Gesundheitsvorsorge für verfolgte Frauen Land will Hilfe für Jesidinnen verlängern

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Die Kosten für die Gesundheitsvorsorge der traumatisierten Frauen aus dem Nordirak steigen in diesem Jahr an. Doch die Landesregierung will die Unterstützung bis 2021 sichern.

Die UN-Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel, Nadia Murad (links), und Lamija Adschi Baschar berichteten schon 2016 im Landtag von ihren Erfahrungen. Foto: dpa
Die UN-Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel, Nadia Murad (links), und Lamija Adschi Baschar berichteten schon 2016 im Landtag von ihren Erfahrungen. Foto: dpa

Stuttgart - Sie wurden vom Islamischen Staat (IS) vergewaltigt, verschleppt, verfolgt. In Baden-Württemberg haben sie eine neue Heimat gefunden. Ihre Traumata sind noch lange nicht aufgearbeitet. Jetzt will die Landesregierung die Gesundheitsausgaben für die 1000 besonders schutzbedürftigen Frauen und Kinder aus dem Nordirak, die im Südwesten leben, bis Ende des Jahres 2021 übernehmen. Von Juli 2018 bis Ende 2021 rechnet das Innenministerium dafür mit Kosten von rund 19,5 Millionen Euro. Das geht aus Unterlagen des Ministeriums für die Kabinettssitzung an diesem Dienstag vor, die unserer Zeitung vorliegen.

Gesundheitsausgaben steigen

In jüngster Zeit steigen die Gesundheitsausgaben für die Jesidinnen im Land demnach an. Zwischen März 2015 und Februar 2016 kamen die traumatisierten Frauen und Kinder in Baden-Württemberg an. Der Kabinettsvorlage zufolge wurden für sie in der Zeit von 2015 bis 2017 insgesamt 1,75 Millionen Euro Gesundheitskosten abgerechnet. Im ersten Halbjahr 2018 seien es bereits knapp 2,79 Millionen Euro gewesen. Auf der Basis der neuesten Entwicklung rechnet das Innenministerium die weiteren Kosten hoch und kommt auf 19,5 Millionen Euro bis Ende 2021.

Allerdings seien Gesundheitsausgaben „nur bedingt im Voraus kalkulierbar“, schränkt das Innenministerium ein. Das zeigt sich auch an den ursprünglichen „groben“ Schätzungen: Danach war das Land davon ausgegangen, dass allein bis Ende 2018 rund 53 Millionen Euro benötigt würden. Rechnerisch seien die Ausgaben also bereits finanziert, allerdings stehen sie ab 2019 nicht im Landeshaushalt. Eine Erklärung für die nun steigenden Kosten sieht das Innenministerium darin, dass die Betroffenen erst jetzt Einzeltherapien zur Verarbeitung ihrer Traumata aufnähmen. Eine neue gesetzliche Grundlage für die Kostenübernahme durch das Land ist notwendig, weil die bisherige ausgelaufen ist. Sonst müssten die Landkreise bezahlen.

Niederschwellige Therapien gefragt

Auch für gewisse niederschwellige Therapieangebote, die nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung gehören, will das Land aufkommen. Viele der Jesidinnen seien über Mal-, Bewegungs- oder Gruppentherapien besser erreicht worden, als über anspruchsvollere Therapieformen, berichtet das Innenministerium. Für derartige Therapieformen stehen bereits 900 000 Euro im Haushalt des Staatsministeriums. Das erscheine „auskömmlich“. Sollte das Geld nicht reichen, werde sich das Staatsministerium für eine Erhöhung stark machen.

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