Klinikum Ludwigsburg High-Tech-Laser hilft bei Männerleiden
Die Prostata vieler älterer Männer ist gutartig vergrößert. Das Klinikum Ludwigsburg hat ein neuartiges Gerät für die Behandlung gekauft.
Die Prostata vieler älterer Männer ist gutartig vergrößert. Das Klinikum Ludwigsburg hat ein neuartiges Gerät für die Behandlung gekauft.
„Eine vergrößerte Prostata betrifft jeden einmal, das ist eine typische Männerkrankheit. Selten schon ab 50 Jahren, die meisten Patienten sind 60 bis 70 Jahre alt. Je älter wir als Volk werden, desto höher ist dafür die Wahrscheinlichkeit“, sagt der in Ludwigsburg praktizierende Oberarzt für Urologie, Adrian Ghitulescu. Folge dieser gutartigen Prostata-Vergrößerung – davon spricht man ab einer Größe von 70 Kubikzentimetern gegenüber dem Normalwert von rund 30 – sind ein nachlassender Harnstrahldruck und häufiges Wasserlassen, gerade in der Nacht.
Einst musste eine vergrößerte Prostata offen über die Blase operiert werden. Das ist längst anders, zum Einsatz kommt heutzutage ein Laser. Und das Klinikum in Ludwigsburg kaufte zu Jahresbeginn europaweit als erstes ein neues Modell, das der Hersteller als „echten Meilenstein in der Lasertechnologie“ anpreist. Weltweit war nur ein Käufer in Dubai schneller.
Mit der Neuanschaffung, die im niedrigen sechsstelligen Preissegment liegt, fängt die Regionale Kliniken Holding (RKH) als Betreiber des Krankenhauses zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn der sogenannte Thulium-Faserlaser ersetzt nicht nur den bisherigen Laser für Prostatabehandlungen. Er kann – anders als sein zwölf Jahre altes Vorgängermodell – zusätzlich dafür eingesetzt werden, Steine etwa in Niere, Harnleiter oder Blase zu entfernen. Von einer „klaren Verbesserung“ spricht Adrian Ghitulescu, der beim Gespräch über den Laser gar ins Schwärmen gerät: „Ich liebe es, mit ihm zu arbeiten. Wir sind auch stolz, ihn hier zu haben.“ Zwei- bis dreimal pro Woche kommt der Laser zum Einsatz, um gutartige Prostata-Vergrößerungen zu entfernen. Das ist dann notwendig, wenn den Patienten Medikamente nicht ausreichend geholfen haben.
Mit seiner Form ähnelt das Lasergerät einem Rollcontainer im Flugzeug – verbirgt im Inneren aber hochmoderne Technik. Über ein Kabel ist es mit extrem dünnen Fasern ausgestattet, von denen eine über die Harnröhre bis zur Prostata eingeführt wird. Hier löst der Laser in Sekundenschnelle durch Verbrennen und Veröden Gewebeteile, die in die Blase geleitet, von dort mit einem zweiten Gerät abgesaugt und dann zur Untersuchung in die Pathologie geschickt werden. Beim Patienten ist kein Schnitt nötig. „Man kann sich die Prostata wie eine Orange vorstellen. Die Schale bleibt, das Fruchtfleisch wird weggelasert und herausgeholt“, sagt der Oberarzt zum Ablauf.
Das passiert meist unter Vollnarkose, obwohl die Ärzte eine Spinalanästhesie, sprich eine Art Teilnarkose, empfehlen. „Dann sind die Patienten wach, jedoch ohne Gefühl des unteren Körpers“, sagt Adrian Ghitulescu. Das sei unmittelbar nach der OP von Vorteil: Es verringere den Schmerz nach dem Aufwachen und führe nicht zu Blasenkrämpfen, die Blutungen verursachen können. Und es gäbe auch weniger narkosebedingten Risiken. „Die meisten Patienten wollen während der OP aber einfach ‚weg‘ sein, was ich auch verstehen kann.“
Auch sonst bringt der neue Laser Verbesserungen mit sich. Der Mediziner berichtet von deutlich weniger Blutungen in der Prostata und einer verkürzten OP-Dauer von eineinhalb Stunden. Das Lasern selbst dauert dank stärkerer Leistung nur noch 45 Minuten. „Bei einer mittelgroßen Prostata geht es jetzt um 50 Prozent schneller“, so Ghitulescu. Zudem verringere sich für den Patienten die Aufenthaltszeit im Krankenhaus im Normalfall auf zwei Tage nach der OP. Vorher waren es „locker vier bis fünf Tage“. Und: Die Fasern können sterilisiert und bis zu zehnmal wiederverwendet werden.
Dass die RKH sich für einen Thulium-Laser entschied, war dem Zufall geschuldet, dass der just in diesem Zeitraum auf den Markt kam, als man sich in Ludwigsburg nach einem neuen Modell umschaute. In größeren Krankenhäusern wird bislang der teurere Holium-Laser eingesetzt, den die europäische Ärztekommission in ihren Leitlinien bei gutartigen Prostata-Vergrößerungen empfiehlt. „Holium wäre bei uns schon aufgrund technischer Beschränkungen gar nicht möglich gewesen. Das hätte auch wegen des benötigten Starkstroms einen Umbau zur Folge gehabt“, berichtet der Mediziner. Das neue Modell sieht er als mindestens ebenbürtig an: „Die Studien der Kommission dauern naturgemäß etwas. Ich bin mir aber sicher, dass der Thulium-Laser in maximal fünf Jahren bei den Leitlinien genauso an erster Stelle stehen wird. Thulium wird sich auch sonst durchsetzen, weil er günstiger, der Effekt bei der OP aber mindestens gleich, wenn nicht besser ist.“
Ein weiterer Pluspunkt: Das Gerät ist dank der Rollen mobil und kann über jede Steckdose in Betrieb genommen werden. Nur bei extrem großen, aber sehr selten vorkommenden Vorsteherdrüsen stößt der neue Laser an seine Grenzen. Jüngst musste einem Patienten in Ludwigsburg gar eine 200 Kubikzentimeter große Prostata entfernt werden. Dafür brauchte es dann den DaVinci-Operationsroboter, der seit 2006 auch für die Krebszellenentfernung eingesetzt wird. „Auch das hat super geklappt.“
Das Klinikum
In den 17 Fachabteilungen und vier Instituten des Klinikums Ludwigsburg werden jährlich 41 000 stationäre und 120 000 ambulante Patienten versorgt. Mit 2900 Mitarbeitern ist das Klinikum einer der großen Arbeitgeber im Landkreis.
Oberarzt für Urologie
Adrian Ghitulescu, 38, ist seit 2018 Oberarzt für Urologie. Der Rumäne studierte in seinem Heimatland, bevor er 2012 nach Deutschland kam. 2018 fing er als Facharzt in Ludwigsburg an, am Ende desselben Jahres stieg er zum Oberarzt auf. Er hat bislang rund 350 Prostata-Operationen mit Laser gemacht.