Gesundheit im Kreis Ludwigsburg Bietigheim und Ludwigsburg – Zukunftsvision für die Krankenhaus-Gebäude

Das Hochhaus des Ludwigsburger Krankenhauses ist sanierungsbedürftig. Doch wie lässt sich auf dem Areal neu bauen, ohne die Gesundheitsversorgung zu gefährden? Foto: Simon Granville

Die Kliniken im Landkreis brauchen eine Generalsanierung – die ist aber teuer. Im Hintergrund laufen bereits Planungen. Vieles deutet auf einen Neubeginn für die Krankenhäuser hin.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Der neue Chef der Regionalen Kliniken Holding (RKH), Marc Nickel, hat vergangene Woche im Kreistag skizziert, wie er die Krankenhäuser aus dem jährlichen Defizit von fast 50 Millionen Euro führen will. Er setzt auf transparente Kommunikation, die Einbindung der Mitarbeitenden – aber auch auf Marktanteile, Wachstum und das Heben von Potenzialen. Ein Thema streifte Nickel allerdings nur am Rande: die langfristige bauliche Zukunft der sanierungsbedürftigen Krankenhäuser in Bietigheim und Ludwigsburg.

 

Dabei zeigen Recherchen dieser Zeitung, dass es hinter den Kulissen längst konkret Überlegungen gibt, wie der Landkreis wieder zu modernen Klinikbauten kommen könnte. Eine Sanierung gilt als zu teuer, eine Zentralklinik als politisch kaum durchsetzbar – bleibt Plan C, der fast zu gut klingt um wahr zu sein. Eine Analyse in vier Erkenntnissen.

Erkenntnis 1: Die alten Gebäude verschlingen Geld

Zu Beginn lohnt ein genauer Blick auf die bestehenden Krankenhäuser in Bietigheim und Ludwigsburg. Große Teile der Gebäude stammen aus den späten 1960er und frühen 1970er Jahren – eine enorme Belastung für die größte Krankenhausgruppe des Landes. Laut aktuellem Investitionsprogramm muss die RKH rund 50 Millionen Euro in vergleichsweise kleine Sanierungen an beiden Standorten stecken, allein um den Betrieb aufrechtzuerhalten.

Das sind notwendige Maßnahmen, keine Frage. Doch mehrere Gesprächspartner sprechen übereinstimmend von einem Fass ohne Boden. Die punktuellen Sanierungen verschlingen viel Geld, ohne eine langfristige Perspektive zu eröffnen. Klar ist: Entweder es kommt zu einer Generalsanierung – oder zu einem Neubau.

Erkenntnis 2: Zentralklinik wurde begraben

Nickels Vorgänger Jörg Martin hatte deshalb die Idee einer modernen Zentralklinik vorangetrieben, eine entsprechende Studie wurde beauftragt. In einem Neubau irgendwo im Landkreis sollten die Angebote der Kliniken Ludwigsburg, Bietigheim und Markgröningen gebündelt werden: kurze Wege, weniger Doppelstrukturen, moderne Geräte. Auch Landrat Dietmar Allgaier zeigte sich damals offen für den Ansatz.

Doch die Idee stieß von Beginn an auf Widerstand. Die Oberbürgermeister von Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen stellten sich gegen das Projekt. Als sich der Aufsichtsrat schließlich von Jörg Martin trennte, rückte die Zentralklinik zunächst in den Hintergrund.

Marc Nickel deutet an: Eine Generalsanierung ist organisatorisch und finanziell kaum vorstellbar. Foto: Gottfried Stoppel

Mitte 2025 folgte der Todesstoß für die Idee, für einige überraschend. Die RKH informierte per Pressemitteilung, dass sich die Drei-Standorte-Strategie verfestigt habe und die Zentralklinik vom Tisch sei.

Brisant: Nach neuesten Informationen erfolgte diese Veröffentlichung ohne vorherige Abstimmung mit dem Aufsichtsrat – und bevor alle Untersuchungsergebnisse zur Zentralklinik vorlagen. Ein Aufsichtsrat sagt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass er sich ein anderes Vorgehen gewünscht hätte. Denn damit war der Geist aus der Flasche, eine Rückkehr zur Idee der Zentralklinik gilt als so gut wie ausgeschlossen.

Erkenntnis 3: Zentralklinik nein, Neubau ja

Marc Nickel und mehrere Aufsichtsräte beteuern, dass alle möglichen Varianten zur Modernisierung der Krankenhäuser geprüft werden. Wer genau hinschaut, kommt jedoch zu einer klaren Schlussfolgerung: Eine Generalsanierung scheint unwahrscheinlich, ohne Neubauten wird es nicht gehen.

Das steht sogar schwarz auf weiß in der Kreistagsvorlage der RKH-Geschäftsführung. Eine Generalsanierung sei „gar nicht oder nur unter erheblichen Einschränkungen“ für die Gesundheitsversorgung umsetzbar. Nickel erklärt im Gespräch mit dieser Zeitung, eine solche Sanierung bedeute einen „tiefgehenden Eingriff ins Gebäude“. Ganze Trakte müssten geschlossen, Patienten und Angebote verlagert werden. Das sei organisatorisch extrem aufwendig – und vor allem ein massiver Kostentreiber.

Erkenntnis 4: Plan C hat einen besonderen Kniff

Die Zwischenbilanz zeigt: Landrat und RKH halten an drei Standorten fest, eine Zentralklinik ist politisch nicht gewollt, soll sich aber wohl auch wirtschaftlich nicht lohnen. Eine Sanierung ist zu teuer und geht auf Kosten der Patientenversorgung. Gleichzeitig lassen sich die bestehenden Klinikareale in Ludwigsburg und Bietigheim nicht ohne Weiteres erweitern oder komplett neu ordnen. Nickel betont, die langfristige Lösung müsse sowohl „betriebswirtschaftlich als auch politisch“ tragfähig sein.

Was also tun? Nach Recherchen dieser Zeitung kristallisiert sich eine Variante heraus, die für viele Verantwortliche als Wunschlösung gilt. Demnach hat die Stadt Bietigheim-Bissingen signalisiert, dass sie über geeignete Grundstücke im Stadtgebiet für einen Klinikneubau verfügt. Ludwigsburg sucht laut einer Quelle ebenfalls im Stadtgebiet nach möglichen Grundstücken für einen Neubau. In der Barockstadt könnte die RKH aber auch auf dem aktuellen Gelände abreißen und neu bauen.

Der Kniff, um den Knoten zu zerschlagen: Zieht die Bietigheimer Klinik in ihren Neubau um, würden die alten Gebäude frei. Dort könnten vorübergehend Stationen aus Ludwigsburg untergebracht werden, während am dortigen Standort alte Gebäudeteile abgerissen und neu errichtet werden.

Noch ist das alles Theorie. Die Ergebnisse einer Zukunftsstudie für die RKH-Kliniken Ludwigsburg und Bietigheim werden Anfang kommenden Jahres erwartet. Ob sie den erhofften Neustart der Gesundheitsversorgung im Landkreis untermauern, ist offen – die Richtung allerdings zeichnet sich bereits ab.

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