Geschwindigkeitskontrollen Was die neuen Blitzer im Rems-Murr-Kreis bewirken

Ein Enforcement Trailer misst an der B14 Geschwindigkeiten. Foto: Gottfried Stoppel

Die Standorte der Radaranlagen galten anfangs als geheim. Inzwischen ist klar, wo im Rems-Murr-Kreis gemessen wird – und welche Wirkung die neuen Blitzer zeigen.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Die Radarkontrollen sollten wirken, bevor man über sie spricht. Deshalb hielt das Landratsamt die drei neuen Standorte für mobile Blitzer im Rems-Murr-Kreis zunächst unter Verschluss. Gemeint sind die 2025 eingerichteten Plätze für sogenannte Enforcement-Trailer. Mittlerweile ist klar, wo gemessen wird: zwischen Schwaikheim und Waiblingen an der B 14 auf den Rastplätzen Korber Kopf und Steingrüble sowie an der B 29 in Fahrtrichtung Schwäbisch Gmünd auf Höhe von Remshalden. Und inzwischen lässt sich auch sagen, was diese Zurückhaltung der Behörde gebracht hat.

 

Kreis setzt vollständig auf mobile Überwachung

Die Bilanz fällt aus Sicht des Landratsamts eindeutig aus. Seit der Inbetriebnahme der Enforcement-Trailer an der B 14 und der B 29 hätten sich die Fallzahlen und Solleinnahmen etwa verdoppelt. Die Wirksamkeit der mobilen Blitzer könne daher bestätigt werden, teilt das Landratsamt mit.

Um diese Wirkung zu erzielen, setzt der Rems-Murr-Kreis vollständig auf mobile und semistationäre Geschwindigkeitsüberwachung. Stationäre Messanlagen betreibt der Kreis aktuell nicht mehr. Der Geschwindigkeitsmesstrupp führt im Laufe eines Jahres über 300 Geschwindigkeitskontrollen durch.

„An jedem Werktag sind eine bis zwei mobile Messungen oder Arbeiten mit semistationären Anlagen eingeplant“, teilt eine Sprecherin der Behörde auf Nachfrage mit. Zum Einsatz kommen zwei mobile Messanlagen sowie zwei teilstationäre Enforcement-Trailer, die über mehrere Tage hinweg und ohne Personal vor Ort eingesetzt werden können. Der Messtrupp besteht aus drei festen Messbediensteten und drei geringfügig Beschäftigten, die als Beisitzer eingesetzt werden.

Wo und warum kontrolliert wird

Die Auswahl der Messstellen folgt festen Kriterien. Kontrolliert wird unter anderem an Unfallschwerpunkten, gefahrenträchtigen Streckenabschnitten, in Tempo-30-Zonen sowie in schutzwürdigen Bereichen wie an Schulen, Kindergärten und Altenheimen. Zusätzlich berücksichtigt der Kreis Messwünsche von Gemeinden und Bürgern, sofern diese technisch umsetzbar sind.

Konstante Einnahmen

Über einen längeren Zeitraum betrachtet zeigen sich laut der Behörde stabile Größenordnungen bei den Einnahmen. In den vergangenen zehn Jahren lagen die Solleinnahmen aus Verwarn- und Bußgeldern im Zusammenhang mit der Geschwindigkeitsüberwachung im Rems-Murr-Kreis im Schnitt bei rund 560.000 Euro pro Jahr. Für das laufende Jahr 2025 liegt zwar noch keine abgeschlossene Jahressumme vor. Seit der Inbetriebnahme der Enforcement-Trailer an der B 14 und der B 29 hätten sich die Fallzahlen und Solleinnahmen an diesen Standorten jedoch in etwa verdoppelt, teilt das Landratsamt mit.

Winnenden setzt auf feste Säulen

Während der Rems-Murr-Kreis bei der Geschwindigkeitsüberwachung konsequent auf mobile Technik setzt, geht die Stadt Winnenden einen eigenen Weg. An der Waiblinger Straße, der früheren B 14, hat die Kommune seit diesem Frühjahr zwei feste Säulenblitzer installiert. Sie überwachen den Verkehr in beide Fahrtrichtungen und sind Teil eines Maßnahmenpakets zur Verkehrsberuhigung und Lärmminderung in der Ortsdurchfahrt. Beide Anlagen stehen in Abschnitten mit Tempo 50. Zwar gilt auf Teilen der Waiblinger Straße auch Tempo 30, dieser Bereich liegt jedoch nicht an den beiden Messstellen.

Blitzer an der Ortsdurchfahrt in Winnenden Foto: Gottfried Stoppel

Nach Angaben der Stadt liegen erste Auswertungen vor (Stand 25. November 2025, seit Inbetriebnahme). Am Standort Waiblinger Straße 34 wurden 29 Verstöße registriert, davon 18 in Fahrtrichtung Innenstadt und 11 in Richtung B 14. Deutlich höher fallen die Zahlen am Standort Waiblinger Straße 55 aus: Dort wurden 253 Verstöße festgestellt, 188 davon stadtauswärts in Richtung B 14.

Auch die gemessenen Spitzenwerte unterstreichen das Bild. Die bislang höchste registrierte Geschwindigkeit lag bei 104 Stundenkilometern. Am Standort Waiblinger Straße 34 lag der höchste Wert bei Tempo 66.

Die Stadt zieht nach den ersten Monaten eine positive Zwischenbilanz. Die Säulenblitzer würden dazu beitragen, dass die zulässigen Geschwindigkeiten überwiegend eingehalten würden und sich der Verkehrsfluss insgesamt beruhigt habe. In Verbindung mit den baulichen Maßnahmen in der Ortsdurchfahrt sei auch der Geräuschpegel spürbar gesunken, teilt die Pressestelle mit.

Ergänzend zu den festen Säulenblitzern setzt die Stadt Winnenden auch mobile Geschwindigkeitskontrollen ein. Wo genau diese eingerichtet werden, bleibt vorerst geheim.

Weitere Themen