Gesundheit im Alltag Was Sie schon immer über Hygiene wissen wollten

Desinfektionsmittel sind im Haushalt meistens unnötig. Gründlich putzen genügt. Foto: akf-stock.adobe.com

Wieviel Schutz vor Keimen ist sinnvoll – und was ist unnötig oder sogar schädlich? Zum Abschluss unserer Serie über Keime in Stuttgart geben wir praktische Tipps für die Hygiene im Alltag.

Wissen/Gesundheit: Werner Ludwig (lud)

Stuttgart - Wo leben besonders viele Mikroben, welche können dem Menschen gefährlich werden, und wie kann man sich und andere vor Infektionen schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

 

Wo kommen in unserer Umgebung überall Keime vor? Mikroorganismen wie Bakterien und Pilze sind allgegenwärtig. Sie leben zum Beispiel im Boden und sind auch auf fast allen Oberflächen zu finden. Unsere Haut ist ebenfalls von Bakterien besiedelt. Zur normalen Hautflora gehört etwa die Art Staphylococcus epidermidis. Diese kugelförmigen Bakterien sind unschädlich. Sie können sogar unsere Haut vor der Besiedelung mit pathogenen, also Krankheiten auslösenden Keimen schützen. Auf der Haut leben zudem Mikroorganismen, die dort nur vorübergehend zu Gast sind und für gesunde Menschen meist keine Gefahr darstellen.

Wann können an sich harmlose Keime gefährlich werden? Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können manche der auf der Haut lebenden Bakterien Infektionen verursachen – etwa wenn es ihnen gelingt, durch eine Wunde in den Körper einzudringen. Besonders gefährlich sind multiresistente Keime, gegen die die gängigen Antibiotika nicht mehr wirken. In diese Kategorie gehört zum Beispiel die weit verbreitete Bakterienart Staphylococcus aureus. Resistente Keime führen in Krankenhäusern immer wieder zu Infektionen und Todesfällen. Ein erhöhtes Infektionsrisiko haben Patienten, die medizinische Gerätschaften im Körper tragen – etwa einen Blasenkatheter. Auch größere Wunden erhöhen das Risiko. In Krankenhäusern ist Hygiene deshalb viel wichtiger als im normalen Alltag. So ist es hier durchaus wichtig, dass sich Pflegekräfte und Ärzte nach jedem Patientenkontakt die Hände desinfizieren.

Wo tummeln sich die meisten Keime? Besonders wohl fühlen sich Mikroben dort, wo es feucht ist und genügend organische Stoffe als Nahrung zur Verfügung stehen. Im Haushalt ist das vor allem in Küche und Bad der Fall. In Küchenschwämmen, die nach Gebrauch längere Zeit herumliegen, werden oft rekordverdächtige Keimzahlen gefunden. Ähnliches gilt für schlecht gereinigte Toiletten. Oder auch für Hand- und Geschirrtücher, die längere Zeit nicht gewaschen werden. Von den Keimen, die dort wachsen, wird man normalerweise nicht krank, aber schon wegen des Geruchs empfiehlt es sich, Schwämme und Tücher regelmäßig auszutauschen.

Wie sinnvoll sind Desinfektionsmittel im Haushalt? Anders als in medizinischen Einrichtungen sind Desinfektionsmittel im eigenen Haushalt meist überflüssig. Sie enthalten teilweise Stoffe, die nicht nur den Mikroorganismen, sondern auch Körper und Umwelt schaden können. Je nach Empfindlichkeit können die Mittel zum Beispiel Allergien oder Ekzeme auslösen. Bei falscher Dosierung sind auch Vergiftungen möglich. Gelangen Desinfektionsmittel in großen Mengen ins Abwasser, können sie auch nützliche Wasserorganismen schädigen.

Wie heiß sollte man waschen? Spüllappen und Putztücher sowie Handtücher, Waschlappen, Bettwäsche und Unterwäsche sollten aus hygienischen Gründen bei mindestens 60 Grad mit einem bleichmittelhaltigen Vollwaschmittel gewaschen werden, rät die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Für normale Oberbekleidung seien in der Regel niedrigere Temperaturen ausreichend. Zusätzliche Hygienespüler kann man sich sparen.

Was ist an der Fünf-Sekunden-Regel dran? Die Regel besagt, dass etwa ein Butterbrot, das vom Tisch fällt und weniger als fünf Sekunden auf dem Fußboden liegt, nicht mit Keimen belastet wird. Doch das ist nach Angaben des Landesgesundheitsamts Baden-Württemberg nicht der Fall. Wenn am Boden Keime vorhanden sind, haften diese ohne Verzögerung an dem heruntergefallenen Lebensmittel. Solange darunter keine Krankheitserreger sind, ist das kein Problem. Wer sichergehen will, sollte solche Nahrungsmittel wegwerfen oder gründlich abwaschen.

Wie werden Keime übertragen? Auf der Haut lebende Bakterien können per Händedruck von einem Menschen zum anderen weitergegeben werden. Zudem können sie an Oberflächen anhaften. Viele Infektionskrankheiten werden durch Körperflüssigkeiten wie Blut oder Schleimhautsekrete übertragen. Eine andere Möglichkeit sind verunreinigte Nahrungsmittel. Erkältungserreger werden vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen, können aber auch an der Hand haften bleiben. Um ihre Mitmenschen zu schützen, sollten Kranke in die Armbeuge niesen und gegebenenfalls auf den Händedruck verzichten.

Wie sieht es mit Virusinfektionen aus? Im Gegensatz zu Bakterien können viele Viren – so auch der Influenza-Erreger – nur kurze Zeit außerhalb des menschlichen Körpers überleben. Es gibt aber auch Ausnahmen wie zum Beispiel das Norovirus, das sich unter anderem auf Türgriffen oder Toilettensitzen halten kann. Es löst eine schwere Durchfallerkrankung aus. Kranke scheiden das Virus auch noch nach dem Abklingen der Symptome mit dem Stuhl aus. Auch ein Händedruck kann zur Infektion führen, wenn man sich anschließend etwa in den Mund fasst. Eine Handdesinfektion kann in solchen Fällen die Ansteckungsgefahr verringern.

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