Geschichte der Kindergärten in Hirschlanden Luise Frohnmaier hat Generationen von Kindern erzogen

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Luise Frohnmaier wollte sich eigentlich selbst ein Geschenk machen mit einer Chronik des ersten Kindergartens im Ort. Das war einigen im Umfeld zu wenig. Entstanden ist nun ein geschichtlich umfassender Überblick – und eine Ausstellung.

Luise Frohnmaier  vor der  ehemaligen Schule in Hirschlanden, die heute Verwaltungsstelle istAls die neue Schule stand, zog  der Kindergarten dort ein Foto: factum/Weise
Luise Frohnmaier vor der ehemaligen Schule in Hirschlanden, die heute Verwaltungsstelle istAls die neue Schule stand, zog der Kindergarten dort ein Foto: factum/Weise

Ditzingen - So ist das nicht geplant gewesen. Aber so, wie es nun ist, ist es Luise Frohnmaier auch nicht unrecht. Nicht wegen ihr, sondern der Sache wegen. Schließlich geht es um den ersten Kindergarten in Hirschlanden, um die pädagogische Arbeit und die Einrichtungen im Ort. Dass Frohnmaier erst im evangelischen, dann im katholischen Kindergarten Erzieherin war, insgesamt 28 Jahre, ist wichtig zu wissen, weil sich so erklären lässt, dass sich in ihrem großen Privatarchiv so viele Bilder aus frühester Kindergartenzeit im Ort befinden. Einige davon sind nun in der Verwaltungsstelle Hirschlanden zu sehen.

Ihr Geburtstag war ein Anlass

Sie selbst, die in diesem Jahr 80 wurde, macht kein Aufheben darum, dass sie viele Generationen von Hirschlandern mit erzogen hat, dass sie 23 Jahre den katholischen Kindergarten leitete und auch einrichtungsübergreifend die Pädagogik im Ort vorangebracht hat. In der neuen Ausstellung in der Verwaltungsstelle wird Kindergartenalltag im Wandel gezeigt. „Es ist das erzählende Moment wichtig, nicht die Personen“, sagt sie. Dass aus manchen Kindern später bundesweit bekannte Menschen wurden, tue nichts zur Sache.

Spät war in Hirschlanden ein Kindergarten eingerichtet worden. Zu dieser Zeit hätten die umliegenden Orte längst einen gehabt, erzählt Frohnmaier. Hirschlanden bekam 1935 einen Erntekindergarten, den die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt einrichtete, weil sie es sich zur Aufgabe gemacht hatte, in allen Kommunen Kindergärten einzurichten. Wenigstens im Sommer. Später war dann Platz für ein beständiges Angebot im Saal der alten Schule; in einem Raum, der hohe Fenster hatte, aus denen Kinder allenfalls rausschauen konnten, wenn sie auf einen Hocker stiegen.

Alte Gemeinderatsprotokolle wurden ausgewertet

Für eine die Ausstellung begleitende 45-seitige Broschüre hat Frohnmaier etliche Gemeinderatsprotokolle ausgewertet. Aus einer Niederschrift vom April 1962 geht etwa hervor, dass der Kindergarten „in keiner Weise mehr den heutigen Anforderungen entspricht“. Ein Neubau musste her. Er wurde das erste Projekt des heutigen Alt-Oberbürgermeisters Alfred Fögen.

Frohnmaier, die Erzieherin, kann sich immer noch über den Neubau freuen. Dabei ist es gar nicht ihre Art, in Erinnerungen zu schwelgen. Sich der Vergangenheit zu erinnern, sie bei Bedarf auch aufzuarbeiten – das ist ihr wohl ein Anliegen. Häufig ist sie deshalb auch mit dem Fotoapparat unterwegs. Sie schaffe ein Bewusstsein für Ortsgeschichte und trage so zur Identifikation der Bürger mit ihrem Ort bei, sagt die Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde Renate Egeler. Der Kindergarten der Gemeinde besteht 2019 seit 60 Jahren.

Auch dieses Jubiläum hatte Frohnmaier im Blick, als sie sich des Themas annahm. Aber eigentlich, erzählt sie, habe sie gar nichts Großes geplant gehabt. Sie habe das Thema nur für sich aufarbeiten wollen, sich die Broschüre selbst zum Geschenk machen wollen. Unabhängig voneinander erfuhren dies sowohl die Pfarrerin Egeler als auch die Ortsvorsteherin Barbara Radtke. Beiden war klar, dass es nicht dabei bleiben sollte. Im Gespräch entwickelte sich ein Projekt, das nun bis in die Gegenwart reicht, obwohl Luise Frohnmaier 1998 in Rente ging. Die Broschüre geht auch auf die aktuelle pädagogische Arbeit im Ort ein. Das ist Frohnmaier nämlich mindestens genauso wichtig, wie sie betont.

Wach und offen in der Gegenwart leben, aber immer wieder auch an die Vergangenheit erinnern: Vielleicht ist es das, was die 80-Jährige ausmacht. „Sie ist eine Institution in Hirschlanden“, sagt die Ortsvorsteherin Barbara Radtke. Fast legendär ist Frohnmaiers Pakt, den sie einst mit Jugendlichen schloss, die die Ortsmitte zum abendlichen Treffpunkt auserkoren hatten. Als es just dort eine Kunstaktion gab, traf sie mit ihnen eine Abmachung: Würde die Kunst bis zum Ende unbeschadet bleiben, würde sie die Jugendlichen zum Pizzaessen einladen. Die Pizza, so heißt es, soll gut geschmeckt haben.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 13. September 2018, um 19.30 Uhr im Sitzungssaal der Verwaltungsstelle eröffnet. Die Broschüre ist gegen eine Spende erhältlich.




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