Gesundheit Ausländische Patienten bringen Gewinn

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Das Klinikum der Stadt Stuttgart hat die Anwerbung von Osteuropäern und Arabern professionalisiert.  Ausländische Patienten sind lukrativ.

Othmann al-Hendi aus Kuwait (Zweiter v. r.) hat schon 2004 eine Augenverletzung in Stuttgart behandeln lassen – und ist offenbar zufrieden gewesen. Jedenfalls sind ihm zahlreiche Nachahmer aus Arabien zur Behandlung in Stuttgarter Kliniken gefolgt. Quelle: Unbekannt
Othmann al-Hendi aus Kuwait (Zweiter v. r.) hat schon 2004 eine Augenverletzung in Stuttgart behandeln lassen – und ist offenbar zufrieden gewesen. Jedenfalls sind ihm zahlreiche Nachahmer aus Arabien zur Behandlung in Stuttgarter Kliniken gefolgt. Quelle: Unbekannt

Stuttgart - Ausländische Patienten sind für das städtische Klinikum ein gutes Geschäft. Seit sechs Jahren wirbt das Klinikum gezielt um die Gunst von Arabern und Osteuropäern, um das Defizit abzubauen. Dafür zuständig ist eine International Unit mit drei Stellen, deren Mitarbeiter auf Messen in Dubai, Oman und Kasachstan über die Leistungen des Stuttgarter Klinikums informieren. Die Bemühungen fruchten: Die Zahl der ausländischen Patienten ist von 100 im Jahr 2005 auf 1200 im Jahr 2010 gestiegen - bei 80.000 stationären Patienten insgesamt. Lukrativ sind ausländische Patienten, weil sie ihre Behandlung selbst bezahlen oder Staaten und Firmen für die Kosten aufkommen.

Für das Klinikum sind dies wertvolle Einnahmen, die außerhalb des regulären Budgets liegen. Mittlerweile erzielt das Klinikum mit den Kranken aus dem Ausland 5,5 Millionen Euro Umsatz, als Gewinn verbleiben dem städtischen Eigenbetrieb etwa 1,6 Millionen. Bei einem Defizit, das 2009 noch bei 8,9 Millionen Euro lag, ist das ein durchaus nennenswerter Betrag.

Kulturelle Unterschiede im Klinikalltag sind tückisch

Beifall bekommt die Geschäftsführung deshalb selbst vom Personalrat. "Jeder Euro, den die Klinik zusätzlich verdient, nimmt Druck von den Beschäftigten", sagt der Personalratsvorsitzende Jürgen Lux, der allerdings hinzufügt, es wäre ihm lieber, wenn die Einnahmen aus dem deutschen Gesundheitssystem kämen. Klar ist für ihn, dass die kulturellen Unterschiede im Klinikalltag ihre Tücken haben.

So kann es schon mal vorkommen, dass eine Araberin nicht von einem Mann untersucht werden will. Oder dass sich die Krankenpfleger über die große Entourage wundern, die mit dem Patienten angereist ist und im Krankenzimmer ausharrt. Für Andreas Braun, den Chef der International Unit, gehören derlei Episoden dazu: "Man muss den Menschen nur freundlich die hiesigen Regeln erklären." Vieles lasse sich dann auch auf dem kleinen Dienstweg regeln, wie beispielsweise das Wegschaffen der Wodkaflaschen vom Krankenbett. "In den russischen Krankenhäusern herrschen eben andere Gepflogenheiten als in Deutschland", sagt Braun.

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