Gewässerführer für Gartenschau ausgebildet 24 Fürsprecher für die Rems

Von Annette Clauß 

Anlässlich der Gartenschau sind in den vergangenen Monaten 24 Gewässerführer ausgebildet worden. Sie bieten von Mai an von der Quelle bis zur Mündung Führungen und Aktionen an. Zwei von ihnen sind Corina Oesterle und Norman Böbel aus Weinstadt.

Die frisch ausgebildeten Rems-Gewässerführer Norman Böbel und Corina Oesterle bieten von Mitte Mai an im Bereich Weinstadt Führungen an. Ihr Einsatzgebiet ist hauptsächlich dort, wo der Haldenbach in die Rems mündet – das Areal wird derzeit renaturiert. Foto: Frank Eppler
Die frisch ausgebildeten Rems-Gewässerführer Norman Böbel und Corina Oesterle bieten von Mitte Mai an im Bereich Weinstadt Führungen an. Ihr Einsatzgebiet ist hauptsächlich dort, wo der Haldenbach in die Rems mündet – das Areal wird derzeit renaturiert. Foto: Frank Eppler

Weinstadt - Ihren ersten Schulungstag zum Gewässerführer werden Corina Oesterle und Norman Böbel nie vergessen. „Es war Mitte März und bitterkalt. Wir haben damals mit einer Geologin die Rems erkundet – von der Quelle bis zur Mündung“, erinnert sich Corina Oesterle. Ein frostiger Härtetest, der aber weder die 44-jährige Schnaiterin noch ihren zwei Jahre jüngeren Kollegen Norman Böbel abgeschreckt hat. Beide sind dabei geblieben – und belohnt worden. „Von da an hatten wir bei unseren Exkursionen immer Traumwetter“, sagt Norman Böbel, auf dessen blauer Regenjacke nun die Aufschrift „Gewässerführer Baden-Württemberg“ prangt.

Zehn Wochenenden mit jeweils zwölf Stunden Unterricht haben Corina Oesterle, Norman Böbel und ihre 22 Kolleginnen und Kollegen aus dem ganzen Remstal seit März größtenteils im Freien verbracht: Sie haben Flora und Fauna entlang der Rems erkundet und gelernt, dass es im Fluss Bachmuscheln gibt, die pro Stunde sechs bis acht Liter Wasser filtern. Sie haben erfahren, wie der Hochwasserschutz und die Landeswasserversorgung funktionieren, und sie haben ein Wasserkraftwerk sowie das teilweise renaturierte Flüsschen Sechta im Ostalbkreis begutachtet.

Begradigung hat Rems 20 Kilometer verkürzt

„Bei der Ausbildung ist uns sehr bewusst geworden, wie der Fluss funktioniert und was wir mit ihm gemacht haben“, sagt Corina Oesterle. Und dann erzählen sie und Norman Böbel von der in den 1930er-Jahren begonnenen Begradigung der Rems, die den 100-Kilometer-Fluss auf knapp 80 Kilometer verkürzt hat. Von den zahlreichen Staustufen, die das natürliche Fließverhalten der Rems verändert und dadurch den Lebensraum vieler Tiere zerstört haben. Von zu steilen Fischtreppen, die Arten wie Forelle und Barbe – beide brauchen Fließgewässer – das Leben schwer machen.

„Die Rems wäre normalerweise viel schmaler und würde schneller fließen“, erklärt Norman Böbel, dessen Spezialthema bei künftigen Führungen das größtenteils unsichtbare Leben unter der Wasseroberfläche sein wird. Das liegt nahe, schließlich hat er schon im Alter von zwölf Jahren eine Prüfung für den Fischereischein abgelegt und ist seit acht Jahren als Gewässerwart in Weinstadt tätig.

Corina Oesterle kommt aus einer ganz anderen Ecke: Die Groß- und Außenhandelskauffrau landete durch ihren Mann beim Weinbau und kann eine Ausbildung als Weinerlebnisführerin vorweisen. „In dem Bereich könnte ich eigentlich noch mehr machen, deshalb habe ich erst gezögert, als ich von der Ausbildung zum Gewässerführer gelesen habe.“ Sie hat sich dann doch für die Weiterbildung entschieden, weil sie die Chance nutzen wollte: In näherer Zukunft wird es keinen zweiten Gewässerführerkurs für die Rems geben.

Was tummelt sich im Fluss?

Von Beginn der Gartenschau an will Corina Oesterle in rund anderthalbstündigen Führungen den Blick vor allem auf die Kleinstlebenwesen im Gewässer lenken. Gerade für Kinder seien Projekte wie ein Klassenzimmer am Fluss spannend, bei dem diese Wesen gefangen und bestimmt werden, sagt sie und argumentiert: „Wenn man eine Veränderung will, ist es gut, in der nächsten Generation anzufangen.“

Dazu passt auch ein weiteres Thema, das die 44-jährige Mutter umtreibt: der Plastikmüll, der nicht nur die Meere bedroht, sondern auch andere Gewässer – und der immer mehr überhand nimmt, wie Norman Böbel bestätigt: „Es ist immer wieder überraschend, was die Leute alles im und am Wasser entsorgen – sie pfeffern alles rein ohne nachzudenken, vom Plastikbecher bis zur Autobatterie.“ Sein Fazit: „Man lebt hier an der Rems, aber nicht mit ihr.“ Der Fluss werde stiefkindlich behandelt, sagt Böbel. Das wollen die Gewässerführer ändern – ob an der Quelle bei Essingen, an der Neckarmündung in Remseck oder in Weinstadt, wo Corina Oesterle und Norman Böbel vor allem im Bereich des Birkel­areals Exkursionen anbieten werden. Derzeit wird dort der Mündungsbereich des Haldenbachs in die Rems mit einigem Aufwand renaturiert. „Wir werden während der Gartenschau immer am ersten und am letzten Samstag im Monat Führungen anbieten“, sagt Corina Oesterle. Und dabei, so hoffen sie und ihre Kollegen, den Teilnehmern nahe bringen, wieso die Rems schützenswert ist.