Gesundheit in Stuttgart Klinikum gibt Bürgerhospital schon 2015 auf

Das Bürgerhospital an der Tunzhoferstraße soll geräumt werden. Foto: ddp
Das Bürgerhospital an der Tunzhoferstraße soll geräumt werden. Foto: ddp

Millionenschwere Einsparungen verspricht sich die Stadt von einer frühzeitigen Verlagerung der Klinik – in einen Interimsbau in der City sowie nach Bad Cannstatt.

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Stuttgart - Die Vertreter des Stuttgarter Klinikums und der Bürgermeister Werner Wölfle (Grüne) haben am Freitag dem Krankenhausausschuss des Gemeinderats vorgeschlagen, das Bürgerhospital an der Tunzhoferstraße schon lange vor der Fertigstellung des zentralen Neubaus beim Katharinenhospital 2022 zu räumen. Man wolle sich bereits von 2015 an auf zwei Standorte (S-Mitte und Bad Cannstatt) reduzieren. Das spare drei bis fünf Millionen Euro Investitionen für den kurzen Zeitraum, den das Bürgerhospital noch benötigt wird.

Die Verwaltung plant für die medizinischen Bereiche des Bürgerhospitals eine auf 18,9 Millionen Euro veranschlagte Interimslösung an der Kriegsbergstraße. Das Klinikum soll am 14. Dezember ermächtigt werden, einen Baubeschluss für einen fünfstöckigen Modulbau vorzubereiten. Eine Mehrheit zeichnet sich nach den Meinungsäußerungen der Ausschusssprecher der Fraktionen auch für die notwendigen Planungen für das Krankenhaus Bad Cannstatt und die Unterbringungen von nichtmedizinischen Bereichen ab; dazu zählen der zentrale Schreibdienst, die wissenschaftliche Bibliothek des Katharinenhospitals, Einzelbüros, Personalwohnungen und eine Kita.

Grüne und SPD signalisieren Zustimmung

Es sei „grundsätzlich richtig, in den Prozess einzugreifen“, um die Wirtschaftlichkeit der Maßnahme und die Zeitpläne zu optimieren“, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Silvia Fischer über das Vorhaben ihres Parteifreundes Wölfle. Die SPD, so Sprecherin Maria Hackl, habe als erste die Sorgen der Bürgerhospitalbelegschaft erkannt, der schleichende Auszug medizinischer Bereiche wie die Frauenklinik (von Ende 2013 an) führe zu einer „Verkümmerung“ des Hauses; die SPD hatte im Juli einen Antrag formuliert , in dem sie die Interimslösung forderte.

Ein fünfstöckiges Modul auf dem von 2022 an dann als Grünfuge vorgesehenen Gelände – als Aufsatz auf der Strahlentherapie gedacht – habe ihre Fraktion zunächst erschreckt, räumte Grünen-Chefin Fischer ein. Ihre Fraktion tröste sich aber damit, dass dort ansonsten die Baustellenlogistik mit Kränen und Containern untergebracht worden wäre.

Ins Krankenhaus Bad Cannstatt werden nach dem Auszug der Frauenklinik die Klinik für Geriatrie und Diabetologie sowie Teilbereiche der Physiotherapie verlagert. „Der Weg ist richtig“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Alexander Kotz. Er teilt die optimistische Haltung der Verwaltung, in Bad Cannstatt entstehe „ein hochwertiges und attraktives Zentrum für Altersmedizin mit vielfachen, medizinisch sinnvollen Vernetzungen“. Dies entspreche der demografischen Entwicklung der Bevölkerung. Dazu passe die Orientierung der Orthopädie und Unfallmedizin in Cannstatt in Richtung Gelenkersatz bei Älteren, Operationen bei rheumatischen Erkrankungen und Alterstraumatologie.

Keine Nachteile für Schlaganfallpatienten mehr

Vom Bürgerhospital in den Interimsbau werden verlegt: die Kliniken für Neurologie, Onkologie und Psychosomatik sowie die Palliativstation und Teile der Physiotherapie und Bereiche der Radiologie. Gerade für Schlaganfallpatienten in kritischen Situationen sei die Distanz zwischen Bürger- und Katharinenhospital von Nachteil, heißt es in der Vorlage. Künftig könne das Alleinstellungsmerkmal des Klinikums (Neurozentrum inklusive Neuradiologisches Institut) „endlich richtig greifen“. Außerdem gelte es, die Medizinische Klinik 1 mit Schwerpunkt Hämatologie/Onkologie, die onkologische Tagesklinik und die Palliativstation mit der Onkologie im Katharinenhospital zusammenzuführen.

Der 72 mal 19 Meter umfassende Modulbau soll 2014 erstellt sowie ausgebaut und 2015 bezogen werden. In vollem Umfang wird er aber nur bis 2017/2018 benötigt, danach bis zum Erdgeschoss zurück- und 2022 komplett abgebaut. Die vorzeitige Konzentration auf zwei Standorte rechne sich für das Klinikum, hieß es in der Sitzung. Von den 18,9 Millionen Euro Baukosten sollen 23 Prozent durch die Veräußerung zurückfließen. Zudem ließen sich durch die Aufgabe des Bürgerhospitals zwischen 2015 und 2022 rund 36 Millionen Euro sparen. Man erreiche so eine positive Effizienzrendite von 18 Millionen Euro; inklusive der gesparten Sanierung des Bürgerhospitals komme man sogar auf bis zu 23,3 Millionen Euro. Außerdem stehe das Gelände sieben Jahre früher als geplant für eine Verwertung zur Verfügung.




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