Heidi Klum führt Mädchen, die vom Laufsteg träumen, vor. Die StZ-Redakteurin Ariane Holzhausen findet das ekliger als das RTL-Dschungelcamp.
Stuttgart - Arme Heidi Klum. Sie hat sich für die neunte Staffel von „Germany’s next Topmodel“ (GNTM, Pro Sieben) eine ganz tolle, allerdings völlig durchschaubare und nicht aufgehende Strategie ausgedacht, um den Kritikern ihrer Sendung endlich das – um gleich in die bitterböse Modelsprache der Sendung einzusteigen – Maul zu stopfen. Aber das dicke Ende folgte schon bald. Um zu zeigen, dass GNTM mitnichten Magersucht bei Teenagern fördert, mampfte sie sich zunächst durch die Sendung, rief die Mädels zum Mittagessen, was sich im stets quietschfidelen Klum-Jargon so drollig anhört: „Happi-Happi machen!“ und betonte nach einem geräuschvoll verdrückten Döner – mmhh-mmhmh –, dass sie locker noch einen zweiten essen könne. Demonstrativ schickt sie zwei sehr dünne, „zu dünne“, Mädchen schon bei der ersten Castingrunde nach Hause. Nach einer kurzen Knochenbeschau so kalt abgefertigt, dass von keinem Gramm „pädagogischer Verantwortung gegenüber den Mädchen“ die Rede sein kann. Aber für diese Ehrensache ist ja auch nicht die Heidi zuständig, sondern Wolfgang Joop. Der zumindest hatte im Vorfeld davon gesprochen. Und das gehört ja zur Klum-Rechnung: den ehemaligen Gegner ins Boot holen, gleich gibt es weniger Schelte. Sie konnte ja nicht ahnen, was für eine Schlange sie da reingelassen hat. Sie konnte ja nicht damit rechnen, dass der Designer seine „pädagogische Verantwortung gegenüber den Mädchen“ in Worte fasst wie diese: „Die Boobs alleine sind schon super, aber sie stehen in Konkurrenz zum Kopf.“
Der Modeopi Joop zerlegt die jungen Mädchen
Wer freiwillig ins Dschungelcamp zieht, ist erwachsen, laut Geburtsdatum zumindest. Er weiß, auf welches Spiel er sich einlässt. Aber wie eklig ist es, wenn ein zombiehafter Modeopi wie Joop junge Mädchen, Kinder fast noch, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht, in einzelne Körperteile zerlegt, wie es ein Metzger nicht liebloser tun könnte? Joop wertete die Sendung nicht auf. Er wertete das Formfleisch, die Mädchen, auf unsägliche Art ab.
Dass diese Sendung vermutlich einen sehr viel schlimmeren Einfluss auf die Gesellschaft und vor allen Dingen auf Kinder und Jugendliche hat als alle Dschungelcamp-Staffeln zusammen, daran ändert sich also auch diesmal nichts. Da kann Heidi noch so telegen futtern. Wohin das in der von ihr geformten Modelwelt letztendlich führt, hat sie ja bezeichnenderweise am eigenen Leib erfahren: Angesichts ihres kleinen Döner-Bäuchleins dachten alle, sie sei schwanger.