Geschichten um Schloss Solitude Der Adel schlief in Heimerdinger Betten

Früher Sommerresidenz und Spital: Heute ist Schloss Solitude ein beliebter Ausflugsort. Foto: Andreas Rosar

Für die königlichen Gäste mussten die Untertanen aus dem Umland Schlafstätten zur Verfügung stellen. Doch die Pracht des Schlosses währte nicht lange.

Die Nachtlager sind gesichert, die Gäste konnten beruhigt schlafen. „Da seine Königliche Majestät sich einige Tage auf der Solitude aufhalten werden und für die Herrn Cavaliers Betten hierzu verlangt werden, so hat der Orth Heimerdingen durch den Bürgermeister bis morgen Dienstag den 27ten deß Nachmittags präcise 2 Uhr, Vier 2schläfrige Betten jedes aus 1 Oberbett, 1 Unterbett,1 Haipfel, 2 Kißen bestehend, an jedem Ort an den dortigen Hausschneider Gröbe gegen Bescheinung auszuliefern. Welcher für die Zurückgabe sorgen wird. Leonberg, den 26. August 1811.“

 

Dieses Schreiben ging an Hofrat Karl Ludwig Christoph Röslin, dem Oberamtmann des Oberamtes Leonberg. Der beruhigte die sparsame schwäbische Seele und notierte unten links auf der Anordnung: „Für Bettzins wird bezahlt werden.“

Der Heimerdinger Bürgermeister wird aufgefordert, für die königlichen Gäste vier Betten zur Verfügung zu stellen. Foto: Arnold Einholz

Interessant ist, dass auch das typisch schwäbische Haipfel angefordert wurde. Der Haipfler war früher der Bettwäscheverkäufer, heute wird der Ausdruck für einen windigen Typen verwendet. Haipfel ist ein Kopfkissen mit den Maßen 80 auf 100 Zentimeter. Darauf wurde ein prall gefülltes, kunstvoll gesticktes Paradekissen gelegt. Es gehörte früher ganz selbstverständlich zu jeder Aussteuer. Das riesige Haipfel erfreut sich im Schwäbischen noch immer großer Beliebtheit.

Schloss Solitude verschlang erhebliche Summen an Geld

Als der neue König Friedrich I. 1811 auf Schloss Solitude einlud, hatte dieses seine Glanzzeit schon lange hinter sich. Es ist wohl die anspruchsvollste und auch persönlichste Schöpfung von Herzog Carl Eugen von Württemberg (1728-1793) gewesen. Es wurde zwischen 1763 und 1769 erbaut und war Rückzugsort, Sommerresidenz sowie ein Ort für Feste und Empfänge. Doch es verschlang Unmengen Geld und so waren die aufwendige Repräsentation und der Unterhalt der Bauten finanziell und schnell politisch untragbar. Die Hofhaltung dort wurde 1775 eingestellt und nach Hohenheim verlagert.

Auch der Dichter Friedrich Schiller lernte auf Schloss Solitude

Die im Jahr 1770 vom Herzog Carl Eugen gegründete Karlsschule befand sich anfangs auch im Schloss Solitude. Sie diente als Militärakademie, Kunstakademie und war als Eliteschule für Söhne aus angesehenen württembergischen Familien vorgesehen. Einer der berühmtesten Zöglinge war der Dichter Friedrich Schiller (1759-1805).

Friedrich Schiller war einer der berühmtesten Zöglinge auf Schloss Solitude. Foto: imago/UIG

Was der Anlass für den Aufenthalt von König Friedrich I. auf der Solitude war, ist dem Schreiben nicht zu entnehmen. Im Jahr 1811 befand sich Württemberg inmitten großer politischer Umwälzungen, die durch die Napoleonischen Kriege ausgelöst wurden. Der neue König versuchte die Macht der Landstände zu brechen und seine absolute Herrschaft zu festigen. 1811 wurde unter anderem die Oberamtsverfassung eingeführt, und die machte Leonberg zum Oberamt mit einem Oberamtsgericht, das vermutlich von Anfang an im Schloss Solitude untergebracht war.

Das Schloss dient zwischenzeitlich als Lazarett

Das Schloss selbst verfiel wenige Jahr nach seiner Errichtung in den Dornröschenschlaf. Die pflegeintensiven Gärten wurden aufgegeben, manche Gartengebäude abgebrochen. Mehrmals war das Schloss ein Lazarett. Die letzte große Belegung erfolgte nach der „Drei-Kaiser-Schlacht“ am 2. Dezember 1805 bei Austerlitz. Das Schloss wurde nun immer wieder als Kriegslazarett, aber auch als Sträflingsspital genutzt.

Ab den 1820er Jahren begann eine friedlichere Zeit, und das Schloss wurde zum beliebten Ausflugsort für die Stuttgarter. Sogar eine Kur-Anstalt, in der seit 1830 mit Ziegen-Molke behandelt wurde, gab es hier. Für diese wurde 1833 im „Intelligenz-Blatt für die Oberamtsbezirke Leonberg und Böblingen“, der ersten Zeitung in Leonberg, ein Pächter für 18 Jahre gesucht.

Viele Kriegsverletzte wurden innerhalb der Schlossmauern versorgt

Während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 wurde die Solitude ein weiteres Mal zum Pflegeort für Kranke und Verwundete. Am 4. August 1870 wurde das Königliche Reservespital eröffnet, in dem mehr als 1000 Personen gepflegt wurden. Nach dem Krieg statteten König Karl und Königin Olga das Schloss wieder mit Möbeln aus und ließen es renovieren. Die Königin nutzte es oft für Treffen mit ihrer russischen Verwandtschaft.

Auch in den beiden Weltkriegen diente die Solitude als Lazarett, bevor es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts umfangreich restauriert wurde. Seither ist das Hauptschloss für Besucher geöffnet. Die Flügelbauten werden von der Akademie Schloss Solitude genutzt.

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