Gericht rügt Gina-Lisa Lohfink „Vergewaltigungsopfern einen Bärendienst erwiesen“

Von red/dpa 

Ein Urteil wegen falscher Verdächtigungen wollte das Model nicht akzeptieren und ging in Revision. Nun hat ein Richter in Berlin ein neues Urteil gesprochen - und wurde dabei ungewöhnlich deutlich.

Das Model Gina-Lisa Lohfink im Gerichtssaal des Berliner Kammergerichts. Foto: dpa 8 Bilder
Das Model Gina-Lisa Lohfink im Gerichtssaal des Berliner Kammergerichts. Foto: dpa

Berlin - Verschwunden durch den Hinterausgang: Nach dem neuen Urteil gegen das Model Gina-Lisa Lohfink verlässt die 30-Jährige sang- und klanglos das Berliner Kammergericht. Dutzende Kameras und Mikrofone warten am Freitag vergeblich auf einen Kommentar. Auch Verteidiger Burkhard Benecken lässt sich nach dem Urteil nicht mehr blicken.

Nach knapp anderthalbstündiger Verhandlung steht fest: Der Schuldspruch wegen falscher Verdächtigungen wird nicht aufgehoben, nur die Höhe der Geldstrafe muss neu verhandelt werden. Damit wird ein Urteil des Amtsgerichts Berlin-Tiergarten aus dem Vorjahr im Wesentlichen bestätigt, die Revision von Lohfink fast komplett verworfen. Auch die Generalstaatsanwaltschaft hatte beantragt, die Höhe der Geldstrafe neu festzulegen.

Prozess hatte deutschlandweit polarisiert

Schon der erste Prozess hatte deutschlandweit Aufsehen erregt und polarisiert. Auch Bundespolitiker hatten sich eingemischt. Es gab sogar Demonstrationen vor dem Gericht. Die einen sahen das Model als Vorkämpferin für die Rechte von Frauen, andere vermuteten eine inszenierte Tränenshow.

Lohfink war zu einer Geldstrafe von 20 000 Euro verurteilt worden. Für ihre Behauptung, im Juni 2012 von zwei Männern vergewaltigt worden zu sein, sah das Amtsgericht keine Hinweise. Lohfink habe bewusst gelogen, der Sex mit beiden Männern sei einvernehmlich gewesen. Das Kammergericht bestätigt am Freitag diese Sicht.

Richter Ralf Fischer wird ungewöhnlich deutlich, es kommt einer schallenden Ohrfeige gegen Lohfink und ihren Anwalt gleich. „Allen wirklichen Vergewaltigungsopfern haben Sie einen Bärendienst erwiesen.“ Und er stellt klar: Keine vergewaltigte Frau, die das Verbrechen anzeigt, muss damit rechnen, auf der Anklagebank zu landen.

Er frage sich, woher das große Interesse an dem Amtsgerichts-Prozess kam und warum Lohfink zu allen Terminen erschien, obwohl ihr das freigestellt worden sei, so der Richter. Er hat auch eine Antwort: Entweder müsse man von der eigenen Unverwundbarkeit überzeugt sein oder einen so schlechten Anwalt haben, der seinen Mandanten nicht vor sich selbst schützen kann und ihn den Haien zum Fraß vorwirft.

Vom Dschungel in den Gerichtssaal

Das Aufsehen an dem Prozess sei belastend für Lohfink gewesen, hatte Anwalt Benecken wiederholt gesagt. Doch Richter Fischer deutet mehrmals an, dass die Öffentlichkeit wohl selbst hergestellt worden sei. An Lohfink: „Dann sollten Sie sich nicht beklagen, sondern Ihren Anwalt verklagen.“ Richter Fischer zollt seiner Kollegin Ebner vom Amtsgericht Respekt: Trotz Nebelbomben der Verteidigung und politischem Druck habe sie ein sorgfältiges Urteil gesprochen.

Model Lohfink war jüngst in der RTL-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“ als fünfte der insgesamt zwölf Kandidaten ausgeschieden. Früher einmal war sie Kandidatin bei der Sendung „Germany’s next Topmodel“.

Nun sitzt sie im Hochsicherheitssaal des Kammergerichts, wo ansonsten gegen Terrorverdächtige verhandelt wird, knetet die Hände und blickt ins Leere. Es sei einfach der größte Saal, heißt es beim Kammergericht.

Lohfink: „Ich will, dass alles ein Ende hat“

Bevor das Urteil fällt, bekommt die 30-Jährige das Schlusswort: „Ich will, dass alles ein Ende hat.“ Die Menschen seien nicht alle gut zu ihr. „Die, die mich nicht mögen, sollen mich einfach in Ruhe lassen“, schluchzt sie ohne Tränen. Sie habe auch Gefühle, das gehe an die Psyche, das sei ja keine Modenschau ... „ich kämpfe, ich mache weiter“.

Unter den Zuhörern ist auch einer der Männer, mit denen Lohfink in jener Nacht Sex hatte. Er habe Lohfink wegen Verleumdung angezeigt, sagt der 31-Jährige am Rande. Die Vergewaltigungsvorwürfe von Lohfink hätten ihn ruiniert, er habe seine Arbeit verloren, so der einstige VIP-Betreuer, der sich jetzt den Künstlernammen Prinz 27 zugelegt hat. Er hatte wie sein Bekannter einen Strafbefehl wegen der Verbreitung des Sex-Videos kassiert.

Zum Abschluss gibt Richter Fischer Frau Lohfink noch einen Rat: „Wenn Sie wirklich gelitten haben, suchen Sie sich einen Anwalt, der Ihre Interessen wichtiger nimmt als sich selbst und der etwas vom Strafrecht versteht.“