Geschäftsschließung in Leonberg Ein Fachmann für gutes Schlafen hört auf
Wer gut liegen will, ist bei Frieder Sigloch richtig. Doch immens gestiegene Kosten zwingen den Chef von Betten Leo nach 32 Jahren zur Aufgabe.
Wer gut liegen will, ist bei Frieder Sigloch richtig. Doch immens gestiegene Kosten zwingen den Chef von Betten Leo nach 32 Jahren zur Aufgabe.
Seine innere Spannung kann Frieder Sigloch kaum verbergen: „Ich will eigentlich nicht. Aber ich muss.“ Er muss sein Geschäft schließen – nach mehr als 32 Jahren. Am 31. August öffnet Betten Leo in der Leonberger Römergalerie zum letzten mal. Danach hat der Chef noch zwei Monate Zeit, die Formalitäten zu erledigen und den Laden komplett leerzuräumen. Ende Oktober ist dann endgültig Feierabend.
Wer zu Betten Leo kommt, dem ist ein gesunder erholsamer Schlaf besonders wichtig. Bei Sigloch und seiner Mitarbeiterin Andrea Päßler gibt es nicht die Null-Acht-Fünfzehn-Matrazen, für die pausenlos im Fernseh geworben wird. „Wir erstellen für unsere Kunden ein Schlafprofil“, sagt Sigloch. „Denn jeder ist ein anderer Schlaftyp. Und deshalb braucht jeder eine individuelle Matratze mit entsprechender Unterfederung.“
Das fängt mit der Figur an und hört mit Liegegewohnheiten auf: Um den Schlaftypen zu ermitteln, tauscht sich der Familienbetrieb mit Orthopäden, Krankengymnasten und Physiotherapeuten aus. Was fast nach dem Betrieb einer Arztpraxis klingt, begründet Frieder Sigloch mit den Anliegen der Kundschaft: „Die meisten kommen zu uns und sagen: Ich habe ein Problem, hilf mir“.
Die Hilfe durch die passende Matratze und der entsprechende Rost aus Latten oder Tellern, in der Fachsprache Unterfederung genannt, ist das A und O im Geschäftsmodell. „Wir wollen, dass es unseren Kunden wirklich besser geht.“ Dafür liefert er die Schlafstätten auch direkt nach Hause. Dort kann dann das optimale Liegen unter Echt-Bedingungen getestet werden.
„Wir haben sehr viel Stammkunden“, berichtet Siegloch. „Zu uns kommen aber auch Internet-Geschädigte oder Menschen, die in den großen Möbelhäusern nicht das Richtige gefunden haben. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass unser Kundenstamm nicht größer, sondern tendenziell kleiner wird.“ Junge Leute gehörten eher nicht dazu.
Doch das ist nur ein Randaspekt der Geschäftsaufgabe. Die großen Probleme fingen während der Pandemie an: „Vorher waren die Geschäfte sehr gut, aber mehr als 140 Tage ohne Verkaufsmöglichkeit können nicht aufgefangen werden, selbst wenn es nach Corona wieder ganz gut angelaufen war.“
Der Hauptgrund aber, warum die Kostenschere immer mehr auseinanderklafft, macht Sigloch in einem Vermieterwechsel aus: „2021 wurde die Römergalerie verkauft. Die neue Besitzergruppe mit Geschäftsadresse in Berlin hatte uns zunächst versichert, alles blieb beim alten.“ Doch nur zwei Jahre später die Kehrtwende: „Im Oktober 2023 bekamen wir eine heftige Mieterhöhung – rückwirkend zum Januar 2021.“ Auch die Nebenkosten wurden massiv aufgestockt.
Ein harter Schlag für den Familienbetrieb, der sich von den finanziellen Corona-Spätfolgen langsam erholt hatte. Um sich mehr Flexibilität zu verschaffen, wollte Sigloch seinen immer fünf Jahre laufenden Mietvertrag für die Zukunft halbieren. Die neue Inhabergruppe lehnte das ab.
Sich weitere fünf Jahre zu binden, das kam für den Betten-Fachmann nicht in Frage: „Ich werde im September 65 Jahre alt. Warum sollte ich mir das antun?“ Zumal er mit Andrea Päßler auf nur eine Mitarbeiterin zurückgreifen kann. „Es gibt kaum Fachpersonal, und jemand Neues richtig einzuarbeiten, das dauert rund zwei Jahre.“
So endet im Spätsommer eine Firmentradition, die Anfang der Neunziger begonnen hatte. Von Haus aus war Sigloch Werkzeugmacher und Landschaftsgärtnermeister. „Ich wollte aber unbedingt etwas eigenes machen.“ Da traf es sich gut, dass zur Familie seiner Frau eine der größten Schaumstofffabriken in Europa gehört. „Ich hatte damals im Unternehmen meines Schwagers alle Bereiche durchlaufen – von der Produktion bis zur Vermarktung“, erinnert sich Frieder Sigloch an seinen Einstieg in die Bettenbranche. „Dann habe ich mich fit gefühlt.“
Gestartet hatte er 1992 mit einem ganz kleinen Laden im Leonberger Stadtquartier Ramte. Danach mietete er von der früheren Bäckerei Schütz in der Feuerbacher Straße die einstige Backstube. Das Geschäft wuchs. 2002 wurde die Römergalerie mit Einkaufspassage, Büro- und Praxisräumen eröffnet. Für Sigloch die Chance, den entscheidenden Schritt nach vorne zu machen: „Dort hatte ich genügend Platz, um unser Angebot entsprechend zu präsentieren.“
Doch der Anfang ist schwer: „Das war zuerst ein richtiger Betonbunker“, erinnert sich Sigloch. „Ein Lebensmittelmarkt, der uns als Frequenzbringer versprochen wurde, ist nicht gekommen. Ein Ladenlokal wurde als Rumpelkammer für Baureste genutzt. Es war so kalt, dass wir Elektroheizer aufstellen mussten. Doch mit der Zeit wurde es besser und ich fühlte mich viele Jahr wirklich wohl.“
Bis zum Zeitpunkt der Mieterhöhung. Bis zum 31. August läuft ein klassischer Schlussverkauf. „Was nicht bedeutet, dass keine neue Ware reinkommt. Wir bestellen nach wie vor. Aber es gibt jetzt auf alles 15 Prozent“, sagt Sigloch, der seine Zerrissenheit nicht verhehlen will. „Mir geht es gesundheitlich gut, ich könnte noch weitermachen. Aber ich muss den Schlussstrich ziehen.“