Henrik Eckermann auf King Edward bei den Sommerspielen in Paris. Derzeit reitet der Schwede in der Stuttgarter Schleyerhalle. Foto: IMAGO/Bildbyran/IMAGO/MAXIM THORE
Henrik von Eckermann erlebte in Paris ein dramatisches Olympia-Finale. Sein Gold-Traum platzte, doch er plant schon einen neuen Anlauf. Wie derzeit in Stuttgart aber ohne sein Paradepferd.
Wie oft er schon in Stuttgart zu Gast gewesen ist? Henrik von Eckermann lächelt kurz, überlegt, spart sich dann aber den Blick ins eigene Archiv. Was er jedoch sicher weiß: Alles begann, als er bei Ludger Beerbaum beschäftigt war. Und er sagt nun, da er wieder in der Schleyerhalle sitzt: „Da kommen alte Erinnerungen hoch.“ Von 2004 bis 2016 war er in Beerbaums Stall, heute führt der groß gewachsene Schwede im niederländischen Kessel seinen eigenen – und hatte im vergangenen Spätsommer eine ganz besondere Herausforderung zu bewältigen. Vor allem: eine ungewohnte.
In den vergangenen Jahren jedenfalls eilte der heute 43-Jährige von Sieg zu Sieg. Die Höhepunkte dieser Erfolgsgeschichte von Henrik von Eckermann und seinem Wallach King Edward: Olympia-Gold mit dem Team bei den Spielen von Tokio 2021 sowie Doppelgold im Einzel und mit der Mannschaft bei der WM 2022. Die Aussichten auf die Krönung mit Einzelgold in Paris 2024 waren bestens. Auch noch, als der Schwede mit seinem 14-jährigen Wallach King Edward im olympischen Finale zum entscheidenden Ritt auf den Parcours vor dem Schloss Versailles kam.
„Ich bin in den Parcours rein“, erinnert sich der Schwede, „das Pferd war top in Schuss, ich habe mich auch gut gefühlt, und nach ein paar Hindernissen war auch alles super.“ Doch dann, nach dem neunten Hindernis, „habe ich eine falsche Entscheidung getroffen“. Und statt als großer Goldfavorit bei der Siegerehrung mit einer Medaille auf dem Podest zu stehen, saß Henrik von Eckermann auf dem Hosenboden.
King Edward war auf ein aufgestelltes Maskottchen samt Pflanzenkübel und Zeitmessung am Rande des Parcours zugeritten, von Eckermann hatte eine andere Linie anvisiert, „er hat sich wahrscheinlich gewundert, was ich da oben mache“, sagt der Reiter. Weil „dieses Pferd unheimlich sensibel ist, war dann der Rhythmus dahin“ – und auf der Tribüne schlug die schwedische Königin Silvia neben ihrem Gatten König Carl Gustav die Hände über dem Kopf zusammen. Profitiert hat am Ende unter anderem ein Deutscher – Christian Kukuk wurde überraschend Olympiasieger. „In dem Moment“, erinnert sich von Eckermann, „war das alles eine große Enttäuschung. Es war nicht das, worauf wir gehofft hatten.“
Henrik Eckermann und sein Pferd King Edward bei den Sommerspielen von Paris. Foto: www.imago-images.de/IMAGO/Yang Lei
Nach Teamgold und Platz vier im Einzel in Tokio sollte eine olympische Einzelmedaille her. Doch stattdessen mussten Pferd und Reiter daheim in Kessel erst einmal aufgebaut werden.
Immerhin, und das war für Henrik von Eckermann am Ende das Wichtigste, war dem so erfolgreichen Wallach nichts passiert im olympischen Parcours von Paris. Eine etwa zweimonatige Pause bekam King Edward dennoch – wobei die nichts mit den Geschehnissen im Schlosspark der französischen Hauptstadt zu tun hatte. Sie war ohnehin geplant. Henrik von Eckermann dagegen war es „wichtig“, selbst schnell wieder ein Turnier zu bestreiten. Er ritt noch im August in Dublin, Valkenswaard und Brüssel – und die Sicherheit war schnell zurück. Übrigens auch bei King Edward.
Der wurde nach seiner Pause zunächst auf einem kleineren Turnier wieder gesattelt – führte seinen Reiter dann aber schon Anfang Oktober in Barcelona im Großen Preis wieder auf Rang vier. „Je größer die Qualität eines Pferdes ist“, erklärt Henrik von Eckermann, „desto weniger verzeiht es Fehler des Reiters.“ Doch er und sein King Edward hätten über Jahre ein tiefes Vertrauen aufgebaut. Und weil der Schwede eben auch kein Reiter ist, der seinem Pferd regelmäßig Patzer zumutet, hatte das Missgeschick von Paris keine Langzeitwirkung: „Er fühlte sich in Barcelona schon wieder sehr gut an.“
Zuletzt durfte der Wallach noch einmal kürzertreten, „er wird eben auch älter“, sagt von Eckermann, der den Rolex Grand Slam Mitte Dezember in Genf als das nächste große Ziel seines Paradepferdes nennt. In der Stuttgarter Schleyerhalle sattelt der Schwede dagegen drei andere Pferde, hofft dennoch, sich für die German Masters am Freitagabend zu qualifizieren.
Stuttgart und Genf – das sind die kurzfristigen Ziele des Springreiters Henrik von Eckermann. Das langfristige steht auch schon fest: Los Angeles. Dort finden 2028 die Olympischen Spiele statt, nach 2012, 2016, 2021 und 2024 will der Schwede erneut dabei sein. Allerdings ohne den dann bereits 18-jährigen King Edward, aber mit einem klaren Plan: „Ich will eine Revanche.“ Also endlich eine Einzelmedaille.