Gewa-Tower in Fellbach Anleger müssen mit Teilverlust rechnen

Von Sabine Marquard 

Wieder hat es eine Mittelstandsanleihe erwischt. Die Anleger, die eine Gewa-Tower-Anleihe erworben haben, müssen sich nach dem Insolvenzantrag der Projektgesellschaft in Geduld üben.

Der Gewa Tower in Fellbach. Die Projektgesellschaft hat Insolvenzantrag gestellt. Foto: dpa
Der Gewa Tower in Fellbach. Die Projektgesellschaft hat Insolvenzantrag gestellt. Foto: dpa

Stuttgart - Mittelstandsanleihen erweisen sich einmal mehr als gutes Investment – aber weniger für Anleger als vielmehr für Anwälte, die enttäuschte Anleger vertreten. Zuletzt haben Namen wie German Pellets oder Wöhrl enttäuscht, aktuell ist es die Anleihe der Projektgesellschaft Gewa 5 to 1 GmbH Co KG, die in Fellbach der nach eigenen Angaben dritthöchste Wohnturm Deutschlands, den 107 Meter hohen Gewa Tower baut. Vor zehn Tagen hat die Gesellschaft Insolvenz angemeldet.

Die Anleihe, die 2014 – in der Niedrigzinsphase – auf den Markt kam und eine jährliche Verzinsung von 6,5 Prozent bot bei einer Laufzeit von vier Jahren, ist nach der Insolvenzmeldung abgestürzt und notiert jetzt etwas über 30 Prozent. Bis dahin notierte die Anleihe knapp unter 100 Prozent. Im Zwischenlagebericht der Projektgesellschaft wird erwähnt, dass die Ratingagentur Creditreform Rating die Kreditwürdigkeit der Gesellschaft am 23. August 2016 für die Gewa-Tower Anleihe mit BBB bestätigt hat. Das heißt, es besteht ein geringes bis mittleres Ausfallrisiko. Zwar hat Creditreform seine Bewertung mit dem Zusatz „beobachten“ (watch) versehen, dass eine Insolvenz vor der Tür steht, mussten Anleger daraus nicht schließen.

Anleger können Schadenersatzansprüche prüfen lassen

„Dass die Anleihe innerhalb von zwei Wochen von fast 100 auf 30 Prozent abstürzt, wirft kein gutes Licht auf die Ratingagentur“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Auch der Rechtsanwalt Kemal Eser fragt sich, ob das Rating aus damaliger Sicht gerechtfertigt war. „Nach meiner Auffassung als Fachanwalt, ist dem noch einmal nachzugehen“, sagt er. Eser, der eine Vielzahl von Anleihegläubigern von Mittelstandsanleihen bundesweit vertritt, rät Anlegern im Fall der Gewa-Tower-Anleihe dazu, Schadenersatzansprüche wegen fehlerhafter Aufklärung und Beratung prüfen zu lassen. Möglicherweise ließe sich der Anleihekauf rückabwickeln. Der zweite Ansatzpunkt sei zu prüfen, ob der Wertpapierprospekt fehler- oder lückenhaft sei.

Anleihe ist mit einer Grundschuld besichert

Für eine konkrete Auskunft, was Anleger erwarten können, ist es noch zu früh. „Die Anleihe ist mit einer Grundschuld besichert. Die Anleihengläubiger werden im Insolvenzverfahren daher vorrangig bedient“, sagt ein Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Ilkin Bananyarli. Ruhe bewahren, rät Rechtsanwalt Oliver Renner. „Es ist viel zu früh, um in Panik zu verfallen.“ Die Absicherung der Anleihegläubiger über eine Grundschuld sei von Vorteil, eine Prognose zum jetzigen Zeitpunkt schwierig. „Dass ein Teilverlust hängen bleibt, ist möglich.“ Sein Anwaltskollege Tobias Pielsticker befürchtet „einen Verlust von mindestens 50 Prozent, wenn man den aktuellen Kurs der Anleihe sieht“.

Auch Eser beurteilt die Lage eher düster. Die Erfahrung zeige: selbst wenn das Sanierungskonzept funktioniert, bleibe wenig übrig bei solchen Verfahren. Die Laufzeit der Gewa-Tower-Anleihe endet im März 2018. Möglicherweise müssen Anleger im Zuge des Insolvenzverfahrens aber länger auf eine Rückzahlung warten. In welchem Umfang diese erfolgt, ist derzeit ungewiss. Dass es sich hierbei wieder um eine Mittelstandsanleihe handelt, zeige, „dass der Gesetzgeber hier den Verbraucherschutz verstärken muss“, sagt Renner. Der Anwalt lässt aber auch die Anleger nicht aus der Verantwortung. Das in einer Niedrigzinsphase 6,5 Prozent Zins geboten wird, weist auf ein Risiko hin. „Je höher der Zins, desto höher das Risiko“, so Renner.

Mittelstandsanleihen sind ohnehin nichts für sicherheitsbewusste Privatanleger, sagt Verbraucherschutzanwalt Eser. „Der Begriff Mittelstand suggeriert Seriosität.“ Aber eine Mittelstandsanleihe sei eine spekulative Anlage. „Geht der Emittent pleite, ist das Papier nicht mehr viel wert.“ So eine Anleihe sei wie ein Schuldschein zu bewerten. Häufig nutzten Unternehmen dieses Instrument, die sonst am Kapitalmarkt Schwierigkeiten hätten, sich zu finanzieren.