Gerhard Proß und sein Europa-Traum Esslinger spricht im EU-Parlament

Gerhard Proß wurde bei der Vorbereitung seiner Veranstaltung von der slowakischen EU-Parlamentsabgeordneten Miriam Lexmann unterstützt. Foto: privat

Eine Engelsgeduld und Behörden-Jogging machten es möglich: Gerhard Proß aus Esslingen darf im Parlament der Europäischen Union in Brüssel sprechen. Für die Organisation dieser Veranstaltung musste er viele Hindernisse überwinden.

Leicht war es nicht. Behörden-Jogging und viel Gelassenheit im Umgang mit Bürokratiemonstern waren nötig. Doch Gerhard Proß hat es geschafft: Der Esslinger darf im Parlamentsgebäude der Europäischen Union (EU) in Brüssel sprechen.

 

Eine Einladung hilft. Eine Vermittlung durch Abgeordnete könne Externen die Nutzung von EU-Räumlichkeiten erleichtern, sagt Gerhard Proß. Auf einer internationalen Veranstaltung war er zufällig mit Miriam Lexmann aus der Slowakei ins Gespräch gekommen: Als Mitglied des Europäischen Parlaments für die EVP-Fraktion, die Christdemokratische Bewegung, wollte sie sein Anliegen unterstützen.

Als Vorsitzender von „Miteinander in Europa“ möchte Gerhard Proß auch verschiedene christliche Gemeinschaften zusammenführen. Im September 2024 traf er daher den inzwischen verstorbenen Papst Franziskus. Foto: VATICAN MEDIA

Doch danach war erst einmal Schweigen. Über Wochen, sagt der 1950 Geborene, wollte er Kontakt zu der Parlamentarierin aufnehmen. Vergebens. Kein böser Wille von ihrer Seite. Die Termindichte der Abgeordneten sei einfach zu hoch. Sie seien zu stark eingespannt. Irgendwann antwortete sie eines Abends gegen 23 Uhr auf einen seiner Anrufe. Sie gab ihm ihre Dienst-Handynummer. Von da an war das Organisieren leichter. Zumindest etwas.

Esslinger würdigt EU-Anfänge

Dabei hatte Gerhard Proß durch und durch hehre Absichten. Er ist bei „Miteinander in Europa“ aktiv, einem vor 25 Jahren gegründeten Zusammenschluss von über 300 christlichen Gemeinschaften. Ziel sei eine Annäherung und Versöhnung der unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Angestrebt werde eine Einheit in Vielfalt ohne Dominanz einer Ausrichtung. Jedes Jahr werde um den 9. Mai, den Europatag, herum eine Veranstaltung oft direkt in Esslingen organisiert.

2025 war für den früheren langjährigen leitenden Referenten des CVJM Esslingen ein besonderes Datum: Denn vor 75 Jahren hatte der damalige französische Außenminister Robert Schuman in einer dreiminütigen Rede einen Neuanfang in Europa in Frieden gefordert und sich für die deutsch-französische Freundschaft stark gemacht. Damit habe Schuman den Grundstein zur heutigen EU gelegt.

An diese Ursprünge möchte Gerhard Proß im EU-Parlament mit einer Gedenkveranstaltung erinnern. Verschiedene Redner sollten zu Wort kommen. Klingt erst einmal einfach. War aber schwer zu handeln. Der Parteienproporz musste peinlich genau eingehalten werden, so der Vater zweier erwachsener Kinder. Vertreter jeder Gruppierung wollten mit dem gleichen Zeitbudget bedacht werden – zwei Vertreter einer politischen Richtung wären ein No-go gewesen. Gleichzeitig waren aber auch manche Politiker nicht bereit, aufs Podium zu gehen, wenn dort andere reden würden.

Europa darf nicht den Stecker ziehen: Der Esslinger Gerhard Pr0ß möchte an die Ursprünge der Europäischen Union erinnern. Foto: IMAGO

Engelsgeduld machte es möglich. Am Donnerstag, 15. Mai, wird Gerhard Proß Europa-Traum wahr. Zusammen mit 100 internationalen Vertretern von „Miteinander in Europa“ und einer Delegation aus Esslingen wird er in einem nach vielen Mühen organisierten Raum im EU-Parlament seine Veranstaltung unter dem Titel „Zusammen in Europa – 75 Jahre Schuman-Deklaration“ zelebrieren. Anmoderation und Schlusswort kommen von ihm. Von 11 bis gegen 13 Uhr gibt es weitere kurze Impulsvorträge zu den Herausforderungen, Zukunftsperspektiven oder Friedensprojekten der EU.

Gefühlvolle Rede auf Englisch

Seine Reden wird Gerhard Proß auf Englisch halten. Deutsch, sagt er, wäre ihm lieber gewesen. In seiner Muttersprache könne er seine Gefühle mit Blick auf das für ihn hochemotionale Thema besser verdeutlichen. Vor Ort in Brüssel wäre eine Übersetzung seiner Statements auch problemlos möglich. Doch die Veranstaltung wird über Streaming-Dienste übertragen – und hier wäre das Dolmetschen schwierig gewesen. So hat er seine Reden auf Englisch vorbereitet. Er hofft, dass er beim Ablesen das Feuer und die Begeisterung herüberbringen kann, die die Erinnerung an Robert Schumans Friedensappell in ihm wachruft.

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