Statt Neubau einer Zentralklinik stärkt die RKH ihre drei Klinikstandorte im Kreis Ludwigsburg. Die Entscheidung folgt neuen Analysen – und passt zum Sparkurs des Landkreises.

Ludwigsburg : Emanuel Hege (ehe)

Nun scheint die Amtszeit des früheren RKH-Geschäftsführers Jörg Martin endgültig beendet: Seine Idee, die alten Krankenhäuser in Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen abzureißen, um ein modernes, zentrales Krankenhaus zu bauen, ist offiziell vom Tisch. Die neue Spitze erklärt, warum.

 

In einer Pressemitteilung teilte die RKH-Leitung am Donnerstagnachmittag mit, dass sich im laufenden Strategieprozess der RKH-Kliniken die Drei-Standort-Strategie mit Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen und Markgröningen erhärtet hat und eine einzelne Klinik nicht sinnvoll sei. Aktuelle Markt- und Leistungsanalysen zeigen laut Pressemitteilung, dass der Bedarf an Betten vor dem Hintergrund des Versorgungsauftrages in einem der bevölkerungsreichsten Landkreise Baden-Württembergs wächst.

Zentralklinik bedeutet lange Wege

In der 2023 in Auftrag gegebenen Machbarkeitsstudie für eine Zentralklinik sei das noch anders gewesen – damals ging man von einer Verringerung der Leistungen und Betten aus. Schon 2023 habe jedoch festgestanden: „Der Bau eines Zentralklinikums würde sehr lange dauern, hätte einen enormen Flächenbedarf und würde die Wegezeiten für die Bürgerinnen und Bürger zu einem Klinikum erhöhen“, so die Klinikleitung.

Dass ein Klinikneubau enorme Kosten verursacht hätte, bleibt in der Pressemitteilung unerwähnt. Angesichts des aktuellen Sparkurses des Landkreises – inklusive Personalabbau sowie Kürzungen bei Leistungen für Vereine und Berufsschulen – wäre ein derartiges Großprojekt in der Bevölkerung wohl kaum vermittelbar gewesen.

Landrat Dietmar Allgaier hätte mit einer neuen Zentralklinik alle Hände voll zu tun gehabt. Foto: Simon Granville

„Dies ist ein starkes Signal für die Menschen im Landkreis“, betont Landrat und RKH-Aufsichtsratsvorsitzender Dietmar Allgaier. „Wir werden unsere Standorte gezielt stärken und damit die medizinische Versorgung zukunftssicher gestalten.“

Nickel, der Anti-Martin?

Auch Jürgen Kessing begrüßt die Entscheidung. Der Oberbürgermeister von Bietigheim-Bissingen war von Anfang an nicht begeistert von der Idee einer Zentralklinik, der das Klinikum mitten in seiner Stadt zum Opfer gefallen wäre. „Besonderes Augenmerk liegt auf der Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung – insbesondere in der Region Bietigheim und im nördlichen Landkreis“, kommentiert er die aktuelle Entscheidung.

Marc Nickel, neuer Geschäftsführer, beweist derweil einmal mehr, dass er eine ganz andere Herangehensweise und Vorstellung hat als sein Vorgänger Jörg Martin. „Wir geben jedem Standort ein klares medizinisches Profil und stärken gleichzeitig Zukunftsfelder wie Ambulantisierung, sektorenübergreifende Versorgung und Altersmedizin“, wird er in der Pressemitteilung zitiert.