Gesundheitskarte Teurer Torso

Von Bernhard Walker 

Mit der elektronischen Gesundheitskarte rollt eine Revolution im deutschen Gesundheitswesen an. Droht mit der Einführung der gläserne Patient?  

Die ersten sieben Millionen Versicherten erhalten die neue Karte.  Foto: dpa
Die ersten sieben Millionen Versicherten erhalten die neue Karte. Foto: dpa

Berlin - Die Bilanz fällt ausgesprochen ernüchternd aus. Schon am 3. Mai 2002 beschlossen die damalige Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und führende Verbände des Gesundheitswesens, dass eine elektronische Gesundheitskarte (EGK) eingeführt werden sollte. Fast zehn Jahre danach ist es nun so weit: in den kommenden Wochen erhalten etwa sieben Millionen Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen, das entspricht zehn Prozent aller Versicherten, ihre individuelle EGK. Allerdings leistet diese derzeit kaum mehr als die bisherige Versichertenkarte.

 

Die EGK ist ein Paradebeispiel dafür, wie schwerfällig und langwierig Änderungen im deutschen Gesundheitswesen zuweilen ablaufen. Dabei bestreitet niemand, dass die Umstellung auf eine elektronische Abwicklung sinnvoll ist. Zieht zum Beispiel jemand um, kann die neue Anschrift online auf der EGK vermerkt werden.

Die Krankenkasse muss also nicht länger eine neue Karte erstellen und sie per Post verschicken. Neben diesen eher bürokratischen Aspekten soll die Karte auch die medizinische Betreuung verbessern. Wäre zum Beispiel ein soeben erstelltes Röntgenbild auf der Karte niedergelegt, müsste es nicht neu gemacht werden, wenn ein Patient einen anderen Arzt konsultiert. Laborwerte, Untersuchungsergebnisse, Arztbriefe oder ein Überblick über die Medikamente, die jemand einnimmt: Wenn all dies auf einen Blick erkennbar ist, kann das Gesundheitswesen effizienter funktionieren und unnötige Kosten vermeiden.

Einführung sollte bereits 2006 erfolgen

Den möglichen Nutzen zu beschreiben und ihn konkret zu erreichen, sind aber zwei ganz verschiedene Dinge. Das gilt umso mehr, als nicht der Staat par ordre du mufti die flächendeckende Einführung der EGK verfügen kann. Das deutsche Gesundheitswesen ist nicht rein staatlich angelegt; vielmehr prägen die Verbände der Ärzte, der Kassen, der Kliniken, der Apotheker die konkrete Wirklichkeit.

Und die sogenannte Selbstverwaltung hatte über Jahre hinweg enorme Mühe mit der Arbeit an der Gesundheitskarte. Sie kann ja nur vorankommen, wenn sich alle Beteiligten bei teilweise sehr komplizierten Aufgaben sowie bei finanziellen Regelungen einigen: Welche Technik kommt zum Einsatz? Wie ist die Datensicherheit zu erreichen? Wer bezahlt die Lesegeräte, die in allen Arztpraxen, Apotheken und Kliniken stehen müssen? So lauten nur einige der offenen Fragen.

Eigentlich hätte die Karte aufgrund eines rot-grünen Gesetzes zum Jahr 2006 eingeführt werden sollen. Zwar hatten sieben Verbände der Ärzte und Zahnärzte, der Apotheken und der Krankenhäuser im Jahr 2005 mit der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) eigens eine Firma gegründet, in der 150 IT-Fachleute und andere Experten an der Verwirklichung der Karte arbeiten.




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