Geständnis im Missbrauchsfall Staufen „Ich habe dem Jungen großes Leid zugefügt“

Von red/dpa 

Er nannte sich „Onkel Luc“ und sagte, er sei Kinderarzt. Er wollte Gewalt und Sex mit Kindern: Ein Spanier steht in Freiburg vor Gericht. Er soll mehrfach ein Kind vergewaltigt und dafür Geld gezahlt haben. Zum Missbrauch kam er mit Flugzeug und Mietwagen.

Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Mann sitzt in Handschellen im Gerichtssaal neben seiner Verteidigerin Mona Hammerschmidt (links) und hält einen Aktendeckel vor sein Gesicht. Foto: dpa
Der wegen Kindesmissbrauchs angeklagte Mann sitzt in Handschellen im Gerichtssaal neben seiner Verteidigerin Mona Hammerschmidt (links) und hält einen Aktendeckel vor sein Gesicht. Foto: dpa

Freiburg - Der Mann, der einem Kind nach eigenem Bekunden großes Leid zugefügt hat, verbirgt sein Gesicht hinter einer Aktenmappe. Er will nicht erkannt werden, wenn Kamerateams und Fotografen ihm im Gerichtssaal gegenüberstehen. Es ist der siebte und damit letzte Prozess im Missbrauchsfall Staufen bei Freiburg. Angeklagt ist ein 33 Jahre alter Mann aus Spanien. Zum Prozessauftakt am Donnerstag legt er ein Geständnis ab. Und spricht von seiner „dunklen Seite“. Er habe sexuelles Interesse an Kindern.

Mehr als ein halbes Jahr nach Bekanntwerden des Missbrauchsfalls ist der 33 Jahre alte Mann aus der Nähe von Barcelona der vorerst letzte von insgesamt acht Angeklagten. Fünf Männer standen bislang jeweils einzeln vor Gericht und wurden verurteilt. Die Urteile sind aber noch nicht rechtskräftig.

Als Kinderarzt ausgegeben

Gegen die Mutter des Kindes und ihren Lebensgefährten, beides Deutsche, wird derzeit gemeinsam verhandelt. Die Frau (48) und ihr wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestrafter Lebensgefährte (39) haben gestanden, den damals in Staufen bei Freiburg lebenden und heute zehn Jahre alten Jungen mehr als zwei Jahre lang im Darknet angeboten und Männern aus dem In- und Ausland gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben.

Der Mann aus Spanien war einer dieser Männer. Laut Anklage verging er sich am häufigsten an dem Jungen. Zudem war er es, der am meisten Geld bezahlte. Mehr als 10 000 Euro sollen es gewesen sein. Hinzu kamen Kosten für Reisen und Übernachtungen. 20 000 bis 30 000 Euro habe er investiert, sagt er vor Gericht. Um seine Identität zu verbergen und Zugang zu Kindern und deren Eltern zu bekommen, habe er sich als in Belgien lebender, italienischer Kinderarzt ausgegeben. In Wirklichkeit arbeitete er in Spanien bei einer Futtermittelfirma.

Es kam mehrfach zu Übergriffen

Laut Anklage reiste der alleinstehende Mann, der sich „Onkel Luc“ nannte, von Anfang September 2016 bis August 2017 mehrmals von Barcelona aus per Flugzeug und Mietwagen ins mehr als 1000 Kilometer entfernte südliche Baden-Württemberg, um sich an dem Jungen zu vergehen. Für die Taten mietete er laut Anklage jeweils für ein ganzes Wochenende Ferienwohnungen in Kippenheim und Ringsheim nördlich von Freiburg. In diese zog er für mehrere Tage gemeinsam mit dem Kind, dessen Mutter und deren Lebensgefährten ein - es kam mehrfach zu Übergriffen. Alle drei Erwachsenen beteiligten sich.

Staatsanwältin Nikola Novak berichtet von Gewaltexzessen, die der Junge tagelang über sich ergehen lassen musste. Der Junge sei erniedrigt, beleidigt, gedemütigt, geschlagen, gefesselt, maskiert und sexuell misshandelt worden. Er habe „heftige Schmerzen“ gehabt, sei „verängstigt und eingeschüchtert“ gewesen. Abwehrhandlungen seien „mit einfacher körperlicher Gewalt“ unterbunden worden. Der Junge habe sichtbar „Ekel und Schmerz“ verspürt. Die Taten wurden gefilmt.

„Schwere Straftaten begangen“

„Mit ist bewusst, dass ich schwere Straftaten begangen und dem Jungen großes Leid zugefügt habe“, sagt der Spanier, der sich im Gegensatz zu anderen Angeklagten öffentlich äußert. Auf einen Antrag zur Ausschluss der Öffentlichkeit verzichtet er.

Er wisse, dass das Kind sein Leben lang darunter leiden werde. „Ich werde dafür lange büßen“, sagt der 33-Jährige. Sein Wunsch sei es, eine Therapie machen zu können. Er habe sexuelles Verlangen nach Kindern. „Peitschen und Schlagen“ seien seine Fantasien - auch mit Blick auf den Jungen in Staufen.

Für die Mutter des Kindes sei es vor allem ein finanzieller Anreiz gewesen, sagte der Chefermittler in einem früheren Prozess vor Gericht. Das Geld habe der aus einem sozial schwierigen Umfeld stammenden Frau dazu gedient, den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Der Prozess gegen ihn wird fortgesetzt

So wollte der Spanier bei Staufen ein Haus kaufen und das Paar sowie das Kind dort kostenfrei wohnen lassen. Im Gegenzug sollte er jederzeit Zugriff auf das Kind haben. Dies sei so fest vereinbart gewesen, räumt der Mann ein. Er habe hierfür Häuser und Wohnungen besichtigt. Doch am 19. Oktober 2017 nahm ihn die spanische Polizei fest, am 14. Dezember 2017 wurde er an Deutschland ausgeliefert. Dort sitzt er seither in Untersuchungshaft.

Der Prozess gegen ihn wird fortgesetzt. Die Staatsanwaltschaft will, wie zuvor bei anderen Angeklagten auch, eine langjährige Haftstrafe und anschließende Sicherungsverwahrung erreichen. Ein Urteil soll es Anfang August geben (Az.: 6 KLs 160 Js 32949/17 AK 5/18).