Windkraft zwischen Böblingen, Holzgerlingen und Ehningen Wie die Windräder am Horizont aussehen könnten

Dass dieser Standort für eine Visualisierung gewählt wurde, ist kein Zufall. Foto: endura Kommunal/Screenshot

Die Kommunen Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen haben nun Videos veröffentlicht, in denen die Windräder eines möglichen Windparks zu sehen sind. Dass dieser gebaut wird, ist aber noch nicht entschieden.

Böblingen: Julia Theermann (the)

Der Blick schweift über den Horizont, während man auf einer Bank am Alten Wasserturm in Böblingen sitzt. Hängen bleibt er an sechs Windkraftanlagen, die sich in der Ferne drehen. Dieser Ort wurde bewusst gewählt, weil die Kritiker des möglichen Windparks Initiative lebenswertes Böblingen genau diesen Standort für eine Photoshop-Darstellung gewählt hatten – mit einem durchaus anderen visuellen Ergebnis.

 
Der Standort bei dieser Visualisierung ist der Kindergarten auf der Diezenhalde. Foto: endura kommunal/Visualisierung

Seit diesem Dienstag kann sich jeder ein Bild davon machen, wie der angedachte interkommunale Windpark zwischen Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen aussehen könnte. Auf der Webseite des Projekts haben die Kommunen insgesamt sechs Videoschnipsel hochgeladen, die die Windräder von unterschiedlichen Standorten aus zeigen.

Von sechs Standpunkten aus kann man sich die möglichen Windräder anschauen. Foto: Stadt Böblingen, Gemeinde Ehningen, Stadt Holzgerlingen/Visualisierung

Angefertigt hat diese das Unternehmen endura kommunal, das die Kommunen bei ihrem Vorhaben begleitet. „Wichtig ist, dass es sich dabei nicht um einen Endausbauzustand handelt“, sagte Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz bei einer Pressekonferenz zur Vorstellung der Visualisierungen. „Wir wollen zeigen, wie es sein könnte.“ Dass es sich um ein Maximalszenario handele, wurden auch die Bürgermeister von Ehningen und Holzgerlingen, Ioannis Delakos und Lukas Rosengrün, nicht müde, zu erklären. „Die Standorte der Masten stehen noch nicht fest“, sagte Holzgerlingens Klimamanager Thomas Egeler.

Der Standort, der bereits Aufsehen erregt hat: Die Windräder vom alten Wasserturm aus gesehen. Foto: endura kommunal/Visualisierung
Einen ähnlichen Standpunkt für eine Visualisierung wählte die Initiative lebenswertes Böblingen, die gegen die Windräder ist. Foto: www.bb-lebenswert.de

Die Visualisierungen zeigen sechs Windräder, die an den Rändern der Vorrangfläche BB-14 stehen, die zwischen der Bundesstraße 464 und dem Maurener Tal liegt. Damit nachher niemand den Kommunen vorwerfen könne, sie hätten etwas schöngeredet, wurde vom Windkraftanlagentyp Vestas V172-7.2 MW ausgegangen, der mittel- bis schwachwindige Standorte geeignet sei. Dieser hat eine Nabenhöhe von 199 Metern und misst mit seinen Flügeln an der höchsten Stelle 285 Meter. Es handele sich um den derzeit größten verfügbaren Typ für Windräder an Land.

Gewählt wurden zwei Standorte in Ehningen, einer direkt im Maurener Tal, einer in Holzgerlingen und drei in Böblingen – davon einer auf der Diezenhalde und einer in Dagersheim. Überall dort sei der Blick auf die Windräder ziemlich unverstellt, käme der Realität also nahe.

Öffentliche Veranstaltung im Januar

Trotzdem: „Wir stellen hier heute kein Endergebnis vor“, betonte Belz. Es sei den Kommunen aber wichtig, maximale Transparenz an den Tag zu legen. Die nächsten Schritte im laufenden Interessenbekundungsverfahren stehen aber zumindest zeitlich schon fest: Aktuell befinde sich die 18-köpfige Vergabegruppe, die aus Mitgliedern der drei beteiligten Gemeinderäte – inklusive Rathauschefs – besteht, in der Sichtung der Interessenten. Sieben Projektierer haben sich um die Chance beworben, auf dem interkommunalen Gebiet einen Windpark errichten zu können. „Das werten wir als großes Interesse“, so Belz. Im Laufe des Jahres will die Vergabegruppe den Gemeinderäten ein Unternehmen empfehlen. Stimmen die Gremien zu, steigt die Vergabegruppe in Vertragsverhandlungen mit diesem ein.

Vom Parkplatz im Maurener Tag aus gesehen Foto: Visualisierung endura kommunal

Im kommenden Januar wird es dann eine weitere Veranstaltung für die Öffentlichkeit geben, bei der sich der Projektpartner vorstellt und auf die Fragen der Teilnehmenden eingeht. Die endgültige Entscheidung, ob es zu einem Pachtvertrag kommt, sollen die Gemeinderäte voraussichtlich im zweiten Quartal des kommenden Jahres treffen.

Bis sich im Kreis Böblingen tatsächlich Windräder am Horizont drehen, ist sich Delakos sicher, wird es mindestens 2029 werden – falls die Gremien zustimmen. Immerhin müsse der Projektierer allerhand Gutachten beibringen – zu Schall, Schattenwurf und tatsächlichem Windertrag. „Es ist wichtig, dass wir über Fakten sprechen“, sagte dazu Rosengrün. Immerhin gehe es um ein Projekt, das das Landschaftsbild verändere.

Die Fläche liegt zwischen B464 und dem Maurener Tal

BB-14
Das mögliche Windkraft-Vorranggebiet BB-14 liegt zwischen der Bundesstraße 464 und dem Maurener Tal. Nördlich der Fläche ist die Stadt Böblingen, südwestlich die Stadt Holzgerlingen, und westlich liegt die Gemeinde Ehningen. BB-14 ist 179 Hektar groß.

Vorranggebiet
Offiziell ausgewiesen als Vorranggebiet für die Windenergienutzung ist die Fläche noch nicht. Die Entscheidung des Verbands Region Stuttgart steht noch aus. Die Kommunen Böblingen, Ehningen und Holzgerlingen haben in ihren Stellungnahmen die Ausweisung allerdings empfohlen.

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