Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Was der Arbeitgeber gewusst hat, wird eventuell auch vor Gericht verhandelt – in den USA. Am Mittwoch wurde eine Klage beim District Court in Arizona eingereicht, weil Lubitz seine Ausbildung in einer Flugschule nahe Phoenix absolviert hat. Diese hätte ihn nicht annehmen dürfen, sagt der Anwalt Christof Wellens, der mit dem Berliner Experten für Luftverkehrsrecht, Elmar Giemulla, die Angehörigen von bisher 81 Opfern vertritt. Für die Klage haben sie die New Yorker Kanzlei Kreindler gewonnen – eine der renommiertesten weltweit auf dem Gebiet. „Wir setzen an dem Punkt an, wo wir relativ sichere Kenntnis haben, dass etwas falsch gelaufen ist“, schildert Willens der StZ. Lubitz habe seine theoretische Ausbildung wegen schwerer Depression abgebrochen. „Er war in der Klinik, hat Psychopharmaka genommen und Selbstmordgedanken gehabt.“ Dies seien lauter Ausschlusskriterien – der Flugmedizinische Dienst der Lufthansa habe den Piloten selbst als flugunfähig eingestuft. „Wie man dann zu der Erkenntnis kommen konnte, das alles sei verflogen, ist mir schleierhaft“, sagt der Anwalt. „Da hätte man eingreifen müssen, dann wäre alles nicht passiert.“

Auch Unterlagen der US-Flugaufsichtsbehörde (FAA) fließen in die Klageschrift ein. Bis zur Entscheidung über eine Annahme kann es ein halbes Jahr dauern – bis zu einem Prozess ein Jahr. Willens hält aber eine vorherige Einigung für wahrscheinlich. Für keine Seite sei der Prozess der beste Weg, doch die Klage sei notwendig, „weil die Lufthansa massiv mauert“. Ihre den deutschen Familien angebotene Lösung sei „die denkbar schlechteste“, denn die würden auf die Sozialsysteme und das Opferentschädigungsgesetz verwiesen. „Es zermürbt die Familien, wenn sie als Bittsteller bei den Sozialkassen auftreten sollen.“

Bei einer Verurteilung hingegen wird es teuer für den Luftfahrtkonzern. Das gesetzliche Limit beträgt fünf Millionen Dollar (4,45 Millionen Euro) pro Fall. „In dem Rahmen bewegt sich das“, sagt Wellens. „Damit kommen wir sicherlich auch aus.“

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