Gesundheitstag am Krähenwald Hilfe fürs innere Gleichgewicht

Von Georg Linsenmann 

Eine Art Ratgeber-Vortrag zum Thema Burnout gab es beim Gesundheitstag des MTV am Kräherwald.

Zeit für die Hängematte: Natalie Walther spricht über Burnout. Foto: Georg Linsenmann
Zeit für die Hängematte: Natalie Walther spricht über Burnout. Foto: Georg Linsenmann

S-Nord - Sich entspannen und zurücklehnen – und dann „ganz tief in sich reinhören“. Ehrlich sein, seine Bedürfnisse formulieren. Und: „Ziehen Sie Konsequenzen!“ Mit dieser Einladung an das Publikum zu einer Art „Selbstversuch mit dem Vier-Punkte-Programm“ eröffnete Natalie Walther, Fachärztin für Innere Medizin und Arbeitsmedizin, einen Vortrag, der im Titel die kritische Debatte eines Themas verhieß: „Burn-out – Modische Zeitdiagnose oder ein Zeichen der Zeit?“

Das Fragezeichen aber schien die Referentin beim Gesundheitstag des MTV Stuttgart einfach gestrichen zu haben, wie auch den zweiten Teil des Titels. Und vom Rest blieb in dem Referat schlicht das Thema Burn-out: als unbestreitbarer Befund einer Tatsache, wie ihn Natalie Walther nicht zuletzt als Betriebsärztin „einer großen Firma hier in der Region“ aus ihrem beruflichen Alltag kennt. Und zu diesem Befund habe sie, wie sie eingangs meinte, im Grunde „nicht mehr zu bieten“ als das besagte Vier-Punkte Programm: als jene Botschaft, die man in Sachen „Ausgebrannt-sein“ getrost mit nach Hause tragen könne. Die „Take-Home-Message“, wie das Walther im schon etwas abgenutzt wirkenden Power-Point-Deutsch nannte.

So schien es dann auch nicht ganz unlogisch, dass der Vortrag, in dem das berufsbedingte Erschöpfungssyndrom auch in seiner Entwicklung durchaus facettenreich beschrieben wurde, sich mehr und mehr in der Art einschlägiger Performances von Motivationstrainern zur Selbstoptimierung entwickelte und so in der Sequenz gipfelte: „Machen Sie das, was Sie wollen! Man braucht Mut. Aber den haben Sie alle! Wir sind oft nur zu bequem.“

„Wer heute im Berufsleben steht, der arbeitet für zwei“

Als Beispiel für Entschlussfreudigkeit nannte die Referentin, die auch alltagstaugliche Ratschläge parat hatte, den bekannten Herzchirurgen, der seinen Job an den Nagel gehängt hat und sich nun seiner wahren Bestimmung als Fernfahrer widmet. Den benötigten Lastwagen hatte er natürlich selbst gekauft und zwischenzeitlich auch noch ein Buch übers Aussteigen und über Selbstbestimmung geschrieben.

An diesen Stellen hakte dann auch nach dem Vortrag das kritische Publikum ein, während das „Welche Kerze brennt nicht ab? Bleiben Sie im Gleichgewicht!“ weiter von der Leinwand leuchtete. So merkte etwa eine Frau an: „Wer heute im Berufsleben steht, der arbeitet für zwei. Ich sehe das an meinen Kindern.“ Und ein anderer Beitrag wies ganz aufgewühlt darauf hin, dass das Nein-Sagen gegenüber dem Chef, zu dem die Referentin zuvor aufgefordert hatte, „auch gegen einen verwendet werden kann“. Mit dem Zusatz: „Also mich betrifft das nicht mehr, aber andere.“

Hatte die Referentin Walther zuvor noch kategorisch gemeint: „Es liegt nicht an Ihrem Chef!“, wobei sie größere Zusammenhänge hinsichtlich der Realität der Arbeitswelt außen vor ließ und sich einzig auf den Blick nach innen und auf den Willen des Einzelnen fokussierte, so räumte sie nun ein: „Ganz klar, das ist kein einfaches Thema.“

Und mit spürbarer Aufmerksamkeit lauschte das sehr zahlreiche Publikum auch beim thematischen Schlusspunkt des Vortrages: „Ein verantwortungsbewusster Chef muss wissen, dass es solche Probleme gibt. Ich kann Ihnen versichern, dass das in der Arbeitsmedizin ein großes Thema ist und dass das auch mehr und mehr in den oberen Etagen ankommt.“ Schließlich riet Natalie Walther ihren Zuhörern: „Suchen Sie Hilfe, leiden Sie nicht stumm vor sich hin!“

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