integration zu fördern. Diesen Ansatz verfolgte auch Kornwestheim und rückt jetzt davon ab. Gesellschaftlich gesehen sei die dezentrale Unterbringung vermutlich die bessere Lösung, räumte Keck zwar ein. Andererseits hätten Flüchtlinge bekundet, dass sie lieber Tür an Tür mit Landsleuten leben, weil die soziale Anbindung besser sei. Was sicher auch eine Rolle spielt: es ist logistisch einfacher, ein großes Haus für viele Menschen zu bauen als viele kleine Einheiten für wenige Menschen zu schaffen – und wohl auch günstiger.

Ausbaden muss es Ludwigsburg, wo sich nun breiter Widerstand bildet. Man habe mit kleineren Wohneinheiten gute Erfahrungen gemacht, die Pläne für Pattonville stünden dem diametral entgegen, kritisiert das Rathaus, und bekommt Unterstützung von der Politik. „Wir stehen zu der bisherigen Ludwigsburger Linie“, sagt Andreas Kasdorf, der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Und wir hätten uns gewünscht, dass Kornwestheim und Remseck mit uns das Gespräch suchen.“ Ähnlich äußert sich der CDU-Chef Klaus Herrmann: „Wir sind sehr überrascht, das ist so nicht in Ordnung“, sagt er. Der gewählte Standort sei eindeutig in Richtung Grünbühl orientiert. „Ich behaupte nicht, dass diese Menschen eine Gefahr darstellen, das wäre eine Vorverurteilung. Aber 200 Menschen an einer Stelle – damit wächst die Gefahr, dass es Probleme gibt.“

„Gettoisierung mit Ansage“

Ursula Keck hatte in der Sitzung betont, dass das Vorhaben noch nicht beschlossen sei, allerdings sind die Pläne schon sehr detailliert. „Wir haben jetzt in einen Schreiben an Frau Keck und den Remsecker OB Dirk Schönberger deutlich gemacht, dass wir diese Vorgehensweise nicht akzeptieren und inhaltlich nicht nachvollziehen können“, schimpft Spec. Es dränge sich der Eindruck auf, dass beide Städte ihre Aufgaben nicht auf ihrer eigenen Markung lösen, sondern auf Ludwigsburg abwälzen wollen.

Verhindern kann Ludwigsburg das Projekt aber wohl nicht, sondern nur auf Entgegenkommen in Kornwestheim und Remseck hoffen. Auch dort ist das Vorhaben nicht unumstritten. Die Entrüstung sei verständlich, sagt Ralph Rohfleisch, der Vorsitzende der Fraktion Grüne/Linke in Kornwestheim, und spricht von einer „Gettoisierung mit Ansage“.

Ursula Keck indes weist die Kritik zurück. Man sei noch in der Phase der Standortbewertung. „Sollten wir die Planungen vertiefen, würden wir selbstredend auf Ludwigsburg zugehen“, sagt sie. „Ich wünsche mir eine gute Kommunikation.“ Pattonville mit seinen 8000 Einwohnern habe bisher aber noch keine Menschen mit Bleiberecht aufgenommen. Die Überlegungen seien also legitim.




Unsere Empfehlung für Sie