Tut Autofans schon beim hinschauen weh: der Anblick des beschädigten Ferrari F40. Foto: KS-Images/Karsten Schmalz
Im April 2024 nimmt die Fahrt eines Ferrari F40 durch den Engelbergtunnel in Leonberg ihr Ende an den Tunnelwänden. Es entsteht massiver Schaden an dem Supersportwagen, dessen Fahrer glimpflich davon kommt.
Sicher: Die Meldung, dass die Weströhre des Engelbergtunnels nach jahrelanger Sanierung endlich fertig ist, hat im Juni die zahlreichen Pendler erfreut. Ein Ende der Großbaustelle ist in Sicht, in der Oströhre – also jener Röhre, durch die der Verkehr auf der Autobahn 81 in Richtung Heilbronn fließt – laufen die Arbeiten indes noch auf Hochtouren. Aber trotzdem: Schon bald ist es geschafft.
Supersportwagen war rund drei Millionen Euro wert
Die eigentliche Nachricht zum Thema Engelbergtunnel in den vergangenen zwölf Monaten datiert jedoch vom 21. April. Am Morgen jenes Sonntags zerschellten in der Weströhre mehrere Hunderttausend Euro, vielleicht sogar noch mehr, an den Tunnelwänden. Ein 24-jähriger Mann krachte mit seinem Auto erst in die eine, dann in die andere Seite des Tunnels und kam schließlich zum Stehen. Doch sein Fahrzeug war keines von der Stange. Es handelte sich um einen Ferrari F40 – ein knallroter Supersportwagen mit mächtigem Spoiler, 1990 gebaut, 500 PS stark und laut Angaben des Pleidelsheimer Oldtimer-Restaurateurs Mechatronik, zu dessen Fuhrpark er gehörte, rund drei Millionen Euro wert. Der Fahrer wurde bei dem Unfall glücklicherweise nur leicht verletzt und musste nicht stationär im Krankenhaus behandelt werden. Die Herzen jener Motorsport- und Autofreunde, die die Bilder des beschädigten Ferraris zu Gesicht bekamen, dürften allerdings einige ernsthafte Risse bekommen haben. Die komplette Frontabdeckung des Fahrzeugs wurde abgerissen, inklusive der markanten Klappscheinwerfer. Die Räder standen in ungesundem Winkel vom Rest des Autos ab, von der massiv zerkratzten Karosserie ganz zu schweigen.
Zerlegt: der Ferrari F40 nach dem Crash Foto: KS-Images.de/Andreas Rometsch
Dennoch habe man „alles in allem Glück im Unglück“ gehabt, wie Mechatronik-Sprecher Pascal Stephan nach dem Vorfall zu Protokoll gab. Die genaue Schadenshöhe wollte er jedoch nicht beziffern. Nur seien auch Felgen und Fahrwerk in Mitleidenschaft gezogen worden. Wie schlimm es genau war, sollten Experten von Ferrari klären.
Wie der Blick ins Archiv zeigt, war es nicht der erste Unfall eines teuren Oldtimers aus dem Hause Mechatronik. 2013 hatte ein 26-jähriger Mitarbeiter des Pleidelsheimer Unternehmens einen Mercedes 300 SL Flügeltürer, Baujahr 1956, zu Schrott gefahren. Er befand sich auf einer Überführungsfahrt zu einem Kunden in Gemünden (Main-Spessart-Kreis) und verunfallte schon zu beginn der rund 400 Kilometer langen Tour zwischen Pleidelsheim und Mundelsheim. Das Fahrzeug überschlug sich, sowohl der Fahrer als auch sein 18-jähriger Beifahrer blieben unverletzt. Der Schaden betrug damals rund 650 000 Euro.
Ferrari sollte bei der Böblinger Motorworld gezeigt werden
Der Ferrari F40 sollte im April bei der Saisoneröffnung der Böblinger Motorworld am Mechatronik-Stand präsentiert werden. Bei gerade einmal 21 000 Kilometern auf dem Zähler sprach Firmensprecher Pascal Stephan von einer „im Anbetracht des Fahrzeugalters immer noch überschaubaren Laufleistung“. Im Jahr 2005 war der Bolide nach Japan exportiert und 2015 wieder nach Europa zurückgeholt worden. Offenbar hätte er auf einer Online-Plattform verkauft werden sollen, wie das Fachmagazin „Auto Motor und Sport“ über den Vorfall schrieb.
Im Jahr 2023: Ein Mercedes-Flügeltürer aus dem Hause Mechatronik verunglückt auf einer Überführungsfahrt. Foto: Polizeidirektion Ludwigsburg
Im Grunde ist die Schadenshöhe aber zweitrangig, solange niemand körperlichen Schaden nimmt. Auch darauf bezog sich Stephans „Glück im Unglück“-Aussage. Der Fahrer des Ferrari sei ein langjähriger Mechatronik-Mitarbeiter, der mehrere Fahrtechnikkurse durchlaufen habe und qualifiziert gewesen sei, diese Art von Sportwagen zu steuern. Man stehe zu ihm. „Wie beim Fußball sind wir ein Team und Fehler können passieren.“ Das sei menschlich, wenn auch in diesem Fall kostspielig.
Kein gutes Wochenende für Ferrari-Fans
Jenes Wochenende im April war generell kein gutes für Ferraris. Am Freitagabend zuvor hatte ein 42-Jähriger seinen Flitzer im Leutenbach-Tunnel im Rems-Murr-Kreis demoliert. Beim Beschleunigen verlor er auf der linken Spur die Kontrolle, schrammte rund 100 Meter die Tunnelwand entlang und kam zum Stehen. Er blieb unverletzt, der Schaden bewegte sich laut Polizeiangaben im Bereich von rund 120 000 Euro. Doch dann setzte der F40-Fahrer im Engelbergtunnel noch einen drauf.