Gerd Neininger aus Leonberg Ex-Polizist macht jetzt in Holz – und erschafft ein Meisterwerk

Die Kirche im Dorf – im Schwibbogen: Beate und Gerd Neininger präsentieren ihr Werk. Foto: Simon Granville

Mit seiner Frau Beate kreiert der pensionierte Polizeibeamte Gerd Neininger Schwibbögen, Wandbilder und weitere Holzkunst. Ein Exemplar zeigt die Gebersheimer Auferstehungskirche.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Einst hat sich Gerd Neininger regelmäßig auf Verbrecherjagd begeben. Von 1980 bis 2017 war der Gebersheimer als Polizeibeamter auf dem Leonberger Revier tätig, unter anderem im Streifendienst, bei der Spurensicherung und eine lange Zeit als Jugendsachbearbeiter. Mit inzwischen 69 Jahren widmet sich der pensionierte Polizeihauptmeister jetzt aber etwas komplett anderem: Er kreiert filigrane Dekorationsstücke aus Holz. Doch das tut er nicht allein. Seine Ehefrau Beate, 64 Jahre alt, ist für die Planung und die Farbgebung der Werkstücke zuständig.

 

Die Kirche hat für die Neiningers eine große Bedeutung

Jüngst ist dem Duo dabei ein wahres Meisterstück gelungen: ein Weihnachts-Schwibbogen, der die evangelische Auferstehungskirche in Gebersheim zeigt – detailgetreu und im wahrsten Wortsinn ausgefeilt. „Die Kirche war bei uns von Anfang an da“, sagt Beate Neininger, „sie war schon das Motiv auf unseren Hochzeitseinladungen.“ Jede einzelne Karte habe sie damals von Hand bemalt.

Selbes Motiv, anderes Material, könnte man also zusammenfassen. „Ich habe mich schon immer für die Arbeit mit Holz interessiert“, sagt Gerd Neininger, als er in seiner Werkstatt im Erdgeschoss des Hauses steht und einige Exemplare seines Schaffens zeigt – auch Schalen, Mobile und Wandbilder sind darunter. „Aber ich kann mir ja nicht überall schöne Schränke hinstellen, die ich abgebeizt hab’.“ Also musste, schon allein aus Platzgründen, etwas im kleineren Format her. Das waren zunächst ein paar Holzhasen, die im Familien- und Freundeskreis gut ankamen. Facettenreicher wurde es bei ersten Frühlingsbildern, die er aus Pappelsperrholz mit der Laubsäge gestaltete. Und schließlich kam der erste Weihnachts-Schwibbogen für die werte Schwiegermutter. „Da ist mir klar geworden: Das funktioniert.“

Inzwischen hatte sich Gerd Neininger auch eine spezielle Säge zugelegt, mit der feinste Zuschnitte möglich sind – perfekt, denn mittlerweile hatte auch eine seiner Schwägerinnen Interesse an einem Schwibbogen angemeldet. Für sie fertigte der Gebersheimer, der bis Anfang der 2010er-Jahre zwölf Jahre lang Vorsitzender des örtlichen Liederkranzes war, auch das Exemplar mit der Kirche. Das entstand nicht mehr aus Pappel-, sondern aus qualitativ hochwertigerem Birkensperrholz.

Präzision: Gerd Neininger sägt ein Teil für ein neues Projekt aus. Foto: Simon Granville

Zu sehen sind der Kirchturm, wie er seit 1864 über dem Dorf thront, im Hintergrund ein Teil des weitaus neueren Kirchenschiffs und links davon das historische Pfarrhaus. Hinauf zum Gotteshaus führt die Kirchtreppe, flankiert von den beiden Bäumen auf dem Plätzchen davor und im Pfarrgarten. Gebersheimerinnen und Gebersheimer erkennen den Ort sofort. Erleuchtet wird der Bogen von LED-Lämpchen.

Den Plan dafür hat, wie schon für vieles zuvor, seine Frau Beate Neininger entworfen und die Konstruktion am Computer vorbereitet – ab Dezember 2023 mit Unterbrechungen. „Ich arbeite dafür mit vier verschiedenen Programmen“, sagt sie und lacht. „Das ist zwar nicht optimal, aber ich habe bisher noch nicht genau das gefunden, was ich brauche.“ Sie habe sich zwar ganz gut reingefuchst, „es ist aber noch ein bisschen Luft nach oben“. Eine gewisse Erfahrung war schon da: Als langjährige Jugendleiterin im Liederkranz hat sie eine Vielzahl von Programmheften designed. Intensiv am Kirchenbogen gewerkelt wurde ab Ostern dieses Jahres.

Inspiration von eigenen Fotos und aus dem Internet

In der Werkstatt geht der Blick auf das Holzbild eines Phönix, gold auf schwarz. „Das war eine Vorlage“, sagt Gerd Neininger. Als Inspirationsquelle für die Arbeiten dienen dem Ehepaar das Internet, aber auch das eigene Foto-Archiv. Da trifft es sich gut, dass Gerd Neininger zudem ein Faible für Fotografie und historische Kameras hegt.

Und was kommt als Nächstes? Ein Kleingewerbe haben die Eheleute jedenfalls schon angemeldet. „Aber eigentlich ist es ein Hobby, sowas wie eine Serienproduktion wird es nicht geben“, betont Gerd Neininger. Beim Gebersheimer Osterbrunnenmarkt hatten die beiden erstmals einen Stand und auch einige Verkaufserfolge. „Und wir könnten uns auch vorstellen, beim Gebersheimer Adventsmärktle dabei zu sein, oder beim Adventsdörfle in Leonberg“, fügt Beate Neininger hinzu.

Besuch im Erzgebierge soll irgendwann auch noch kommen

Am Ende sollten die Materialkosten wieder reinkommen. „Und vielleicht kann man vom Rest mal schön zusammen essen gehen“, sind sich beide einig. Würden sie alle Arbeitsstunden zusammenrechnen, wären ihre Schwibbögen und Co. vermutlich nur schwer erschwinglich.

Apropos Schwibbögen: Berühmt für den weihnachtlichen Schmuck ist bekanntlich das Erzgebirge. „Da waren wir aber noch nie so richtig“, sagen beide und lachen wieder. „Wir haben es aber vor.“ Es dürfte eine weitere Station sein, um sich inspirieren zu lassen.

Schwibbogen – Name und Herkunft

Name
Der Name „Schwibbogen“ leitet sich aus der Architektur ab. In diesem Zusammenhang verwendet man den Begriff „Schwebebogen“ für eine Stütze zwischen zwei Mauern

Herkunft
Das Erzgebirge ist für die Schwibbogen-Kunst bekannt. Im einst stark von Bergbau geprägten Landstrich, so erzählt man, sehnten sich die Bergleute in den Wintermonaten nach Licht. Dieses Licht in den Fenstern sollte ihnen zudem den Weg nach Hause zeigen. Der erste Schwibbogen, damals noch aus Metall gefertigt, datiert aus dem Jahr 1740.

Holzkiste
Einen Quasi-Namen hat die Schnitzerei von Gerd Neininger auch: „Gerry’s Holzkiste“ wird sich aber noch durchsetzen müssen.

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