Gewa-Tower-Verwalter beruhigt Fellbach Keine Mängel beim Pleite-Turm, aber Haftungsrisiken

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Der Gewa-Tower in Fellbach ist doch nicht so voller Mängel, wie eine seit Tagen teilweise bekannte Liste nahelegte. Dort seien aber Haftungsrisiken verzeichnet, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter des Pleite-Baus.

Wegen des Baustopps fehlen dem Gewa-Tower einige Fenster und der Innenausbau. Foto: Patricia Sigerist
Wegen des Baustopps fehlen dem Gewa-Tower einige Fenster und der Innenausbau. Foto: Patricia Sigerist

Fellbach - Ilkin Bananyarli, der vorläufige Insolvenzverwalter des Fellbacher Gewa-Towers, beteuert weiterhin unter Verweis auf ein Gutachten, dass das 107 Meter hohe Bauwerk im Rohbauzustand keine wesentlichen Mängel hat. Er macht nach dem Wirbel um eine Liste, die nach seinen Worten fälschlicherweise als eine „Mängelliste“ bezeichnet wird, einen feinen sprachlichen Unterschied: „Es gibt keine Mängelliste, sondern eine sogenannte Hinweisliste, die der Generalunternehmer im Rahmen der geplanten Fertigstellung des Gewa-Towers erstellt hat. Dabei wurden alle Hinweise aufgelistet, um von Seiten des Generalunternehmers mögliche Haftungsrisiken auszuschließen“, sagt der Insolvenzspezialist aus der Pluta Rechtsanwalts GmbH. Diese Haftungsrisiken haben allerdings unter anderem dafür gesorgt, dass der favorisierte Kaufinteressent für den seit einem Jahr von einem Baustopp betroffenen Wohnturm vor wenigen Tagen nach monatelangen und zuletzt exklusiven Verhandlungen um die Übernahme der Baustelle seinen Rückzug angetreten hat.

Fensterscheiben könnten bersten

Ilkin Bananyarli, der vorläufiger Insolvenzverwalter der Projektgesellschaft Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG, der von dieser Liste überrascht worden sind, hat in den vergangenen Tagen intensive Gespräche mit Fachexperten geführt. Er nennt Beispiele aus der ihm nunmehr vorliegenden Aufstellung: „So heißt es beispielsweise in der Liste, dass Fensterscheiben bei Verwendung von sogenanntem Einscheibensicherheitsglas möglicherweise zerspringen können und selbst bei ordnungsgemäß durchgeführten Heißlagerungstests noch ein Restrisiko besteht.“ Dieser Hinweis der Herstellerfirma wiegt für einen möglichen Investor, der selbst wieder Wohnungskäufer gewinnen muss und diesen gegenüber noch Jahre nach dem Einzug verantwortlich ist, schwer.

Hinweise für künftig noch verlangten Brandschutz

Auch wird im Dokument laut dem Insolvenzverwalter auf den Brandschutz für das Hotel eingegangen. Aufgrund möglicher neuer gesetzlicher Regelungen werden dabei Empfehlungen für die Zukunft ausgesprochen. „Zudem sind zahlreiche Sachverhalte aufgelistet, die schon erledigt wurden“, sagt Bananyarli.

Wohnungskäufer hoffen weiterhin auf ihre „Traumwohnungen“

Alle diese Sachverhalte waren den Wohnungskäufern laut Bananyarli bereits bekannt. Er zitiert den Sprecher der Wohnungskäufer: „Wir haben mit Bedauern die vergangene Presseberichterstattung verfolgt, deren Inhalte sich in den letzten Tagen als völlig überzogen herausgestellt haben und die dem Projekt und dessen baldiger Fertigstellung schaden. Bei all den derzeitigen Herausforderungen glauben wir nach wie vor fest an das Projekt und hoffen auf eine baldige Fertigstellung unserer Traumwohnungen.“ Dazu arbeiten Wohnungskäufer eng mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter zusammen. „Wir sind jederzeit offen für Gespräche mit potenziellen Investoren“, lassen die Wohnungskäufer mitteilen.

Brandschutzexperten begleiten Bau des Towers

Der vorläufige Insolvenzverwalter führte in dieser Woche Gespräche mit den Wohnungskäufern und der Oberbürgermeisterin von Fellbach, Gabriele Zull. Diese bestätigte, dass die Baugenehmigung an ein Brandschutzgutachten geknüpft ist, und der Bau von Seiten der Stadt durch einen Brandschutzexperten und einen Statiker bis zum Baustopp begleitet wurde. Der Verwalter erklärt daher: „Der Gewa-Tower hat keine wesentlichen Mängel. Das hat bereits das Gutachten des TÜV Süd ergeben.“ Im September waren die Gutachter des TÜV Süd nach einer umfangreichen Analyse zum Ergebnis gekommen, dass beim Wohnturm keine Mängel vorhanden sind, die einen wesentlichen Rückbau oder eine wesentliche Reparatur erforderlich machen.

Hoffnung auf einen zweiten Investor und Kaufinteressent

Der vorläufige Insolvenzverwalter treibt jetzt eine Lösung mit dem zweiten Investor voran. Er hat bereits erste Gespräche mit dem Bieter geführt. Außerdem liegen ihm weitere Interessentenanfragen vor. „Ich bin optimistisch, dass wir den Gewa-Tower im kommenden Jahr veräußern werden, um die bestmögliche Lösung für die Anleihegläubiger zu erzielen“, sagt Bananyarli.

Anleihegläubiger sind erleichtert

Der gemeinsame Vertreter der Anleihegläubiger, Gustav Meyer zu Schwabedissen von MZS Rechtsanwälte in Düsseldorf, hält genauso an den Verkaufsplänen fest: „In vergangenen Tagen kursierten Meldungen über angebliche Mängel, die sich als falsch entpuppten. Ich bin sehr erleichtert, dass der Turm in einem guten Zustand ist. Das ist eine gute Nachricht für die Anleihegläubiger. Wir werden den vorläufigen Insolvenzverwalter in den kommenden Wochen bestmöglich unterstützen, damit der Wohnturm an einen Investor verkauft werden kann.“

Ein Jahr Insolvenz

Im November 2016 musste die Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG Insolvenz anmelden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Amtsgericht Esslingen Ilkin Bananyarli von der Pluta Rechtsanwalts GmbH. Die Gewa 5 to 1 GmbH & Co. KG ist eine Projektgesellschaft zum Bau des Gewa-Towers in Fellbach bei Stuttgart, dessen Rohbau im Oktober 2016 fertiggestellt wurde. Mit dem 107 Meter hohen Gewa-Tower soll das dritthöchste Wohngebäude in Deutschland errichtet werden. In dem Turm mit 34 Stockwerken sind 66 Eigentumswohnungen sowie ein Business-Hotel mit 123 Zimmern geplant. Zur Finanzierung des Projekts hatte die Gesellschaft im Jahr 2014 eine Mittelstandsanleihe emittiert.