Bad Cannstatt - Ein aufregendes Jahr liegt hinter Clara Pacino. Vor zwölf Monaten saß sie noch in der 5. Klasse des Gottlieb-Daimler-Gymnasiums (GDG) in Bad Cannstatt und meinte zu Rodolfo Guzman Tenore, dass sie gerne auf der Schulweihnachtsfeier singen wolle. Der Musiklehrer und Produzent unterstützt Nachwuchstalente und fördert auch Clara. Ihre ältere Schwester, die ebenfalls ins GDG geht, hat beide zusammengebracht. Das Lied „Halleluja“ wurde ausgewählt und wegen Corona online übertragen – mit überwältigendem Erfolg. „Alle waren begeistert“, freut sich die inzwischen elf Jahre alte Schülerin, die seit ihrem vierten Lebensjahr singt. „Es ist mein Hobby. Es macht mir Spaß. Da fühle ich mich wohl, bin ich selbst.“
Lied auf den gängigen Download- und Streamingdiensten
Weitere Lieder wurden einstudiert, Guzman hatte die Idee für eine Bewerbung beim Singwettbewerb „Welcome to Europe“. Die Veranstaltung gilt als ESC für Nachwuchs-Acts. Clara Pacino, die in der Neckarvorstadt wohnt, führte Ende Juni im Europa Park Rust das vom Musiklehrer Guzmann Tenore geschriebene und produzierte „One Day“ auf, ein schwer zu singendes Lied mit einem nachdenklichen Text über das Alter. Die Schülerin belegte prompt Platz 4 – und sie war hochzufrieden.
Zudem lernte sie den ehemaligen Deutschland-sucht-den-Superstar-Gewinner (DSDS) Prince Damien kennen, der in Rust als Stargast auftrat. Der Song ist auf den gängigen Download- und Streamingplattformen (iTunes, Spotify, Amazon und Youtube) zu hören, lief auch schon im Radio auf SWR 4.
Ihre Mutter Silvia regte Bewerbungen bei den TV-Formaten „The Voice Kids“ und „Das Supertalent“ an. An beiden nahm Clara im Sommer an Castings teil. Während es beim Supertalent zur Enttäuschung aller gar keine Resonanz gab, wurde sie zu schließlich doch „The Voice Kids“ eingeladen. Doch nahezu zeitgleich erhielt die Schülerin eine Einladung zu den „World Finals“ von Sanremo Junior ins Teatro Ariston in Sanremo (Italien). Ihr Auftritt im Europa Park hatte offenbar doch großen Eindruck hinterlassen.
„Das war natürlich der Hammer“, war auch die Mutter ganz aus dem Häuschen. Die Veranstaltung wurde zum zwölften Mal ausgetragen, aber erstmals mit einem deutschen Teilnehmer oder einer deutschen Teilnehmerin. „Dass ich als Erste Deutschland vertreten durfte, ist unglaublich und macht mich schon stolz“, sagt das Mädchen.
Fünf Tage in Sanremo
Fünf Tage lang weilte sie mit ihrer Mutter im italienischen Kurort an der Riviera – das Gottlieb-Daimler-Gymnasium genehmigte ausnahmsweise die schulfreie Woche und wünschte alles Gute für den Wettbewerb. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 18 Ländern aus aller Welt gingen bei dem Wettbewerb an den Start, wohnten im selben Hotel. „Das war toll“, sagt Clara. Viele Kontakte wurden dabei geknüpft, Freundschaften geschlossen. „Die meisten sind in ihren Ländern schon bekannt, werden gecoacht und unterstützt.“ Als erste Vertreterin Deutschlands wollte sie auch einen deutschen Titel singen. Edi Max, Verfasser von Krimis, Reiseführern und Hörbüchern, übertrug den Text von „One Day“ ins Deutsche. Begleitet von einem Orchester trug sie ihn live auf der großen Bühne vor. „Sie wurde von Kindern auf die Bühne geleitet, wie im Fußballstadion“, staunte ihre Mutter. Am Ende landete sie auf dem vierten Rang, erhielt eine Urkunde und eine Auszeichnung. „Ich war schon aufgeregt, mit meinem Auftritt aber zufrieden“, sagt die Schülerin.
Viel Erfahrung gesammelt
Clara Pacino konnte beim Wettbewerb in Sanremo viel Erfahrung sammeln, die sie in jedem Fall weiterbringen werden. Sie musste sogar auch Interviews geben, denn die meisten Teilnehmenden hatten Pressevertreter aus ihren Ländern dabei. „Es war eine gute Sache, dass ich teilnehmen durfte.“ Neben der englischen und deutschen wird es jetzt auch eine italienische Version geben. Und „One Day“ wird bald auch in Radiosendern in den USA gespielt, wurde ihr mitgeteilt. Nicht nur das weltbekannte Sanremo-Musikfestival, auch Sanremo Junior findet große Beachtung.
Das Gesangstalent kommt Schritt für Schritt voran, eine Tür nach der anderen öffnet sich. Domenico Straface, im Jahr 2015 Teilnehmer von „Das Supertalent“ und im Jahr 2019 von „The Voice of Germany“, will mit der Cannstatterin einen Song aufnehmen, KaloryBeats, Musikproduzenten aus Bad Cannstatt, haben auch schon Interesse an Projekten mit Clara bekundet.
Und natürlich wird sie weiterhin mit ihrem Lehrer Rodolfo Guzmann Tenore arbeiten. „Ohne ihn und meine Mutter hätte ich das alles nicht erreicht. Dafür bin ich unheimlich dankbar“, sagt das Mädchen. Aber die Schule geht natürlich vor. Den verpassten Unterrichtsstoff hat Clara inzwischen fleißig nachgeholt und ist wieder auf dem Laufenden.
Jetzt geht es zum Euro Pop Contest nach Berlin
Damit allerdings nicht genug. Eine weitere Einladung flatterte inzwischen ins Haus der Familie Pacino. In wenigen Wochen vom 17. bis 19. Dezember darf Clara beim Euro- Pop-Contest „Berliner Perle“, ein internationaler Gesangswettbewerb für junge Nachwuchskünstler aus Deutschland vertreten.
Irgendwie ist in den vergangenen Monaten doch einiges zusammengekommen. „Ein krasses Jahr“, sagt Clara Pacino denn auch kopfschüttelnd. „Was da alles passiert ist. Ich habe coole Erfahrungen gemacht. Und das mit elf Jahren – unglaublich.“
Und? Wie geht es weiter? Clara ist gespannt auf das, was noch so alles kommen mag – und träumt davon, einmal im Fußballstadion vor einem VfB-Spiel zu singen.