Gerhard Kicherer geht in den Ruhestand „Mein größter Wunsch ist ausschlafen“

Von kle 

Gerhard Kicherer, der Leiter der Friedrich-Schiller-Schule, verabschiedet sich in den Ruhestand.

Jetzt heißt es, Abschied nehmen: Gerhard Kicherer vor dem Neubau  des Schulzentrums. Foto: factum/Granville
Jetzt heißt es, Abschied nehmen: Gerhard Kicherer vor dem Neubau des Schulzentrums. Foto: factum/Granville

Renningen - In seiner Zeit an der Friedrich-Schiller-Schule hat Gerhard Kicherer viele Jungen und Mädchen kommen und gehen sehen. Schließlich ist er seit 29 Jahren Rektor der Werkrealschule am kooperativen Bildungszentrum. Ende dieses Schuljahres nimmt er seinen Abschied und geht in den wohlverdienten Ruhestand. Wie er die Zeit an „seiner“ Schule erlebt hat, und wie schwer ihm der Abschied wirklich fällt, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Herr Kicherer, Sie sind jetzt seit 29 Jahren Leiter der Friedrich-Schiller-Schule. Können Sie sich noch an Ihren ersten Tag hier erinnern?
Sie meinen den ersten Tag, an dem ich als Rektor an der Schule war? Ja, das weiß ich noch. Das war in den Ferien. Das Schulamt konnte mir nämlich erst mit Beginn der Sommerferien meine Urkunde überreichen, danach bin ich hierhergefahren. Selbst die Konrektorin war zu dem Zeitpunkt schon im Urlaub, und nur die Sekretärin war noch da. Sie gab mir alle nötigen Schlüssel – den Schlüsselbund gibt es übrigens immer noch, bis heute ist keiner abgebrochen oder kaputtgegangen. Dann habe ich mir erst mal in Ruhe alles angeschaut. Und von da an war es „meine“ Schule, ich hatte sofort das Gefühl: Ich kenne sie. Man kann sagen, es war Liebe auf den ersten Blick.
Denken Sie, dass es damals leichter war, Rektor zu sein?
Es war anders, aber ob es einfacher war, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hat sich die Schulleitung kolossal verändert. Damals war es zum Beispiel erst ganz neu, dass dienstliche Beurteilungen nicht ausschließlich zusammen mit dem Schulamt gemacht wurden, heute ist das allein die Aufgabe des Schulleiters.
Und die Schullandschaft, wie hat die sich in den vergangenen 30 Jahren verändert?
Die hat sich sehr stark verändert. Man muss aber sagen: schlagartig war es nie, die Veränderungen kamen immer sukzessive. Ich denke, dass Schule ein ständig mutierender Organismus ist. Abhängig immer von gesellschaftlichen, politischen und technischen Veränderungen, was sich in den Bildungsplänen widerspiegelt. Ob jede Neuerung im Einzelnen sinnig und notwendig ist, kann man hinterfragen. Aber wenn es gar keine Veränderung geben würde, wäre es sicher schlecht.
Gibt es Veränderungen, die Sie als besonders positiv oder negativ betrachten?
Ich denke, die meisten Veränderungen kann man positiv sehen. Ich sehe das Glas nie als nur halbvoll, sondern immer als viel voller.
Ist die Einführung der Schulsozialarbeit in Renningen so eine positive Entwicklung?
Darüber bin ich natürlich froh, dass wir das erreicht haben. Es ist schön, dass der Gemeinderat und die Stadt in diese Richtung mitgegangen sind, denn vorher gab es so etwas wie die Schul- und die Jugendsozialarbeit ja gar nicht, da bestand ein spürbarer Abmangel.
Trotzdem gab es doch sicher Neuerungen, die Ihnen nicht gefallen haben?
Natürlich. In dem Moment, in dem so etwas verkündet wird, regt man sich schon darüber auf. Aber auch das waren nie Schläge, bei denen man dachte: das kann man so gar nicht hinnehmen. Man muss ja nicht begeistert sein.
Gibt es einen Grund, warum Sie kein Beispiel nennen?
Die negativen Beispiele halten sich einfach in sehr engen Grenzen, da wäre jedes konkrete Beispiel marginal.
Die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung wird zum Beispiel aktuell wieder sehr kontrovers diskutiert. Wie stehen Sie dazu?
Das halte ich tatsächlich nicht für zielführend. Wenn die Eltern damit verantwortungsvoll umgehen, ist es in Ordnung. Aber nicht, wenn sie diese Freiheit nutzen, um unbedingt ihre persönlichen Vorstellungen für ihr Kind durchzusetzen.
Haben Sie den Wechsel zur Werkrealschule als besonderen Einschnitt erfahren?
Nein, gar nicht. Ich war vorher ja Lehrer an einer Realschule, die Erfahrung mit dem System war also schon da.
Wie ist es mit dem großen Umbau am Schulzentrum, wie haben Sie den denn erlebt?
Welchen meinen Sie? (lacht) Der Neubau von 2016 ist ja nicht mein erster. Vier Jahre, nachdem ich hier angefangen habe, kam der erste große Neubau an der Poststraße, später kam noch die Erweiterung unseres Verwaltungstrakts mit dem Lehrerzimmer.
Und welcher Umbau war am anstrengendsten?
Schon der Verwaltungsbereich.



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