Inzwischen steuert das Vorhaben auf eine einjährige Verspätung zu. In der Leonberger Kommunalpolitik werden schon Stimmen laut, die daran zweifeln, dass überhaupt jemals Geflüchtete im ehemaligen Seniorenheim am Parksee untergebracht werden. Gerüchte machen gar die Runde, das Vorhaben sei eingestampft worden. In der Tat gehen die Zahlen derer, die in Deutschland Asyl beantragen, aktuell zurück – doch hört man sich beim Eigentümer und den zuständigen Behörden um, stößt man auf eine Mauer des Schweigens. Das dürfte nur wenige verwundern, sorgte das Vorhaben doch Ende 2023 und über das Jahr 2024 hinweg für einige Aufregung.
Im Herbst 2023 gelangten die Überlegungen n die Öffentlichkeit
„Anfang 2024“ hätte es soweit sein sollen, dass Menschen in der Anschlussunterbringung dort wohnen. Das hatte Landkreis-Dezernent Dusan Minic im Herbst 2023 zu Protokoll gegeben, als die Überlegungen an die Öffentlichkeit gelangten. Inzwischen dürfte auch eine Prognose „Anfang 2025“ nicht mehr realistisch sein. Aber wer weiß, vielleicht wird das Haus ja auch überhaupt nicht mehr benötigt. Explizit diese Frage richtete diese Zeitung jüngst an den Immobilienbesitzer, die Carestone Gruppe mit Sitz in Hannover. Eine Antwort blieb man schuldig, mit dem Verweis auf „intensive Abstimmungs- und Prüfprozesse“. Die Stadt Leonberg äußert sich überhaupt nicht und verweist aufs Landratsamt Böblingen. Dort spricht man inzwischen nurmehr wachsweich von einem „grundsätzlichen Interesse“.
24 Monate wollte der Landkreis das Gebäude ursprünglich von Carestone mieten. 200 Personen sollten einziehen. Die intensiven Proteste aus der Nachbarschaft sind inzwischen genau so verhallt wie, ebenfalls im Herbst, das Echo der Abstimmung im Leonberger Gemeinderat. Dieser hatte sich geschlossen gegen die Pläne des Landkreises ausgesprochen. Dass derzeit Stille vorherrscht hat jedoch vor allem damit zu tun, dass noch rein gar nichts voran gegangen ist. Ob noch Menschen einziehen? Fraglich.
Misston in der Kommunikation im Lauf des Jahres
Ein Misston in der Kommunikation zwischen Stadt und Eigentümer Carestone ließ im Laufe dieses Jahres aufhorchen. Um das Objekt überhaupt vermieten zu können, musste der Besitzer einen Antrag zur Nutzungsänderung bei der Stadt einreichen. Das geschah Anfang April, allerdings war dieser nicht vollständig. Darüber sei der Bauherr, also Carestone, nur wenige Tage später unterrichtet worden, betonte Stadt-Pressesprecher Sebastian Küster im Juli.
Und weiter: „Weil eine Reaktion ausblieb,erinnerte die Stadt Leonberg vier Wochen nach Antragseingang den Bauherren noch einmal daran, die fehlenden Unterlagen einzureichen.“ Wiederum drei Wochen später seien die Dokumente schließlich angekommen. Dann setzte sich der Mechanismus in Gang. Seither gibt es auch auf Anfrage keine belastbaren Aussagen mehr darüber, wie und ob es in Sachen Unterbringung vorangeht.
Neue Anschlussunterbringung wird an der Böblinger Straße gebaut
Sicher ist seit November derweil, dass die Stadt an der Böblinger Straße im Ramtel einen Neubau für die Anschlussunterbringung realisiert. Knapp 7,8 Millionen Euro will die Kommune dafür ausgeben. Baubeginn soll im Spätsommer sein. Die Baugenehmigung erwartet die Stadtverwaltung im Frühjahr. Aktuell muss die Stadt Leonberg für die Anschlussunterbringung von knapp 600 Personen sorgen (Stand 24. Oktober). „In 2024 gab es eine Aufnahmequote von circa 220 Flüchtlingen für die Anschlussunterbringung, die noch nicht erfüllt werden konnte“, heißt es in einem Sitzungsdokument zum Sozial- und Kultusausschuss von Mitte November. Auch rechne man damit, dass die Zahlen eben nicht weiter sinken. „Die Errichtung eigener Unterkünfte ist demnach nicht nur perspektivisch, sondern akut dringend notwendig!“