Es war die große Hoffnung im Oberen Filstal, dass im alten Klinikgebäude ausschließlich Gesundheitsanbieter heimisch werden – so wie es nebenan im Neubau des Gesundheitszentrums längst der Fall ist. Doch diese Hoffnung hat sich für das alte Klinikgebäude inzwischen zerschlagen. Eine Auslastung von mehr als 50 Prozent ist laut Optimedis, die sich um die Klinik-Nachnutzung kümmert, unrealistisch. Bislang liegt die Zahl bei 42 Prozent. „Wir wollen mehr, aber der Markt gibt nicht mehr her“, sagte Landrat Edgar Wolff in der jüngsten Kreistagssitzung. Steht das halbe Gebäude also weiter leer, bedeutet dies ein jährliches Defizit von 700 000 Euro. Doch das ist nicht alles, denn das Gebäude muss irgendwann ertüchtigt werden, was knapp 40 Millionen Euro kosten dürfte. Was also soll geschehen mit dem Geislinger Gesundheitsstandort? Wolff warnte die Kreisräte vor einer Sackgasse: Man müsse offen dafür sein, dass im alten Klinikgebäude nicht nur Platz für Gesundheitsanbieter sei, die restlichen 50 Prozent könnten auch Platz für andere Mieter bieten. Wolff betonte die aus seiner Sicht positiven Entwicklungen in Geislingen, wie die Kurzzeitpflege, die im alten Klinikgebäude nach wie vor Anfang 2025 starten soll.
Er sprach außerdem über den komplett vermieteten Neubau aus dem Jahr 2013, über die Kurzstationäre Allgemeinmedizinische Versorgung (KAV) und über die Allgemeinmedizinische Notfallpraxis. Beides sei bereits etabliert, hob Wolff hervor, gab aber auch zu, dass noch immer zu wenige Patienten kämen. Es „findet noch nicht die Nachfrage, die es verdient“.
Der Landkreis darf selber nicht als Investor auftreten
Neben den Kosten und der Auslastung ist die Frage nach einem künftigen Eigentümer besonders wichtig. Optimedis hatte kürzlich in einer nicht öffentlichen Sitzung über rechtliche Schranken für den Landkreis oder eine kreiseigene Gesellschaft gesprochen. Der Landkreis dürfe nicht in die Sanierung oder in den Umbau des Gebäudes investieren, wenn er selbst nur an Ärzte oder andere Gesundheitsanbieter vermietet. Dass Landkreis und Alb-Fils-Klinikum (AFK) die Investitionen nicht übernehmen dürfen, hat ein Rechtsgutachten ergeben, bestätigt wurde es vom Regierungspräsidium. Seit Ende Juli sei das klar, so Optimedis. Das Gesundheitssystem in Deutschland sei eben komplex, stelle aber den Rahmen, an den man sich halten müsse.
Wenn sich ein Investor findet, geht es einerseits darum zu erfahren, was er mit dem Gebäude vorhat, andererseits geht es aber auch darum sicherzustellen, was er darf. Deswegen betonte Albrecht Römpp von Optimedis, wie wichtig ein Lastenheft sei. Darin könnte man dem künftigen Eigentümer der Immobilie auch Vorgaben machen, an die er sich halten müsse. Römpp hob aber gleichzeitig hervor, „je enger der Rahmen, desto schwieriger die Suche, weil es mögliche Investoren einengt“. Landrat Wolff sieht es genauso. Er warnte vor Sackgassen, wenn man ausschließlich medizinische Einrichtungen für das alte Klinikgebäude fordern wolle. An den aktuellen Gesundheitseinrichtungen will man festhalten. Wichtig zu erfahren ist auch, ob und welche baulichen Eingriffe am Bestand nötig sind und unter welchen städtebaulichen Rahmenbedingungen diese umgesetzt werden können. „Natürlich wollen wir eine Entwicklung nicht blockieren“, sagte Oberbürgermeister Frank Dehmer den Kreisräten.
Kurzzeitpflege im Gesundheitszentrum
Umbauarbeiten
Im dritten Obergeschoss gehen die Arbeiten planmäßig voran, berichtet Frank Westbomke, Pressesprecher des Alb-Fils-Klinikums. Derzeit verlegen die Handwerker Böden und bauen Bäder aus. Im Dezember sind die Einbaumöbel, Inventar und Einbauten in den Bädern sowie die Türen an der Reihe. Mitte des Monats soll dann die baurechtliche Abnahme stattfinden. Sobald die Baustelle gereinigt ist, soll Anfang Januar die Eröffnungsfeier stattfinden.
Kurzzeitpflege
Es entstehen in der Kurzzeitpflege 16 Patientenzimmer (15 Einzelzimmer, 1 Doppelzimmer) mit jeweils eigenem, barrierefreiem Sanitärbereich. Dazu kommt ein Aufenthaltsraum mit Essbereich und Küche.