Gerhard Strate ist Wiederaufnahmeexperte Die letzte Hoffnung für viele Angeklagte

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Mit dem Freispruch für das Psychiatrieopfer Gustl Mollath ist seine Popularität noch einmal gewachsen. Der Hamburger Anwalt Gerhard Strate ist Experte für Wiederaufnahmeverfahren. Gerade setzt er zu einem neuen Schlag an.

Der Anwalt Gerhard Strate gehört zur Champions League in seinem Beruf. Foto: dpa
Der Anwalt Gerhard Strate gehört zur Champions League in seinem Beruf. Foto: dpa

Stuttgart - Post aus dem Gefängnis bekommt er fast täglich. Für viele Menschen ist Gerhard Strate die letzte Hoffnung. Der 68-jährige ist einer der wohl erfolgreichsten Wiederaufnahme-Experten Deutschlands. Seit es dem Rechtsanwalt mit Kanzlei in Hamburg gelungen ist, im Fall des in die geschlossene Psychiatrie eingewiesenen Gustl Mollath ein Wiederaufnahmeverfahren, die Beendigung der Unterbringung in der Psychiatrie und einen Freispruch zu erlangen, hat die Zahl der Briefe noch einmal zugenommen. Strate ist der Mann, der für Monika Böttcher (geschiedene Weimar), die ihre beiden Töchter umgebracht haben soll, die Wiederaufnahme ihres Prozesses erreicht hat. Letztlich wurde sie nach einem Freispruch jedoch wieder verurteilt. 1987 konnte er im Fall des vermeintlichen Sexualmörders Holger Gensmer ein Lebenslänglich in einen Freispruch umwandeln. Nach 17 Jahren Haft.

Leidenschaft und Neugierde

Das alles weckt Erwartungen, die Strate nicht immer erfüllen kann, weil er nicht jeden Fall übernehmen kann. „Am ehesten interessieren mich die Schreiben, in denen jemand unaufdringlich seine Sache schildert“, sagt er, wenn er beschreiben soll, welche Fälle er auswählt. Schließlich verbringt er, wenn er sich für ein Mandat entscheidet, viel Zeit mit einem Fall. Das macht er mit mit Leidenschaft und Ausdauer. Denn bis ein Wiederaufnahme-Antrag fertig ist, dauert es Jahre. Dass er gerade zwei Fälle antragsreif gemacht hat, „ist reiner Zufall.“ Zehn und viereinhalb Jahre hat er dafür gebraucht. „So etwas kann man immer nur nebenbei, dann aber manchmal schon auch sehr intensiv machen.“

In einem Aufsatz zur Rolle des Strafverteidigers in einem Wiederaufnahmeverfahren hat Strate einmal geschrieben: „Im Umgang mit dem Mandanten braucht er ein gehöriges Maß an Menschenkenntnis, im Umgang mit sich selbst Gleichmut, im Umgang mit der Justiz Beharrungsvermögen.“ Denn finanziell rechnet sich das nicht. Aber Strate ist ja auch ein prominenter Strafverteidiger, der Mandanten wie Carsten Maschmeyer verteidigt hat, Wendelin Wiedeking berät, genauso aber auch unbekannte Mandaten. Strate agiere in der Champions League der Anwälte, heißt es in einem Magazin-Porträt über ihn.

In einem seiner aktuellen Fälle hat er sich in die Ballistik und die Herstellung von selbst gebauten Schalldämpfern mittels Bauanleitung aus dem Internet eingearbeitet. Wenn er einmal dran sei, wolle er auch etwas finden. „Das ist das Wunderbare“, sagt Strate lachend, „man bekommt als Anwalt in Wiederaufnahmen ein gediegenes Halbwissen.“

Sein neuster Fall ist wieder ein Indizienprozess

Dabei ist er zu der Überzeugung gekommen, dass ein Familienvater, den das Landgericht Darmstadt in einem Indizienprozess 2011 schuldig gesprochen hat, sein Nachbarehepaar erschossen und dessen erwachsene Tochter schwer verletzt zu haben, freizusprechen ist. Denn die Tatortspuren entsprechen nicht den Spuren, die – wie behauptet wurde – bei einer Tat mit einem selbst gebauten Schalldämpfer aus einer mit Bauschaum gefüllten PET-Flasche entstehen. Darauf stützte sich aber das Urteil der Darmstädter Strafkammer. Der Beweis für Strates Antrag lag in Form von Videofilmen seit Jahren beim Bundeskriminalamt, wurde vom Gericht damals aber nicht beachtet.




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