Geschäftsaufgabe in Böblingen Früchtemarkt Ruckaberle gibt auf
Schweren Herzens gibt Mirela Ruckaberle ihren Früchtemarkt in der Herrschaftsgartenstraße in Böblingen auf. Sie konnte die Mieterhöhung nicht tragen.
Schweren Herzens gibt Mirela Ruckaberle ihren Früchtemarkt in der Herrschaftsgartenstraße in Böblingen auf. Sie konnte die Mieterhöhung nicht tragen.
Der Eingang zum Früchtemarkt Ruckaberle in der Böblinger Herrschaftsgartenstraße führt über den Hinterhof. Auf der Schiebetür prangen die Öffnungszeiten, im Ladengeschäft leuchtet noch der Bildschirm des Kassencomputers. Ansonsten ist der Boden übersäht mit den Resten des Inventars, das noch günstig abzugeben ist. Doch die Schiebetüren öffnen sich nicht mehr.
Die Erklärung steht auf einem Zettel, der am Schaufenster zur Straße hin klebt: „Mit einem weinenden Auge möchten wir Sie darüber informieren, dass wir unseren Laden leider Ende Dezember geschlossen haben.“ Geschrieben hat den Text Mirela Ruckaberle, die den Früchtemarkt erst im Jahr 2023 von Albert Ruckaberle übernommen hatte, mit dem sie zuvor verheiratet war. Doch schon im ersten Jahr der Eigenständigkeit zog Mirela Ruckaberle wieder die Notbremse.
„Wir konnten uns über die Verlängerung des Mietvertrags nicht einigen“, sagt sie. Die Immobilie in der Herrschaftsgartenstraße gehört nämlich nach wie vor der Familie ihres Ex-Mannes. Zwar habe es Ende 2024 kurz danach ausgesehen, dass man sich doch einigt, „aber da hatte ich schon eine neue Anstellung“, sagt Mirela Ruckaberle.
Das Geschäft blickt an dieser Adresse auf eine fast 41-jährige Tradition zurück. Vor Albert Ruckaberle war es dessen gleichnamiger Vater, der zunächst einen Futter- und Düngemittelhandel dort betrieb. Zuletzt stand das Geschäft im Wesentlichen auf zwei Standbeinen: Verkauf der frischen Waren an Endkunden im Geschäft und – der wesentlich wichtigere Teil – ein Großhandel inklusive Lieferservice. „Darüber haben wir viele namhafte Gastronomen und Hotels in Böblingen und bis in einen Umkreis von 50 Kilometern beliefert“, sagt die ehemalige Ladenbetreiberin. Allerdings: Diesen Service bietet Mirela Ruckaberle ihren bestehenden Kunden weiterhin an.
„Ich werde das zusätzlich zu meiner neuen Anstellung machen und meine Kunden weiterhin beliefern“, sagt sie. Im Markthaus, das sie 2023 in Früchtemarkt umgetauft hatte, lag der Schwerpunkt auf frischem Obst und Gemüse, Wein, Kaffee, Feinkost und Antipasti. „Außerdem hatten wir Tiefkühlware im Großgebinde für die Lieferkunden“, sagt Ruckaberle. Zum 25-Jahr-Jubiläum im Jahr 2009 sagte Mirela Ruckaberle, wie wichtig der Großhandel für sie war und ist – ein Grund, warum sie ihn weiterhin betreibt.
„Wenn jemand etwas Ausgefallenes möchte, Zucchini-Blüten oder andere essbare Blumen, spezielle frische Sprossen oder sonstige Spezialitäten beschaffen wir das innerhalb von 24 Stunden“, sagte sie schon beim Jubiläum 2009. Der Annahmeschluss für die Bestellungen des nächsten Tages war sogar erst am späten Abend um 23 Uhr. „Erst um diese Zeit sind die Restaurantküchen geschlossen. Dann werden oft noch Bestellungen für den nächsten Tag aufgegeben“, sagte sie, die ihr Mobiltelefon demnach immer dabei hat. Jeden Morgen um 4 Uhr ging es dann auf den Großmarkt nach Stuttgart, um die frische Ware zu besorgen.
Am Samstag, 25. Januar öffnet der Markt zum endgültig letzten Mal seine Türen: „Auf einer Art Flohmarkt geben wir das verbliebene Inventar günstig ab“, sagt Ruckaberle. Die Familie habe indes vor, die Ladenfläche wieder zu vermieten. An welches Gewerbe, das ist ihr nicht bekannt.