Die Enkel der Gründer des Hanweiler Besens, einem der ältesten im Rems-Murr-Kreis, führen die Tradition fort. Von links: Andreas, Tobias und Benjamin Lorenz. Foto: Eva Herschmann
Seit 1963 gibt es den Hanweiler-Besen, einer der ältesten im Rems-Murr-Kreis. Jetzt wird er in der dritten Generation weiter betrieben – traditionell und innovativ zugleich.
Eva Herschmann
11.03.2026 - 13:00 Uhr
Die alte Holzbank, auf der Benjamin, Tobias und Andreas Lorenz sitzen, stammt noch aus der Zeit ihrer Großeltern und stand schon im Besen, als Hermann und Marianne Lorenz ihn 1963 eröffnet haben. Auch die Wandmalereien, eine Ansicht von Hanweiler, dem Winnender Teilort (Rems-Murr-Kreis), vom Wald aus gesehen, stammen aus den Anfangsjahren. Der Hanweiler-Besen gehört zu den ältesten seiner Art im Rems-Murr-Kreis. An diesem Freitag beginnt nun eine neue Ära, und die dritte Generation steht jetzt für die Tradition.
„Für uns ist der Besen eine Herzenssache“, sagt Andreas Lorenz. „In den eineinhalb Jahren, in denen er geschlossen war, hat einfach was gefehlt.“ Und weil es den Eltern Esther und Hartmut Lorenz aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, den Traditionsbesen weiterzuführen, springen der 27-Jährige und seine Geschwister in die Bresche.
„Seitdem ich 14 bin, backe ich Brot“ – Familientradition lebt weiter
Die Lorenz-Brüder und ihre Schwester Charlotte, die ebenfalls zum Team gehört, als Bedienung arbeitet und sich um die Personalplanung kümmert, sind mit dem Besen aufgewachsen. Und sie haben von klein auf mitgeholfen. „Seitdem ich 14 Jahre alt bin, habe ich Brot gebacken. Das habe ich von meiner Oma gelernt“, sagt Tobias Lorenz. Diese Aufgabe übernimmt der 33-Jährige auch weiterhin. Das Bauernbrot aus dem Holzofen ist eines der Markenzeichen des Hanweiler Besens, ebenso wie die selbstgemachten Maultaschen und der Rostbraten, den es nur montags gibt. „Dafür sind wir bekannt“, sagt Andreas, Andi, Lorenz, der für Werbung, Social Media und für Schnitzel zuständig ist, die sonntags auf der Speisekarte stehen.
Im Hanweiler Besen geht es bei leckeren Speisen und dem Wein der Familie Lorenz gemütlich zu. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv
„Das mit den Rostbraten haben unser Opa und unser Vater schon eingeführt“, so Tobias, Tobi, Lorenz, der im normalen Leben als Softwareentwickler arbeitet und im Besen neben dem Brot auch noch für die Einkäufe, die Kalkulation und die Maultaschen verantwortlich ist. Die nächste Generation im Hanweiler Besen steht zum Markenzeichen und hat beim ersten Anlauf im Vorjahr eine neue Variante eingeführt – einen gemischten Salat mit Rostbratenstreifen, den sie auch vom 13. März bis zum 13. April wieder anbieten.
Erfolgreicher Neustart des Hanweiler-Besens durch Krankheit abrupt gestoppt
Für die Lorenz-Geschwister ist es der zweite Anlauf. Bereits im vergangenen Frühjahr hatten sie in Eigenregie den Hanweiler-Besen geöffnet – mit großem Erfolg. Die Stammgäste strömten in Scharen, und auch viele neue Besucherinnen und Besucher genossen das urige Ambiente in der Stube und saßen bei schönem Wetter auf der Terrasse. Gastgeber und Gäste waren glücklich und zufrieden, und auch die Bilanz stimmte. Die nächste Lorenz-Generation war entschlossen, auch den Herbst-Besen durchzuziehen. Doch drei Wochen vor der geplanten Eröffnung wurden sie jäh ausgebremst. Ein Krankheitsfall in der Familie erforderte alle Kräfte und beendete, zumindest vorerst, die Besen-Pläne der Lorenz-Geschwister.
Die Zwangspause ist beendet, und sie haben sie gut genutzt. Benjamin, genannt Benni, der bisher im Messebau gearbeitet hat, ist mittlerweile als Winzergehilfe im elterlichen Betrieb angestellt. Der 26-Jährige hat sich an der Abendschule Backnang zur Ausbildung angemeldet. Nach zwei Jahren wird er den Abschluss „Nebenerwerbswinzer“ haben. Praktische Erfahrungen hat der angehende Wengerter durch die Mitarbeit im Familienweingut schon lange gesammelt und auch die erste Weinlese auf der rund 1 Hektar großen Rebfläche bereits hinter sich – mit Unterstützung seiner Geschwister und mit „bombastischen Zuckerwerten von 80 Grad Oechsle beim Trollinger und 95 Grad Oechsle beim Kerner“.
Im Hanweiler-Besen werden noch immer in guter alter Tradition klassische schwäbische Gerichte aufgetischt, aber die nächste Generation hat die Speisekarte um Salat und Nachtisch erweitert. „Wir wollen auch was einfaches Vegetarisches anbieten, beispielsweise Kässpätzle“, sagt Benni Lorenz. Und möglichst vieles von dem, was sie auftischen, wollen sie selbst produzieren, wie Salz- und Zwiebelkuchen, Salz- und Siedfleisch – und auch die Spätzle.
Eine weitere Tradition wollen die Lorenz-Geschwister ebenfalls aufrecht erhalten und in diesem Jahr auch ein Sommerfest ausrichten. Vom 7. bis zum 10. August soll rund um den Besen gefeiert werden – etwas kleiner wird es sein als früher und mit Musik, die auch einem jüngeren Publikum gefällt. Dann will sich auch der älteste Bruder, Veranstaltungstechniker Joachim, 35 Jahre, in die familiäre Besentradition einbringen. Danach ist ein Herbstbesen und auch ein Glühweinfest geplant. Die Geschwister-Bande vom Weingut Lorenz steht zusammen, um das Erbe ihrer Großeltern und Eltern fortzuführen.
Weitere Informationen unter: www.hanweiler-besen.de