German Masters in Stuttgart So trotzt das Reitturnier der Konkurrenz

Europameister Steve Guerdat auf Dynamix de Belheme: Das Duo will auch in diesem Jahr das Publikum in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle begeistern. Foto: imago/Peter Hartenfelser

Beim 37. Reitturnier von Stuttgart gibt es diese Woche 650 000 Euro Preisgeld – bei der Gobal Champions Tour in Prag sind es parallel sagenhafte 11,3 Millionen Euro. Und doch kommen die Stars der Szene diese Woche in die Schleyerhalle. Wieso?

Auf den ersten Blick mutet es an wie der Kampf zwischen David und Goliath. Auf der einen Seite das 1985 gegründete German Masters in Stuttgart, ein traditionelles Weltcup-Turnier, bodenständig und nah am Publikum. Auf der anderen Seite das höchstdotierte Springturnier der Welt in der O2-Arena von Prag, wo der Niederländer Jan Tops und die tschechische Milliardärsfamilie Kellner ein Reitspektakel der Extraklasse aufziehen.

 

Enger Kalender mit Folgen

Das Kuriosum am Ende der vorolympischen Reitsaison: Beide Turniere, der Weltcup in der Schleyerhalle und der Super-Grand-Prix an der Moldau, finden erstmals am gleichen Wochenende statt. Die wichtigste Frage lautet also: Erdrückt der millionenschwere Goliath den schwäbischen David oder kann sich der Kleinere gegenüber dem Stärkeren behaupten? Fragt man die Aktiven persönlich, heißt es unisono: „Unser Sport kostet sehr viel Geld, also versuchen wir, uns für Prag zu qualifizieren. Tut uns leid für Stuttgart. Aber so ist nun mal der Sport.“

Claus Lederer, Projektleiter des Stuttgarter Turniers, sagt dazu: „Unser German Masters findet jedes Jahr am Wochenende vor dem Totensonntag statt – am Totensonntag selbst dürfen wir keine Veranstaltung machen. Wegen des übervollen internationalen Turnierkalenders ergibt sich zum ersten Mal eine Terminkollision.“ Sein Versuch, dies zu vermeiden, sei leider gescheitert. Die Stuttgart vorgelagerten Weltcup-Turniere könnten nicht ausweichen. „Und zu den Veranstaltern des Topturniers in Prag haben wir keinerlei Kontakt.“

Es geht um Geld, viel Geld

Hinter der 2006 gegründeten Konkurrenz zur Veranstaltung in der Schleyerhalle, der Global Champions Tour, steht der Niederländer Jan Tops (62), Mannschaftsolympiasieger im Springreiten von Barcelona 1992. Er ist seit Langem ein weltweit aktiver Pferdehändler und einflussreicher Eventmanager. Seine Vision: „Für die Besten nur das Beste!“ Seine Global Champions Tour, die in dieser Saison 16 Stationen in Europa, den USA und dem Nahen Osten hatte, war allein mit 36 Millionen Euro dotiert.

Quasi als das i-Tüpfelchen obendrauf veranstalten Tops und die tschechische Milliardärsfamilie Kellner diese Woche in Prag das mit mehr als elf Millionen Euro am höchsten dotierte Springturnier der Welt. Auf dem Programm stehen dort Einzel- und Teamspringen, das schwindelerregende Preisgeld speist sich aus verschiedenen Quellen: unter anderem vom Schweizer Uhrenkonzern Longines, von Geldgebern aus dem Nahen Osten, aber auch von Pferdebesitzern, die für die Teilnahme ihrer Profis tief ins Portemonnaie greifen müssen. Nicht zuletzt sponsert die Familie des 2021 tödlich verunglückten Peter Kellner, der als reichster Mann Tschechiens galt.

Wie steht nun das Traditionsturnier in der Schleyerhalle da, angesichts der übermächtig scheinenden Konkurrenz? Andreas Kroll, Geschäftsführer der stadteigenen in.Stuttgart, sagt: „Wir hatte anfangs Sorge, dass wir ins Hintertreffen geraten könnten, aber diese Sorge war unnötig. Unser Stammpublikum lässt uns nicht im Stich, wir rechnen bis zum Sonntag mit mehr als 50 000 Besuchern.“ Überdies hätten viele internationale Spitzenreiter für Stuttgart gemeldet, man habe keinerlei Grund, sein sportliches Licht unter den Scheffel zu stellen.

Noch kein Nachfolger für Mercedes-Benz

Dabei, so Andreas Kroll, sei die finanzielle Lage des Traditionsturniers durchaus angespannt: „Seitdem Mercedes-Benz als einer unserer drei Hauptsponsoren ausgeschieden ist, das war 2021, haben wir trotz vielerlei Bemühungen bis dato keinen Ersatz gefunden.“ Deshalb sei die in.Stuttgart auch 2023 wieder der Sponsor des German-Master-Finales am Freitag: Preisgeld 100 000 Euro.

Und wie geht’s weiter? Claus Lederer ist zuversichtlich: „In den nächsten Jahren besteht die Terminkollision mit Jan Tops und Prag nicht mehr. Dann drängen die Reiter noch stärker als in diesem Jahr an den Neckar. Wir können schon jetzt gar nicht alle zulassen, die kommen wollen. Wir führen ziemlich lange Wartelisten!“

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