Geschichten des Jahres Parkgebühren, Blitzer und Tempo 30 in Weil der Stadt

Die Jahnstraße wurde im Sommer zu einer Fahrradstraße. Foto: Simon Granville

In Sachen Verkehr hat sich in Weil der Stadt im letzten Jahr einiges getan – auch bei Projekten, die sich schon lange ziehen.

Leonberg: Sophia Herzog (she)

Wenn sich die Weiler Narrenzunft einem kommunalpolitischen Thema widmet, ist es mit großer Sicherheit auch Stadtgespräch – und um welches Thema es beim offiziellen Beginn der Narrensaison am 11. November ging, war offensichtlich. Einen kleinen, nachgebauten Blitzer hatte die Zunft dabei, ebenso einige Pointen über einen Verkehrsversuch und den Schilderwald in den neuen Tempo-30-Zonen. In der Tat: 2024 hat sich in Sachen Verkehr für die Weil der Städter viel getan.

 

Da wäre eben genannter Blitzer: Den hatte die Verwaltung im Sommer für knapp 150 000 Euro angeschafft. In die Stadtkasse geflossen sind seitdem rund 40 000 Euro an Bußgeldeinnahmen. Und auch Tempo-30-Zonen sind auf einigen Landes- und Bundesstraßen im Stadtgebiet eingeführt worden, darunter auf der Graben-, Paul-Reusch- und der Leonberger Straße in der Kernstadt und den Ortsdurchfahrten von Hausen, Münklingen und Merklingen.

Erleichterung für die Stadtverwaltung

Der Prozess bis zur Einführung des Geschwindigkeitslimits war in Weil der Stadt ein zäher, hatte sich teils seit 2020 gezogen. Grund dafür war unter anderem ein komplizierter Abstimmungsprozess mit den Behörden, die für die jeweiligen Straßen – die als Kreis- oder Landesstraßen nicht im Zuständigkeitsgebiet der Stadt liegen – verantwortlich sind. 2024 hat es schließlich doch geklappt. „Der Abschluss des Verfahrens, das in der Stadtverwaltung viele Ressourcen gebunden hat, bedeutet für uns eine Erleichterung“, resümiert Bürgermeister Christian Walter. „Auch aus der Bevölkerung gibt es teilweise sehr positive Rückmeldungen“, ergänzt er. „Aber natürlich nicht ausschließlich.“

Gemischte Gefühle haben im Sommer auch einige weiße Punkte und bunte Formen hervorgerufen, die auf die Jahnstraße gepinselt wurden. Die Straßenbemalung war Teil eines Verkehrsversuchs, den das Baden-Württemberg-Institut für nachhaltige Mobilität (BWim) hier durchgeführt hat. Den ganzen Sommer lang wurde die Jahnstraße dabei zur Fahrradstraße – Autofahrer waren zwar erlaubt, mussten sich aber hinter den Radverkehr einordnen. Im Dezember sprach man im Technischen Ausschuss der Stadt bereits über die Ergebnisse des Versuchs, das BWim hatte etwa von einer ersten Akzeptanz der Fahrradstraße, von Entlastung der Anwohner und mehr Sicherheit für die Schülerinnen und Schüler berichtet. Eine ausführliche Dokumentation soll es noch seitens des BWim geben, im Gemeinderat werden die Erkenntnisse laut dem Ersten Beigeordneten Jürgen Katz dann Thema, wenn es im Zuge des neuen Schulcampus’ einmal um eine Umgestaltung der Jahnstraße gehen soll.

Neues Parksystem hat nicht nur Freunde

Und dann wäre da noch das Thema, das so manchen Weil der Städtern ein Dorn im Auge ist: das Parken. Seit Ende 2023 sind in der Kernstadt deutlich strengere Regeln gültig. Im Altstadtbereich ist das Parken seitdem mit Parkscheibe für höchstens zwei Stunden möglich, an zentralen Parkplätzen wie dem Festplatz, dem Brenzplatz oder am Calwer Tor ist das Parken nach einigen Stunden kostenpflichtig. „Parken wollen alle – am besten unbegrenzt und kostenfrei“, so der Bürgermeister. Da der Parkraum rund um die historische Altstadt aber nicht für alle ausreiche, müsse es eine Steuerung geben. Im ersten Jahr, also von Oktober 2023 bis Oktober 2024, haben die kostenpflichtigen Parkplätze dem Rathaus Einnahmen von knapp 14 000 Euro beschert, der Festplatz ist dabei mit Abstand der größte Quotenbringer.

Im Jahr 2024 war in Sachen Parken auch immer wieder ein Einwohnerparkausweis Thema, den sich einige Weiler wünschen, der laut Stadt aber nicht rechtmäßig wäre. Stattdessen gibt es Monatstickets, die bisher bis zu 40 Euro gekostet haben. Die Stadt gibt davon aber nur rund 20 monatlich aus, außerdem gerade einmal vier Halbjahrestickets. „Insgesamt scheint die Zahl der Betroffenen also sehr überschaubar zu sein“, so Walter. Ende des Jahres wurde das Parkkonzept noch einmal etwas angepasst. Seitdem muss auch in der Hermann-Schnaufer-Straße teils mit Parkscheibe, teils mit Ticket geparkt werden.

2025 wird endlich die L 1179 saniert

Und 2025? Insbesondere in Sachen Radverkehr sei man im Rathaus weiterhin im „intensiven und kritischen“ Austausch mit den zuständigen Behörden. „Wir hoffen, dass dies 2025 an der ein oder anderen Stelle erfolgreich sein wird“, so Walter. Weitergehen wird es auch auf teils sanierungsbedürftigen Kreis- und Landesstraßen, allen voran der L 1179 zwischen Hausen und Heimsheim. Hier sollen die langersehnten Sanierungsmaßnahmen im Februar starten. Und: „Mit der Sanierung der Josef-Beyerle-Straße und der Mittleren Straße und Bühlstraße stehen in den nächsten zwei Jahren größere Sanierungsmaßnahmen auf Kreisstraßen bevor“, sagt Christian Walter.

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