Gesundheitsamt legt Pandemiebericht vor Was während Corona in Böblingen gut lief und was nicht
Vor fast genau fünf Jahren wurde Corona zur Pandemie erklärt. Die Krise erwischte den Kreis Böblingen kalt. 544 Tote sind zu beklagen.
Vor fast genau fünf Jahren wurde Corona zur Pandemie erklärt. Die Krise erwischte den Kreis Böblingen kalt. 544 Tote sind zu beklagen.
Am 29. Februar 2020 berichtete die Kreiszeitung Böblinger Bote vom ersten bestätigten Corona-Fall im Landkreis Böblingen. Kurz darauf – am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Covid-19 zur Pandemie. Bis 2023 verzeichnete das Gesundheitsamt im Kreis Böblingen circa 185 000 Infizierte und 544 Personen, die mit und an Corona verstorben sind. Nun – fünf Jahre nach Ausbruch der Pandemie – hat das Gesundheitsamt unter der Leitung von Anna Leher einen Pandemiebericht erstellt und Bilanz gezogen.
Die weltweite Pandemie traf das Böblinger Gesundheitsamt im Jahr 2020 mit voller Wucht: Landrat Roland Bernhard erinnert in der Sitzung des Sozial- und Gesundheitsausschusses am Montagnachmittag daran, dass das Gesundheitsamt genau zu dieser Zeit komplett ohne Führung war: Es fehlte sowohl ein Leiter als auch ein stellvertretender Leiter. Kurzerhand setzte der Landrat damals Wilhelm Hornauer vom Veterinärdienst interimsweise als Leiter ein. Auch von Digitalisierung war damals in dem Amt noch keine Rede: „Die ersten gemeldeten Fälle kamen damals noch per Fax“, erklärt Anna Leher. Test- und Impfzentren wurden aus dem Boden gestampft, Pflegeheime flächendeckend getestet. „Da haben wir nicht viel nachgefragt, sondern einfach gehandelt“, sagt Landrat Bernhard.
Um auf zukünftige Krisensituationen besser vorbereitet zu sein, hat die jetzige Leiterin des Gesundheitsamtes, Anna Leher, einen Pandemiebericht erstellt. Ziel sei es gewesen, für zukünftige Krisen fit zu sein, um zu verhindern, dass ein solches Szenario das Amt wieder derartig kalt erwische. „Wir müssen agil und schnell handeln können, weil wir immer mehr in die Rolle eines Krisenmanagers rutschen“, sagt auch Landrat Bernhard.
Im Pandemiebericht selbst finden sich unter anderem Dokumentationen aus dem Gesundheitsamt, Personalamt und der Zentralstelle. Eingang gefunden haben darüber hinaus Gespräche mit Beteiligten und eine Mitarbeiterbefragung. Digitalisierung, Alten- und Pflegeheime, die Kommunikation nach außen – all diese Themen und viele mehr wurden in den Bericht aufgenommen. Alle sechs Wellen der Corona-Pandemie sind im Detail protokolliert. Um derartige Krisen erfolgreich zu bewältigen, seien unter anderem klare Zuständigkeiten, ein langfristiges Personalkonzept und regelmäßige Schulungen der Mitarbeitenden notwendig, resümiert Anna Leher.
Ein Papiertiger soll der Pandemiebericht nicht werden: Einige Dinge daraus wurden bereits umgesetzt. So haben zwei Übungen stattgefunden, ein Krisenstab wurde gebildet sowie ein Team, das sich mit der Krisenvorbereitung beschäftigt. Außerdem befindet sich ein Krisenmanagementplan in der Mache, der Checklisten und dergleichen enthält. Dass die Pläne nicht in Schubladen verstauben sollen, betont auch Dorothee Kadauke (Freie Wähler) während der Sitzung. Wenn länger nichts passiere, würden solche Pläne schnell in Vergessenheit geraten.
Der Bericht beschreibt ebenfalls Dinge, die nicht gut gelaufen sind: So beispielsweise die Kommunikation zwischen Bund und Ländern mit den Gesundheitsämtern. Zu oft wurden Regeln kurzfristig geändert und zeitgleich an Presse und die Gesundheitsämter übermittelt, was laut Anna Leher eine Überforderung der Mitarbeitenden zur Folge hatte. Wichtig sei in Zukunft außerdem, den Fokus auf die Ziele der Pandemiebekämpfung im Maßnahmen-Dschungel nicht aus dem Blick zu verlieren, steht im Fazit des Pandemieberichts. Die Hauptziele seien der Schutz der Risikogruppen und die Vermeidung einer Überlastung der Krankenhäuser gewesen. Nicht alle Maßnahmen seien auf diese Ziele ausgerichtet gewesen.
Der Pandemiebericht ist laut Thomas Wagner, Dezernent für den Bereich Verkehr und Ordnung, in den das Gesundheitsamt fällt, einmalig in ganz Baden-Württemberg. Auch aus den Reihen der Ausschussmitglieder kam größtenteils Zuspruch für den Bericht: „Wir waren logistisch auf die Pandemie nicht vorbereitet“, sagt Günther Wöhler (SPD+Linke). In diesen Berichten solle es trotzdem nicht darum gehen, nun die „Schuldigen“ an den Pranger zu stellen, sondern darauf, welche Strukturen für die Zukunft nötig sind, um besser mit derartigen Krisensituationen umzugehen.
Verlauf
Am 11. März 2020 hat die WHO das COVID-19 zur Pandemie erklärt. Ab dem Jahr 2023 ging die Pandemie dann langsam in ein endemisches Geschehen über. In den Jahren 2020, 2021 und 2022 registrierte das Robert-Koch-Institut (RKI) für Deutschland mehr als 37 Millionen bestätigte Infektionen, rund 161 500 Menschen starben in Verbindung mit dem Virus.
Testen und Impfen
Laut RKI waren bereits Ende 2020 die ersten Impfstoffe gegen das Virus verfügbar. 2021 und 2022 fanden dann Massenimpfungen statt.