Belastet durch die Nachwirkungen ihrer früheren Krebserkrankung zieht die Rutesheimer Bürgermeisterin Konsequenzen. Bis März will sie noch Vollgas geben.
Eine persönliche Zäsur setzte die Rutesheimer Bürgermeisterin Susanne Widmaier im Juli dieses Jahres: Es war ihre Entscheidung, nach acht Jahren Amtszeit bei der anstehenden Wahl am 8. Februar 2026 nicht erneut anzutreten. Mit 59 Jahren, im nächsten Jahr wird sie 60, belastet durch die Nachwirkungen ihrer früheren Krebserkrankung und getragen von einer Familie, die um ihre Gesundheit besorgt ist, zog sie die Konsequenzen. „So einen Job kann man nicht mit halber Kraft machen“, sagte Susanne Widmaier schweren Herzens in der Gemeinderatssitzung im Juli. Sie musste mit den Tränen kämpfen.
Sie ist nicht nur die Rutesheimer Bürgermeisterin, sondern unter anderem im Böblinger Kreistag sowie seit Februar dieses Jahres die Vorsitzende des Kreisverbandes Böblingen der Baden-Württembergischen Bürgermeister. Zuletzt sei es die Kraft gewesen, die ihr ausgehe. Die Krebs-Diagnose hatte sie im Dezember 2019 bekommen. Fünf Monate fiel sie aus und kämpfte sich im Mai 2020 zurück. Doch die Chemotherapie und Bestrahlungen hätten ihr zugesetzt. „Seit meiner Erkrankung musste ich häufig über meine Grenzen gehen und ich brauche nach langen, anstrengenden Arbeitstagen eine längere Regenerationszeit“, sagt Widmaier, die bis März 2026 noch Vollgas geben will.
Großes Lob an Verwaltung und Gemeinderat
Ihre Entscheidung hatte bei Gemeinderäten, Mitarbeitern und Bürgern gleichsam Respekt und Betroffenheit ausgelöst. Zugleich versprach sie, bis März 2026 „mit voller Kraft“ weiterzuarbeiten. Gerne wäre sie noch einmal im Februar 2026 zur Wahl angetreten, und hätte bei einer eventuellen Wahl noch weitere acht Jahre drangehängt. „Das ist mein Traumjob, er macht mir einen Riesenspaß, doch wenn man nicht ganz fit ist, sind acht Jahre lang.“ Susanne Widmaier arbeitet gerne mit unterschiedlichen Menschen zusammen. „Das ist die Grundvoraussetzung für diesen Job.“ Dabei gelte es auch, mit vielen verschiedenen Charakteren umzugehen. Ein großes Lob hat sie für die disziplinierte Zusammenarbeit zwischen der Verwaltung und dem Gemeinderat übrig. „Die war aber auch schon vor meiner Zeit in Rutesheim sehr gut.“
Susanne Widmaier hat sich gemeinsam mit ihrem Verwaltungsteam und dem Gemeinderat mit einigen großen Projekten in diesem Jahr beschäftigt. So fand beispielsweise auf dem ehemaligen Bosch-Areal endlich der Spatenstich statt. Hier entsteht ein neues Quartier mit etwa 240 Wohneinheiten. Geplant ist auch ein Gesundheitshaus, Mehrgenerationenwohnen sowie eine Bäckerei inklusive eines Cafés. Der Gemeinderat hat auf Grundlage der eingereichten Planungen und Angebote beschlossen, im Bosch-Areal jeweils ein Quartier zwischen dem künftigen zentralen Platz und der Robert-Bosch-Straße zum Bau von Wohnungen an die Bauträger iep-Wohnen GmbH sowie Leonberg Wohnbau Haußer GmbH zu veräußern.
Auch ein Mehrgenerationenhaus findet Platz
Das Quartier zwischen dem Platz und der Bahnhofstraße wird an die Leonberger Firma Mörk Immobilien GmbH für den Bau eines Versorgungs- und Gesundheitszentrums, eines Mehrgenerationenhauses sowie von Wohnungen verkauft. Die vier Doppelhaushälften auf städtischen Grundstücken wurden unter den berechtigten Interessenten verlost, sodass nun die notariellen Kaufverträge unterzeichnet werden können.
Auf dem Rutesheimer Jahresplan von 2025 stand auch die Weiterentwicklung neuer Baugebiete – Spissen II, Heuweg Nord sowie die Krautgärten in Perouse. „Wir waren uns einig, dass Rutesheim maßvoll wachsen soll und wir die Gebiete nach und nach entwickeln wollen“, sagt Susanne Widmaier. Der Bau der neuen Heizzentrale für die Nahwärmeversorgung wurde vollendet. Sie soll demnächst in Betrieb gehen. Jetzt folgt die Gewinnung neuer Kunden. Die Kläranlage, die Anfang der 1960er Jahre nahe der Autobahnbrücke gebaut wurde, wird grundsaniert und soll technisch auf ein neues und zukunftsfähiges Niveau gehoben werden. Der Startschuss fiel in diesem Jahr auch für das neue Gewerbegebiet „Gebersheimer Weg“.
Mit dem baldigen Bau eines neuen Horts in der Hindenburgstraße plant die Stadt für die Zukunft und bleibt mit dem Angebot der Kinderbetreuung auf einem hohen Niveau.