Gerlingen verleiht die goldene Ehrenmedaille Das Stadtratsmandat ist längst nicht alles

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Die Gemeinde- und Kreisrätin Petra Bischoff erhält für ihr soziales Engagement die goldene Ehrenmedaille der Stadt. Begonnen hat alles vor 34 Jahren im örtlichen Jugendhaus.

  Foto: privat
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Gerlingen - Die Ehrenmedaille in Gold der Stadt Gerlingen bekommt nicht jeder, der, sagen wir mal, zwei Jahre lang eine Sportgruppe geleitet hat. Und auch Menschen, die 20 oder 30 Jahre lang in einem Chor gesungen haben, haben ihre Verdienste – ohne dass sie von der Stadt geehrt werden. Menschen, die vom Bürgermeister diese Würde erhalten, werden für etwas Besonderes ausgezeichnet. Man könnte sagen, sie sind in der Stadt etwas Besonderes. Zu dieser Kategorie darf sich von Donnerstag an auch Petra Bischoff zählen – auch wenn sie damit nicht hausieren geht. Die Gerlinger Unternehmerin, die seit 1995 Stadträtin für die Freien Wähler und seit 2002 auch Kreisrätin ist, wird für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement geehrt.

Vor allem für Kinder und Jugendliche und den Sportbereich setzt sich die 50-Jährige ein. Man muss gar nicht lange zurückblicken, um ein Beispiel zu finden: Ende Mai war sie mit 18 Menschen mit und ohne Behinderung und anderen Betreuern eine Woche lang in Schleswig. Dort besuchten die „Freitagsmaler“ ihre langjährige Kunsterzieherin, die seit einiger Zeit im Norden lebt. Die Freitagsmaler gehören zur Freizeitgruppe der Menschen mit und ohne Behinderung – und die hat es Petra Bischoff seit Jahrzehnten angetan. „Das mache ich, weil’s zu meinem Leben dazu gehört.“

Jugendarbeit im Landkreis ist ihr besonders wichtig

Das Engagement für behinderte Menschen habe sie nie in einem Wahlprospekt hervorgehoben, sagt die Raumausstatterin und Bürokauffrau. „Ich mache das lieber im Hintergrund“, erklärt sie lächelnd. Aber: „Ich muss es auch nicht verbergen.“

Die Jugendarbeit im Landkreis ist ihr mindestens genau so wichtig wie die in Gerlingen. In ihrer Heimatstadt hat ihr Engagement angefangen, in jungen Jahren. Sie war gerade mal 16, als das Jugendhaus in einem ehemaligen Keller des Schulzentrums eröffnet wurde. „Das war ein Kampf gewesen“, sagt Bischoff rückblickend. Von Anfang an war sie im Kreis der ehrenamtlichen Mitarbeiter dabei: „Ich hab’ mich da wohl gefühlt.“ Auch bei der Stadtranderholung hat sie mit gemacht. Da habe man damals schon Inklusion gelebt. Nicht aus persönlicher Betroffenheit heraus habe sie mit behinderten Menschen gearbeitet, sagt die 50-Jährige, „sondern wegen der Herzlichkeit, die diese Menschen ausstrahlen“.

Vier bis fünf Ehrenämter parallel

Zehn Jahre lang war sie Vorsitzende des Jugendhausträgervereins, der ihr so wichtige Vorsitz des Kreisverbands der Jugendzentren Ludwigsburg kam hinzu und dadurch das Mandat im Kreistag. Lange Jahre in verantwortlichen Positionen des größten Gerlinger Vereins KSG folgten. Heute noch ist sie die Abteilungsleiterin Sport mit Handicap. Es habe Jahre gegeben, „mit vier bis fünf Sachen auf einmal“.

Was gab den Anstoß für all diese Aktivitäten zu Gunsten anderer? Es liege sicher auch an der Familie, meint Bischoff, „mein Vater hat’s vorgelebt“. Zum Beispiel bei der Feuerwehr und im Bund der Selbstständigen. Und bei all dem sei die KSG „ein bisschen Heimat“ gewesen. Mehr noch: es sind die große Gemeinschaft und das soziale Miteinander der Turner-Großfamilie, die prägen. In diesen Erfahrungen sieht Bischoff die Wurzeln für ihr Engagement.

Bürgermeister Georg Brenner, der Petra Bischoff am Donnerstagabend die goldene Ehrenmedaille überreicht, hat sicher noch mehr Beispiele und Erklärungen parat. Denn Gemeinderat, so Bischoff, bedeute nicht nur Sitzungen – sondern auch Gemeinsamkeit. Nicht nur bei Staffelläufen in die Gerlinger Partnerstädte Vesoul oder Tata. Auch wenn Petra Bischoff nicht läuft, sondern das Auto der Gruppe fährt.