Geschichten des Jahres Ungebetener Gast auf dem Korntaler Talhof

Durchlebte schlaflose Nächte: Talhof-Betriebsleiter Philipp Hartmeyer Foto: Granville

Im August und Oktober hatte ein Mann auf dem Korntal-Münchinger Gehöft nachts Pferde gesattelt und weggeführt. Für Aufklärung sorgte auch sein Arbeitgeber.

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Es dürfte sich um einen der denkwürdigsten Vorfälle in diesem Jahr gehandelt haben: Ein Mann, der sich spätabends Zugang zu den Pferdeboxen auf dem Korntaler Talhof verschafft, dort unmaskiert und seelenruhig ein Pferd sattelt, davonreitet, wiederkommt und ein weiteres Tier aufzäumt – bis die anderen Pferde so viel Radau machen, dass die Hofbetreiber aufwachen und er zur Flucht per Fahrrad gezwungen wird. So geschehen in einer Nacht Ende August und auf ähnliche Weise nochmals in der Nacht zum 15. Oktober.

 

Neue Überwachungssysteme, schlaflose Nächte

Talhof-Betriebsleiter Philipp Hartmeyer war ratlos, stattete nach dem ersten Einbruch die Stallgassen mit neuen Überwachungssystemen aus – und hatte dennoch unruhige Nächte. „Das war auf jeden Fall ein Schock“, sagte er nach dem ersten nächtlichen Besuch. Schon damals war er sich sicher: „Da war kein Fachmann am Werk. Er hat einfach ein Halfter drangemacht und den Pferden keine Trense angezogen.“ Hartmeyer sollte Recht behalten, denn seine Vermutung bestätigte sich am 18. Oktober. An diesem Datum, kurz nach dem zweiten Vorfall, klärte sich alles auf. Der ungebetene Gast stellte sich der Polizei. Es handelte sich um einen 28-jährigen Mann, laut Hartmeyer hat er eine geistige Beeinträchtigung – und liebt schlicht und einfach Pferde. „Er war sich der Tragweite seines Handelns gar nicht bewusst“, so der Betriebsleiter.

Dass der Fall schließlich auf glimpfliche Art und Weise geklärt wurde, hatte vor allem mit dem Arbeitgeber des Mannes zu tun. Wie schon im August hatte Hartmeyer die Aufnahmen der Überwachungskameras im Internet veröffentlicht, auf denen der 28-Jährige klar zu erkennen war. Sein Chef kam schließlich mit ihm überein, zur Polizei zu gehen.

Pferde wurden nicht verletzt oder gar gestohlen

Dort hatte Philipp Hartmeyer beide Fälle angezeigt – dies wurde schlussendlich hinfällig. Wäre der junge Mann einfach so auf den Talhof gekommen und hätte sein Interesse für Pferde bekundet, „wäre das überhaupt kein Problem gewesen“, betonte er, kurz nachdem Licht ins Dunkel gekommen war. Zum Glück seien keine Pferde verletzt oder gestohlen worden, außerdem sei die Ausrüstung unbeschädigt geblieben. „Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Mann die Tiere stehlen wollte“, bestätigte das Polizeipräsidium Ludwigsburg auf Nachfrage. Somit fiel diese Erfahrung mit einem Einbrecher um ein Vielfaches harmloser aus als jene vor rund 13 Jahren. Damals wurde auf dem Talhof in großem Stil Ausrüstung gestohlen. Die Diebe kamen nachts über die Koppel, durchschnitten Zäune und verschafften sich über den Hintereingang Zugang zum Gehöft. „Und sie hatten es gezielt auf Markensattel abgesehen“, so Hartmeyer. Wer die Täter waren, ist bis heute nicht bekannt.

Kein Zusammenhang mit Vorfall in Weil der Stadt

Übrigens: Es darf als sicher gelten, dass ein Vorfall aus Weil der Stadt nicht mit der Angelegenheit auf dem Talhof zusammenhängt. Auf dem dortigen Güthlerhof nahe der Gemarkungsgrenze zu Renningen hatte im August ein Mann in einem dunklen SUV die Stallungen ausgespäht, während er im Schritttempo vorbeifuhr. Ermittlungen der Polizei führten jedoch zu keinem Ergebnis.

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