Geschenk-Tipps für Kunstliebhaber Stuttgarter Kunst von 100 bis 10.000 Euro

Eins der zu erwerbenden Werke: Luzia Simons Dschungel gibt es für 4500 Euro Foto: Luzia Simons

Traurige Musikanten, Kopfkino und Höschen für die Wand: zu Weihnachten gibt es jede Menge Empfehlungen für Kunst zum Verschenken aus den Programmen der Stuttgarter Galerien.

Stuttgart - Bilder können erheitern, Trost spenden oder Reisen in fremde Welten ersetzen. Drei Gründe mehr, in diesem pandemischen Jahr Kunst auf den Gabentisch zu legen. Wir haben ein paar Vorschläge vom Stuttgarter Kunstmarkt ausgewählt.

 

Bis 100 Euro

Dessous, insbesondere solche edlerer Art, sind in vielen Familien ein beliebtes Präsent zum Dezemberfest. Aber wie wäre es zur Abwechslung mal mit Unterwäsche für die Wand? Dann kämen Arbeiten von Magda Korsinsky infrage, die sich darauf spezialisiert hat, Kleidung in Kunst zu verwandeln. Etwa, indem sie Slips auf lichtempfindliche Siebdruckplatten legt. Endergebnis des textilen Experiments sind die verwirrend skurrilen Blätter der grafischen Serie namens „Höschenwoche“ aus der Galerie Dengler und Dengler. (Je 80 Euro, www.denglerunddengler.de)

2020 wird leiser zu Ende gehen als alle seine Vorgänger. Der virale Spielverderber durchkreuzt größere Partypläne zum Jahreswechsel. Angesichts dessen stellt Klaus Heusers „Silvester“ eine melancholische Erinnerung an die sorglosen Sauf- und Böllerfeste aus vorpandemischen Zeiten dar. Die kleinformatige Materialcollage (Galerie Schacher) überklebt die Reproduktion einer alten Aktmalerei mit dem platt gedrückten Verschlussdraht einer Sektflasche. (75 Euro, www.galerie-schacher.de)

Bis 250 Euro

Knappheit ist auch eine Kunst: Diet Sayler beherrscht sie perfekt. Grau und schwarz reihen sich die Rechtecke aneinander, die der abstrakt-konstruktive Altmeister mit lässigem Understatement auf eine leere Fläche wirft. Eine umgeknickte Zigarette? Eine geometrische Riesenschlange auf Beutefang? Oder Häuserzeilen, die bei einem Erdbeben auseinanderbrechen? Egal, was einem zu dem kleinen Offsetdruck aus dem Fundus der Galerie Braun einfällt – es ist fast immer ein Drama. (250 Euro, www.galerie-klaus-braun.de)

Bis 500 Euro

„Was gezeigt werden kann, kann nicht gesagt werden.“ Das Künstlerkollektiv JAK nimmt den Philosophen Ludwig Wittgenstein beim Wort und macht die Grenzen der Sprache zum Programm. „Indescribable Scenes“ nennen die Stuttgarter die transparenten Epoxidharzblöcke, in denen sich tatsächlich Unbeschreibliches abspielt. Filmbilder des surrealen Kinos in unseren Köpfen, vorrätig in der Galerie Sturm. (Je 350 Euro, www.galerie-sturm.de)

Bis 1000 Euro

Hier bekommt das Nachkriegsinformel sein überfälliges Update. Ein wilder Pinselsturm lässt die tanzenden Formen von Julia Maderitschs Gouache auseinanderwehen. Unlängst erst hat die Galerie Valentien die junge Künstlerin und ihre heiterflotte Fleck- und Wischmalerei für sich entdeckt. (950 Euro, www.galerie-valentien.de)

Das ist kein Lockdown, das ist Kleinstadt! Zwischen 2016 und 2018 erkundete das Berliner Fotografenpaar Ute und Werner Mahler das Lebensgefühl der deutschen Provinz. Bei Hartmann Projects gibt es ein schönes Motiv aus dem sozialkritischen Zyklus, das die Tristesse randständiger Orte beispielhaft einfängt. Zwei Jugendliche, die vor der grauen Kulisse der 80er-Jahre-Architektur wie Gefangene einer stillstehenden Zeit wirken. (580 Euro, www.hartmannprojects.com)

Seit Picasso war kein Musikant mehr so blau und so traurig wie der Harfenspieler von Danny Romeril. Es ist eine Kunst der leisen Töne, die der britische Maler in seinem Ölgemälde „Blue Harp“ zum Klingen bringt. Dunkle Farbakkorde, der müde Griff in die Saiten und der nachdenkliche Gesichtsausdruck des Harfners prägen die Stimmung dieses einfühlsamen Werks aus der Galerie Fuchs. Alle, die Heiligabend einsam vorm Tannenbaum sitzen, könnten bei Romeril ein bisschen Trost finden. Wenigstens nicht allein mit dem Weihnachtsblues! (950 Euro, www.galeriefuchs.de)

Bis 10 000 Euro

Dschungel, so weit das Auge reicht. Nicht ohne Hintergedanken wählt die Deutschbrasilianerin Luzia Simons für ihre überflutete Amazonaslandschaft die im Barock beliebte Bildform des Querovals. Damals begannen Europas exotische Träumereien, doch zugleich erfuhr Südamerika bereits koloniale Unterdrückung. Auch die Fotografie aus der Galerie Schlichtenmaier zeigt sich hingerissen zwischen zwei Polen, denn Simons beschwört grün-feuchtes Urwaldleben ebenso wie Totenstille. (4500 Euro, www.schlichtenmaier.de)

Vom Himmel hoch! Kometen und andere astronomische Erscheinungen genießen um Weihnachten besondere Aufmerksamkeit. Im Unterschied zum Durchschnittssternfreund aber schaut Wolfgang Flad durch das Teleskop der Fantasie. Wie ein gestrandeter Weltraumfahrer am Rande des Universums fühlt sich der Betrachter des Wandreliefs „UNTITLED (# Y503)“ in der Stuttgarter Galerie Hauff. Entstanden ist die unwirtliche Planetenoberfläche mit der irdischen Hilfe einer Styroporplatte. Der Künstler hat sie zuerst mit aggressiver Säure bespritzt und dann in Aluminium gegossen. (4800 Euro, www.reinhardhauff.de)

Es sieht wirklich zum Reinbeißen aus – was aber keinem empfohlen sei. Sonst würden unsere Krankenhäuser wahrscheinlich noch voller. Peter Anton verwendet Kunstharz und andere Chemikalien, um das riesige Eis am Stiel so wirklichkeitsgetreu aussehen zu lassen, dass einem sofort das Wasser im Munde zusammenläuft. Die XXL-Süßigkeiten des 1963 geborenen Bildhauers aus Connecticut fanden schon in zahlreiche prominente Privatsammlungen Eingang. Sogar der ehemalige US-Präsident Bill Clinton begeisterte sich dafür. Gibt es doch kaum etwas Amerikanischeres als Antons Objekte, die in der Tradition der Pop-Art ganz auf den sinnlichen Effekt der Oberfläche bauen. So auch beim trügerisch leckeren Schokoladenüberzug der Stieleis-Skulptur „Milk Bar“ aus der Galerie Braunbehrens. (8800 Euro, www.galerie-braunbehrens.de)

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