Geschichten aus der Geschichte Familiäre Wunden des Ersten Weltkriegs

Von Karin de la Roi-Frey 

Der Schmidener Pfarrer Adolf Klemm und die Opfer der Jahre 1914 bis 1918.

Das Kriegerdenkmal auf dem Schmidener Friedhof. Foto: Patricia Sigerist
Das Kriegerdenkmal auf dem Schmidener Friedhof. Foto: Patricia Sigerist

Schmiden - Adolf Klemm (1852-1935) war von 1911 bis zu seiner Pensionierung 1921 Pfarrer in Schmiden. Über die Schwester seiner Frau Pauline wurde er der Schwager des Stuttgarter Waisenhausinspektors Eduard Lempp. Der 1914 ausbrechende Erste Weltkrieg hinterließ tiefe Wunden in Adolf Klemms Familie, die nur ein Beispiel dafür ist, welche Opfer die Jahre 1914 bis 1918 kosteten.

Nach dem Versailler Vertrag von 1918 wurde Westpreußen polnisch

Adolf Klemms Neffe Friedrich Weitbrecht (1880 – 4. 9. 1914) war Gutsbesitzer in Westpreußen, als er im August 1914 „freudig und getrost“ ausmarschierte. In der Schlacht bei Tannenberg/ Ostpreußen wurde er schon am 29. August 1914 von Granatsplittern getroffen und durch einen Lanzenstich in die Brust schwer verletzt. Einige Tage später verstarb Friedrich Weitbrecht im Lazarett von Marienwerder, wo er auch begraben wurde. Er hinterließ seine Frau und vier Kinder. Nach dem Versailler Vertrag von 1918 wurde Westpreußen polnisch, womit Friedrich Weitbrechts Frau wohl ihren Gutsbesitz verlor.

Pfarrer Adolf Klemms Schwager Eduard Lempp (1855-1939) war Oberinspektor und Hausgeistlicher am Waisenhaus in Stuttgart. Er hatte mit seiner Frau sechs Söhne, die alle im Ersten Weltkrieg kämpften. Richard Lempp (1883-1945) überstand alle vier Kriegsjahre, sein Bruder Wilfried (1889-1967) war Sanitäter und Feldgeistlicher.

Ein halbes Jahr später traf wieder eine Trauerbotschaft im Schmidener Pfarrhaus ein

Zwei Lempp-Söhne fielen. Noch im ersten Kriegsjahr war der Tod des Sohnes Otto Lempp (1885 – 13. 12. 1914) zu beklagen. Der Philologe und Theologe mit einer Professur an der Universität Kiel wurde beim Sturm auf eine russische Stellung von einem Schuss mitten ins Herz getroffen. Ein Kamerad schrieb später: „Ich sehe ihn, den lieben Toten, noch jetzt, wie mit vor Eifer und Erhitzung glühendem Gesicht halb aufgerichtet seine Leute zum nächsten Sprung fortzureißen sucht.“ Otto Lempp hinterließ Frau und Kind. Seinen Eltern hatte er geschrieben: „Es ist merkwürdig, an was alles sich der Mensch anpassen kann . . . dieses Schießen, der Anblick der zum Teil scheußlich zerschossenen Leichen“.

Nur vier Tage später fiel Adolf Klemm (1888 – 17. 12. 1914) an der Westfront, der im Oktober 1914 ausmarschierte Sohn des Schmidener Pfarrers. Ein Kopfschuss traf ihn „beim Sturm auf ein von Franzosen besetztes Wäldchen“. Zusammen mit zwei anderen Soldaten wurde er begraben. Ein halbes Jahr später traf wieder eine Trauerbotschaft im Schmidener Pfarrhaus ein. Klemms Sohn Paul (1892 – 15. 6. 1915), der sich im November 1914 als Kriegsfreiwilliger meldete, wurde in einem Unterstand an der Westfront durch zwei Volltreffer mit seinem Bataillonsstab (elf Mann) getötet und verschüttet. Die Getöteten konnten wegen des fortwährenden Artilleriefeuers nicht ausgegraben werden.

Klemms Sohn Theodor (1882-1937) starb als lediger Pfarrer zwei Jahre nach dem Vater

Im Mai 1917 erhielt die Familie Eduard Lempp die Nachricht vom Tod des jüngsten Sohnes Eugen (1893 – 27. 5. 1917), der als Kriegsfreiwilliger auszog und an der Westfront durch ein Maschinengewehr tödlich getroffen wurde. Er soll noch eine Stunde in einem Granattrichter gelegen haben, bevor er starb. Ein Vetter und ein Bruder beerdigten ihn in fremder Erde.

Der Schmidener Pfarrer Adolf Klemm lebte im Alter in Markgröningen und Dettingen am Albuch (Landkreis Heidenheim) bei seiner Tochter Clara, die den Pfarrer Theodor Kalchreuter geheiratet hatte. Klemms Sohn Theodor (1882-1937) starb als lediger Pfarrer von Pfalzgrafenweiler zwei Jahre nach dem Vater.




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