Geplantes Sanierungsgebiet in Stuttgart-Ost Gestalterin aus Leidenschaft für Gaisburg

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Als Stadtplanerin will Dörte Meinerling die Lebensqualität in den Stuttgarter Bezirken verbessern. Auch das alte Gaisburger Zentrum soll schöner werden.

Dörte Meinerlings Planungsbüro ist im Stuttgarter Süden. Foto: Caroline Friedmann
Dörte Meinerlings Planungsbüro ist im Stuttgarter Süden. Foto: Caroline Friedmann

S-Ost/S-Süd - Entspannt und gut gelaunt sitzt Dörte Meinerling im Besprechungsraum ihres Architektur- und Stadtplanungsbüros an der Böblinger Straße im Stuttgarter Süden. Durch die großen Fenster blinzelt die Sonne herein. Und kaum fängt Dörte Meinerling an, über ihre Projekte zu sprechen, scheint auch in ihrem Inneren die Sonne aufzugehen. Mit Begeisterung erzählt sie, lacht, zeigt Pläne. Und man merkt sofort: Diese Frau hat wirklich Spaß an ihrem Beruf.

Gaisburg hat viel Potenzial

Derzeit ist Dörte Meinerling, die sich mit ihrem Büro planbar³ 2011 selbstständig gemacht hat, unter anderem mit den vorbereitenden Untersuchungen des alten Gaisburger Zentrums beschäftigt. Denn der Bereich zwischen Wangener Straße, Klingenbachtal und den Weinbergen am Plettenberg soll saniert und städtebaulich aufgewertet werden. „Für mich ist das ein ganz besonderes Gebiet, weil es einen historischen Kern hat und die Gaisburger Kirche, weil es schöne und vielseitige Ausblicke bietet und weil es ein rundherum grün abgeschlossener Bereich ist“, erklärt die 44-jährige Architektin. „Das bietet viel Potenzial.“ Für ihre stadtplanerischen Untersuchungen haben Meinerling und ihr Team unter anderem Bewohner vor Ort befragt. Sie wollten wissen, woran es in Gaisburg mangelt.

„Die Innenstadtnähe ist gegeben, es sind Grünräume da, es gibt ein kleines Nahversorgungsangebot, eine Schule und einen Kindergarten“, so die Stadtplanerin. „Was fehlt, sind Treffpunkte im öffentlichen Raum.“ Nach einem Bürgerworkshop, bei dem sich die Anwohner in die Planungen für Gaisburg einbringen konnten, werden die Vorschläge nun ausgewertet. Die vielversprechendsten fließen in das Stadtplanungskonzept mit ein. „In etwa einem Jahr soll dann der Antrag auf Städtebauförderung gestellt werden“, so Meinerling.

Für Dörte Meinerling, die aus Tübingen stammt, ist Stuttgart nicht nur ihre Wahlheimat, in der sie Architektur und Stadtplanung studiert hat und wo sie heute mit Mann und Tochter lebt. Auch aus beruflicher Sicht sei Stuttgart ein interessantes Pflaster, meint sie. „Hier hat jeder Bezirk seine eigene Identität, an vielen Orten gibt es noch sehr dörfliche Strukturen, obwohl man mitten in der Stadt lebt“, erklärt Meinerling. „Das ist nicht überall so.“

Sie will die Lebensverhältnisse verbessern

Doch ganz gleich, in welcher Stadt Dörte Meinerling gerade aktiv ist – bei all ihren Projekten legt sie Wert darauf, „mit den Anwohnern auf Augenhöhe zu diskutieren“. Schließlich gehe es um deren Lebensraum. „Stadtplaner wird man nicht, weil man da viel Geld verdient, sondern weil man etwas gestalten und die Lebensverhältnisse der Menschen verbessern will“, erklärt Meinerling. Deshalb werde aktive Bürgerbeteiligung bei ihr großgeschrieben. Auch Kinder, findet die Architektin, die selbst eine vierjährige Tochter hat, könnten in Sachen Stadtplanung schon mitreden. Deshalb biete sie in Kooperation mit der Stadtbauakademie Unterrichtsmodule und Projektwochen an Schulen an.

Vor allem, wenn an der Schule gerade ein Um- oder Ausbau anstehe, sei das Thema Architektur interessant für die Schüler. „Außerdem ist das für die Kinder etwas Neues“, sagt Meinerling. „Und die meisten freuen sich, wenn sie mal was anderes machen dürfen als sonst.“

Als Architektin und Stadtplanerin kümmert sich Dörte Meinerling aber nicht nur gerne um die, wie sie sagt, „baukulturelle Bildung“ von Kindern. Auch Nachhaltigkeit ist ihr wichtig – egal, ob es dabei um den eigenen Hausmüll, die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel oder um ihre stadtplanerischen Projekte geht. „Oft kommen Themen wie Klimawandel oder Umweltbelastungen bei Stadtplanungen gar nicht zum Tragen“, erzählt sie. „Ich sehe mich hier als Stadtplanerin aber in der Verantwortung, auch auf diese Dinge zu achten.“

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