Geschichten des Jahres In Weil der Stadt wehte ein richtungsweisender Wind
Der Traum von Windkraft ist in Weil der Stadt einst geplatzt. 2024 hat man große Schritte in Richtung Windräder gemacht.
Der Traum von Windkraft ist in Weil der Stadt einst geplatzt. 2024 hat man große Schritte in Richtung Windräder gemacht.
Manchmal dreht sich der Wind, auch in der Keplerstadt. Noch vor sechs Jahren hatte sich rund um Weil der Stadt Widerstand geregt, als man dort – genauer gesagt im Merklinger Wald an der Grenze zu Heimsheim – Windräder errichten wollte. Nicht nur der Protest aus der Bürgerschaft der beiden Kommunen, auch Bedenken rund um den Rotmilan, der am angedachten Standort sein Revier hat, führten damals dazu, dass der Gemeinderat das Ansinnen einstimmig begrub.
Dieser Marschrichtung folgt man in Weil der Stadt schon längst nicht mehr. Gestiegen ist in den Jahren seit dem einstigen Aus des Windkraftvorhabens in Weil der Stadt besonders der politische Wille, den Windkraftausbau voranzutreiben: 2022 verabschiedete der Bund das Wind-an-Land-Gesetz, laut dem die Länder bis Ende 2032 zwei Prozent der Bundesfläche für Windkraft ausgewiesen haben sollen. In den letzten zwei Jahren hatte der Verband Region Stuttgart also eine entsprechende Flächenplanung – auch für Weil der Stadt – vorangetrieben, die im Herbst 2025 abgeschlossen werden soll.
In Weil der Stadt will man bereits jetzt durchstarten in Sachen Windenergie. Die Legitimation dafür hatte man sich im Rathaus mit einem Bürgerentscheid geholt: Im Juni stimmten rund 63 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Entwicklung von Windkraft auf städtischer Gemarkung. Bereits im Gespräch waren dabei konkret zwei Gebiete, die auch Teil der Vorrangplanung der Region Stuttgart waren. Eines der beiden liegt im Westen von Weil der Stadt und Merklingen. Das zweite, kein Unbekanntes: Eben jene Fläche Richtung Heimsheim, die bereits vor sechs Jahren im Gespräch war. Trotz aller Sorgen triumphierten beim Bürgerentscheid die Windkraftbefürworter, sogar in Merklingen, das von den Planungen wohl am meisten betroffen sein wird. Als einen „klarer Auftrag für den Gemeinderat“ wertete Bürgermeister Christian Walter das Ergebnis. Und im Gemeinderat landete das Thema auch prompt. Im Dezember einigte man sich im Gremium auf ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren, bei dem für acht mögliche Windräder Angebote von möglichen Projektieren eingeholt und bewertet werden. Bei einem der beiden Gebiete will man nun die wirtschaftlichen Faktoren, etwa die Höhe der Pacht, deutlich gewichten, im anderen sollen die Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger mehr Bedeutung bekommen. Mindestens 39 Prozent sollen hier in Bürgerhand bleiben, während zehn Prozent an die betroffenen Nachbarkommunen gehen. „Aber je mehr Bürgerbeteiligung, desto besser“, kommentierte Walter in der Sitzung.
Wie groß der Anteil ist, den einmal die Bürger halten können, bleibt noch offen. Als Projektierer bewerben will sich auch die Initiative „Bürgerwind Heckengäu“, die sich ein Windrad gänzlich in Bürgerhand wünscht. Die Verwaltung hat derweil ein Versprechen aus Bürgerentscheid-Zeiten gehalten: Auserkoren hat man als potenzielle Standorte Waldstücke, in denen der Boden ohnehin wenig Wasser speichert.