Getestet Die Schrecken des Krieges nachempfinden

Im Computerspiel geht es darum, den Ersten Weltkrieg zu überleben.Foto:Ubisoft Foto:  
Im Computerspiel geht es darum, den Ersten Weltkrieg zu überleben. Foto:Ubisoft

„Valiant Hearts“ ist kein Ballerspiel, es ist ein Antikriegspiel. Es führt in einem eigenen Grafikstil mit Action, aber auch mit Informationen in das Grauen des Ersten Weltkrieg und zeigt den Versuch der Protagonisten, ihre Menschlichkeit zu wahren.

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Stuttgart - Bomben explodieren, Lichtblitze zucken – die Soldaten rennen brüllend um ihr Leben. Das klingt nach einem klassischen Computerspiel, einem Egoshooter, wie es sie zuhauf auf dem Markt gibt. Doch dieses Spiel ist auf verstörende Weise anders. In „Valiant Hearts – The Great War“ wird die Geschichte von vier Menschen und einem Hund erzählt, deren Schicksale in der aus den Fugen geratenen Welt des Ersten Weltkrieges miteinander verbunden sind. Der Spieler taucht ein in die Jahre 1914 bis 1918, findet sich an den berühmtesten Schauplätzen des Krieges wieder und kann an den historischen Schlachten der Westfront teilnehmen.

Das Ziel des Spiels ist es, persönliche und individuelle Geschichten mit dem übergreifenden Thema des Ersten Weltkriegs zu verbinden. Jede Person hat dafür eigene Charaktereigenschaften und Fähigkeiten und erlebt die Schrecken des Krieges entweder auf dem Schlachtfeld oder daheim. In einer Mischung aus Action-, Erkundungs- und Knobelspiel zieht der Spieler mit seinen Soldaten in den Kampf und hilft ihnen, den Ersten Weltkrieg zu überleben, indem er Rätsel löst oder mit ihnen durch die feindlichen Linien schleicht. Zwischendrin kann man immer wieder Informationen zu einzelnen Spielszenen abfragen und so mehr über den Ersten Weltkrieg erfahren. So kann man historische Hintergründe lesen oder sich Fotos von tatsächlichen Kriegsschauplätzen ansehen – schließlich basiert das Spiel auf einer Vielzahl historischer Dokumente aus der Zeit des Ersten Weltkrieges wie Briefen, Büchern oder Fotos. „Valiant Hearts“ spinnt somit die Geschichte ganz gewöhnlicher Menschen, die unfreiwillig in den Krieg hineingezogen werden. Das Spiel ist daher auch der Versuch, 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs auch auf interaktive Weise einen Beitrag gegen das Vergessen zu setzen, ein Antikriegsspiel dem Wortsinne nach – am Computer.

Den Toten ein Gesicht geben

Für die heutige junge Generation ist der Erste Weltkrieg schließlich längst eher ein etwas abstraktes Geschehen. „Valiant Hearts“ gibt den vielen Toten stattdessen anhand von Einzelschicksalen ein Gesicht und weckt Mitgefühl mit den Protagonisten, die nach und nach immer tiefer in das Grauen hineingezogen wurden. Dies gelingt nicht zuletzt dadurch, dass „Valiant Hearts“ mit einem besonderen Grafikstil aufwartet, der an einen animierten Comic erinnert und der eine beklemmende und melancholische Atmosphäre erzeugt. Das Spiel wechselt zudem immer wieder mal das Tempo – nach „actionreichen“ Sequenzen folgen Rätsel, um das Geschehene sacken zu lassen.

Vor allem aber Emotionen kennzeichnen das Spiel, in dem die Protagonisten versuchen, im Grauen des Krieges ihre Menschlichkeit zu bewahren. „Valiant Hearts“ ist daher trotz der überbordenden Fülle an Kriegsspielen auf dem Markt ein Spiel, das sich dem Krieg auch tatsächlich widmet. Es vermeidet Patriotismus und Schießorgien, nimmt stattdessen dem Krieg alles Glorreiche – ein interaktives Erlebnis, das den schmalen Grat zwischen Unterhaltung und Geschichtsstunde bravourös meistert. Am Ende des Spiels bleibt dem Spieler nur eine Gewissheit übrig: „Nie wieder!“

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