Getränketransport ab Deizisau Coca-Cola setzt auf den Flaschen-Zug

Auf dem Lkw liegt ein Wechselbehälter, der auf den Zug umgesetzt wird. Foto: I. Rudel

Seit Mai transportiert das Coca-Cola-Werk Deizisau die großen ein-Liter-Glasflachen auf der Schiene nach Norddeutschland. Das reduziert die Co2 -Emissionen um rund 80 Prozent.

Deizisau - Das Coca-Cola-Werk Deizisau produziert seit einem Jahr die Ein-Liter-Glasflasche für den gesamten deutschen Markt. Ökologisch ist die bis zu 50 Mal befüllbare Glasflasche sinnvoll, solange das schwerere Behältnis nicht über weite Strecken gekarrt werden muss. Seit Mai setzt Coca-Cola für die Langstrecken auf die Schiene. Der Transport per Bahn reduziert die CO2-Emissionen um etwa 80 Prozent.

 

Vor einem Jahr hat der Getränkekonzern die Ein-Liter-Glasflasche wieder ins Programm aufgenommen. Sie gilt als Premium-Produkt, weil die große Glasflasche als wertig gilt und auch auf Familienfeiern auf dem Tisch stehen kann, auch an Weihnachten oder Silvester. Coca-Cola hat 2019 für die Abfüllung und Reinigung der großen Flasche am Standort Deizisau rund fünf Millionen Euro investiert. Die Absatzzahlen gehen seit dem Start der neuen Anlage Monat für Monat nach oben, berichtet Thomas Sprecher, der Werksleiter in Deizisau. Die Flasche sei auch „Umsatztreiber im Handel“. Selbst in der Corona-Zeit habe sich die große Pulle bestens gehalten, weil sich die Leute am Grill „etwas gönnen“ wollen, so der Werksleiter.Die Ein-Liter-Glasflasche wird nur in Deizisau produziert. Weil auch Coca-Cola ein Nachhaltigkeitskonzept aufgestellt hat, hat der Konzern zusammen mit der DB Cargo ein Konzept für Fernstrecken aufgestellt. Fünf Mal in der Woche werden sogenannte Wechselbehälter – das sind spezielle Lastzug-Aufsätze – beladen und von Deizisau zum Stuttgarter Umschlagbahnhof gebracht. Dort werden die Behälter mit dem Kran auf einen Zug gehievt. Abends ist Abfahrt, am nächsten Morgen Ankunft in Hamburg oder in Bremen, wo die Behälter mit dem Lkw zu den beiden Nord-Niederlassungen gekarrt werden. Das Leergut macht die gleiche Tour von Nord nach Süd.

Dieser schnelle „Nachtsprung“ sei eine Voraussetzung für den Schienentransport, erklärt Dennis Bressel von der DB Cargo. Das Deizisauer Modell ist nicht ganz neu. Erste Erfahrungen sammelte der Getränkehersteller in Lüneburg, wo er die Mineralwassermarke Vio abfüllt und seit 2016 per Bahn in die Republik verschickt, berichtet Tufan Yurdagül, Leiter der Netzwerklogistik für mehrere Coca-Cola-Werke. Wichtig sei, dass die Logistik auf dem Werkshof genauso reibungslos laufe wie sonst. Der 44-Tonner im Hof unterscheidet sich kaum von einem normalen Lastzug. Nur an den vier seitlichen„Henkeln“ erkennt man, dass ein Wechselbehälter auf dem Lastzug liegt. Guiseppe Ietro setzt mit dem Gabelstapler die 30 Paletten zentimetergenau drauf. Der Lkw-Fahrer schiebt am Ende die Metallstangen auf Position und hängt die Querlatten ein. So ist die Ladung gut gesichert. Die Planen an den Seitenwänden sind besonders stabil und für den Getränketransport zertifiziert. 90 Verladungen hat Tufan Yurdagül seit Mai gezählt, eine Million Flaschen. Das sind deutlich mehr als prognostiziert. Statt den geplanten 120 Verladungen für 2020 rechnet Yurdagül jetzt schon mit 280 Ladungen. Das wären 3,4 Millionen Flaschen, rund 350 000 eingesparte Lkw-Kilometer und 360 Tonnen Kohlendioxid weniger.

Am Standort Deizisau beschäftigt Coca-Cola mehr als 300 Mitarbeiter. 2019 wurden knapp zehn Millionen Kisten Erfrischungsgetränke produziert. Beliefert werden insbesondere die Region Stuttgart sowie weite Teile Baden-Württembergs. Die große Glasflasche Coca-Cola wird für ganz Deutschland produziert.

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